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12.08.2009, Ausgabe 33/09

Hochzeit

Für immer und ewig mein

Die Künstlerin Lara Russi (30) hat im Juni geheiratet: sich selbst. Der Entscheid gegen die monogame Zweierbeziehung fiel ihr nicht leicht.

Von Franziska K. Müller

«Bis dass der Tod mich scheidet»:«Ehepaar» Rossi. bild: Nathalie Bissig

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Lara: Ich trug ein weisses Hochzeitskleid mit einem Schleier und cremefarbene Cowboystiefel. In der Hand hielt ich einen schwarzen Reisekoffer und einen Rosenstrauss. In diesem Aufzug holte ich meine Trauzeugen ab, und wir spazierten gemeinsam zum öffentlichen Pavillon im Park des Zürcher Landesmuseums. Dort stellte meine Trauzeugin den Tisch auf, ich warf ein rotes Tuch darüber, arrangierte einige Utensilien und positionierte mich dahinter. Nach einer kurzen Pause sagte ich: «Die Heirat/The Marriage.» Dann nahm ich die Mundharmonika vom Tisch und blies dreimal fanfarenmässig hinein.

Lara: Den Worten «Ich liebe mich selbst, bis dass der Tod mich scheidet» folgte das Unterschreiben des entsprechenden Schriftstückes. Anschliessend nahm ich den Goldring aus dem Täschchen, den ich für diesen Anlass hatte schmieden lassen. Ich sagte: «Als Zeichen dieser Verbundenheit trage ich ab jetzt den Ring.» Ich steckte mir das Schmuckstück an den rechten Mittelfinger und legte meine Hände ineinander. Als die Zeremonie beendet war, holte ich Weisswein, Wasser, Erdbeeren und Truffes aus dem Koffer und stiess mit den Trauzeugen auf den grossen Tag an. Als Geschenke erhielt ich eine Tube Schokolade und einen Stempel, auf dem «Ehering» steht. Dann gingen wir gemeinsam essen. Die Flitterwochen hatte ich bereits vor dem Hochzeitstag eingezogen. Eine Reise nach Sylt. Zusammen mit mir.

Lara: Natürlich kenne ich mich schon lange. Ich erlebte schlechte und gute Zeiten und komme im Grossen und Ganzen prima mit mir aus. Aber wie heisst es so schön? «Drum prüfe, wer sich ewig bindet.» Was ist Zweisamkeit? Wie viel Verantwortung muss man in einer Beziehung für andere, aber auch für sich selbst übernehmen?

 

Lara: Es gibt vielleicht Leute, die meine Vermählung mit mir selbst als narzisstische oder blasphemische Aktion sehen könnten. Davon distanziere ich mich. Die Institution Ehe zweifle ich nicht grundsätzlich an. Aber gewisse Fragen stellen sich natürlich schon, wenn man sich für eine Heirat entscheidet. Die Bedeutung von Ritualen oder der gesellschaftliche Konsens, der mit der monogamen Zweierbeziehung einhergeht, interessierten mich im Vorfeld der Vorbereitungen und Recherchen. Vor allem beschäftigte mich die Frage nach Selbstbildern. Die einen springen an Seilen von Brücken, ich setzte mich mit Selbsterfahrungsprozessen auseinander. Das braucht auch Mut.

Lara: Meiner Meinung nach ist die wichtigste Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung – mit sich selbst und mit anderen –, dass man sich so akzeptieren kann, wie man ist, und alleine gut zurechtkommt. Diese Prozesse, die der Einzelne durchaus steuern kann, fielen mir am Anfang auch nicht leicht. Dass man sich gern hat, muss geübt, anderes geklärt werden. Zum Beispiel gehe ich problemlos allein ins Theater, aber im Kino bin ich gerne mit jemandem zusammen. Wieso? Solchen Fragen ging ich unter anderem vor der Heirat auf den Grund.
Lara: Die Reaktionen auf meine künstlerische Arbeit, die Performance «The Marriage», sind unterschiedlich. Die häufigste Frage lautet: «Kannst du dich scheiden lassen?» Diese Option steckt in den Köpfen drin. Viele Menschen glauben, wenn es mühsam wird und der Partner einem auf den Wecker fällt, finde man bestimmt etwas Besseres. Ich antworte: «Nein, ich kann mich nicht scheiden lassen», und: «Von mir selbst trennen könnte ich mich nur durch einen Suizid.» So gesehen haftet der Autoheirat etwas Radikales an.

Lara: Das Thema ist nicht ausgeschöpft. Die Frage, ob ich meine Ehe gesetzlich legalisieren lassen könnte, interessiert mich nicht. Eher würde ich mich in einer weiteren Arbeit mit den romantischen Idealen und Erwartungen auseinandersetzen, die mit einer Heirat verbunden sind.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 33/09
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Kommentare

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Christine     13.08.09 20:00

Frau Russi ist wahrscheinlich kein Him-Beeri.

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