Intern

Hanspeter Born

Von Roger Köppel

Vor einem Vierteljahrhundert trat er als Auslandchef in die Redaktion ein und wurde zu einer der prononciertesten Stimmen der Weltwoche, für die er seither, ein Abstecher zum Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers ausgenommen, in wechselnden Funktionen schrieb. Hanspeter Born, Jahrgang 1938, promovierter Anglist, gehört zu den besten, interessantesten, vielseitigsten und leidenschaftlichsten Journalisten der Schweiz. In angelsächsischer Tradition entwickelte er sich nicht nur zum akribischen Rechercheur und Erzähler, sondern auch zum thesenfreudigen Kommentator, der nichts so sehr liebt wie die überraschende und provokative Perspektive. Lange bevor es den Begriff überhaupt gab, stellte sich HP Born gegen die politische Korrektheit, aus einem ursprünglichen Drang heraus, sich nicht mit den erstbesten Deutungen zufriedenzugeben. Wie kaum ein anderer lebte er dem Credo nach, das Friedrich Dürrenmatt mit Blick auf die Weltwoche sinngemäss einst so formulierte: Was beeindruckt, ist die Fähigkeit ihrer Autoren, Dinge auszusprechen, die andere nicht auszusprechen wagen.

Alle Artikel von Hanspeter Born seit 2001

Dem Verfasser dieser Zeilen, damals Student und Leser des linksstehenden Tages-Anzeigers, fiel Born erstmals in den achtziger Jahren auf, als der Korrespondent und Reporter in seinen Berichten über den US-Präsidenten Ronald Reagan und die britische Premierministerin Margaret Thatcher zu ganz anderen Schlussfolgerungen kam als das Leibblatt des Junglesers. Born sah in den beiden Staatschefs nicht die Verkörperung reaktionärer Irrlehren, sondern zukunftsweisende, intelligente Politiker, denen in den meisten deutschsprachigen Zeitungen ungerechtfertigte Ablehnung bis Hass entgegenschlug. Der Mut, unkonventionelle Positionen gegen den Zeitgeist zu setzen, zeichnen Born bis heute aus.

Einer breiteren Leserschaft bekannt wurde der Autor, als er in minuziösen Ermittlungen den legendären «Mord in Kehrsatz» bearbeitete. Die Artikel wuchsen sich zur Serie aus, die sich auflagesteigernd auf die Weltwoche auswirkte. Borns Texte waren Tischgespräch. Mag ja sein, dass sich der Autor am Ende in einigen seiner Schlussfolgerungen zu weit aus dem Fenster lehnte, ungeachtet dessen ist ihm gelungen, was kaum ein anderer Schweizer Journalist schaffte: Er deckte schwere juristische Unzulänglichkeiten auf und veränderte dadurch den Gang eines Verfahrens, das die Schweiz monatelang in Atem hielt.

Born war immer ein Journalist, der sich nicht in die Sicherheit des Büros zurückzog, sondern an die Front drängte. Bereits als junger Radiokorrespondent gelang es ihm, den nachmaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore vor ein Mikrofon zu bringen. Um über einen Konflikt in Indien zu berichten, raunen noch heute ältere Kollegen, bestieg er kurzerhand einen Flieger, ehe er sich, als Sikh verkleidet, ins Krisengebiet begab. Im Januar vor einem Jahr (!) kehrte der frühere Washington- Korrespondent mit bewährter Euphorie von einer seiner USA-Reisen zurück und erklärte der staunenden Redaktion, er habe soeben den nächsten amerikanischen Präsidenten gesehen. Er sei schwarz und heisse Barack Obama. Genau dies beeindruckte und inspirierte uns am meisten: Hier war ein unermüdlich neugieriger, immer diskussionsfreudiger, sehr breit gebildeter Kollege unterwegs, der seine Chefredaktoren und Kollegen bereits frühmorgens mit immer neuen Ideen und Anregungen eindeckte. Eine Figur aus der journalistischen Heroen-Zeit.

Ende Juli hat Hanspeter Born, eigentlich kaum auszudenken, seine ordentliche Pensionierung angetreten, um sich aus dem redaktionellen Alltag zurückzuziehen und ein neues Buchprojekt in Angriff zu nehmen. Es ist uns deshalb ein grosses persönliches Anliegen, uns bei diesem herausragenden Journalisten für seine langjährige, auch kritische Treue zur Weltwoche zu bedanken. Mit seiner Energie, seiner Leidenschaft und seiner an einen Zehnkämpfer erinnernden Vielseitigkeit bleibt Born ein Vorbild. Wir freuen uns darauf, in den kommenden Wochen noch einige Artikel aus der Feder dieses Autors zu drucken. Darüber hinaus heissen wir ihn schon jetzt willkommen, wenn er sich in diesen Spalten wieder zu Wort meldet. Auf jeden Fall wünschen wir ihm und seiner Familie fürs Erste alles Gute für den neuen Lebensabschnitt.

 

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