«Alleingangmentalität», «Bunkerschweiz», «veraltetes Geschichtsbild» die Historiker Josef Lang und Georg Kreis waren in der Diskussionsrunde «Der Club» vom 4. August 2009 der gleichen Meinung: Das Fernsehprojekt «Alpenfestung» nähre einen längst überholten Réduit-Mythos. Allerdings war die Kritik voller ideologischer Ressentiments. Was die Debatte vor allem vermissen liess: Sachlichkeit und Fachkenntnis.
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Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hat die Schweizer Armee gegen einen Angriff von Norden mit einem Grossaufwand an Geld, Schweiss und Material eine befestigte Linie zwischen Sargans und Basel ausgebaut. Das bedeutete ungezählte Bunker, Schartenstände, Schützengräben, Drahtverhaue, Tanksperren, Höckerhindernisse, permanente und provisorische Sprengobjekte quer durch das Mittelland. Genügend Truppen zur Besetzung dieser «Armeestellung» gab es nicht, so dass der linke Flügel in der Nordwestschweiz im Kriegsfall durch französische Divisionen hätte übernommen werden sollen.
Im Mai/Juni 1940 war innert kürzester Zeit Frankreich unter der deutschen Offensive zusammengebrochen, zudem trat Italien auf Seiten Deutschlands in den Krieg ein. Somit war die bisherige Armeestellung kampflos ausgehebelt worden. Was tun, wollte man den Achsenmächten auch weiterhin die Zähne zeigen?
In dieser, militärisch gesehen, verlorenen Lage beschloss das Armeekommando, die Truppen zur Rundumverteidigung in den Alpenraum zurückzunehmen. Planstudien ergaben, dass ein geordneter Rückzug, hinhaltender Kampf unter feindlichem Druck wegen der Überlegenheit der deutschen Luftwaffe und der mechanisierten Verbände, nicht in Frage kam. Also wurde das Réduit präventiv, das heisst vor einem Angriff, befestigt und bezogen. Eine glaubwürdige Alternative zu organisiertem und kompaktem Widerstand hat es nicht gegeben. Glücklich war niemand darüber, weder Armee noch Zivilbevölkerung. Doch haben beide Teile die Verpflichtung angenommen.
Was entscheidend bleibt: In auswegloser Lage ist die Schweiz vom Krieg verschont geblieben. Damit haben, unbesehen aller unabdingbaren wirtschaftlichen Verflechtungen, Volk und Armee ihre gemeinsame Aufgabe erfüllt.
Nun das Réduit als eine Art «Demutsgeste» gegenüber Hitler umzudeuten, dazu bestimmt, anstelle der Soldaten Arbeiter zur Unterstützung der deutschen Kriegsmaschinerie zu mobilisieren, ist Unfug. Sinn und Zweck des Réduits bestanden darin, nachdem eine nachhaltige Verteidigung im Mittelland mit unseren Kräften und Mitteln offensichtlich aussichtslos geworden war, weiterhin die für die Achse kriegswichtigen Alpentransversalen zu kontrollieren, die Hoheit über einen Teil unseres Territoriums bis zum Kriegsende zu bewahren, die taktischen Vorteile des alpinen Geländes infanteristisch und artilleristisch auszunützen und schliesslich die mythische Stärke des alpinen Raumes psychologisch umzusetzen. Insgesamt sollte ein Signal ausgesendet werden, dass wir für Freiheit und Ehre bis zum Äussersten gehen, unsere Haut so teuer als möglich verkaufen würden.
Wie man auch aus deutschen und italienischen Militärakten ersehen könnte, wenn man sie nur wissenschaftlich untersuchen wollte, ist das Signal angekommen – ob es den Armeeabschaffern mitsamt der ominösen «Bergier-Kommission» ins Konzept passt oder nicht. Was mit einer «Schweiz ohne Armee» geschehen wäre, kann man sich denken.













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