Lebenshilfe - Karriere

Wie verhandle ich erfolgreich?

Für einen erfolgreichen Vertragsabschluss braucht es eine seriöse Vorbereitung und eine sorgfältig erarbeitete Strategie. Sie sollten die Ziele Ihres Gegners kennen und als Chef in den ersten Verhandlungsrunden niemals selbst in Erscheinung treten.

Von Christoph Blocher

Zuerst: Was sind die häufigsten Fehler bei Verhandlungen? Warum erweisen sich häufig Verhandlungsergebnisse – meist hinterher – als schlecht oder gar katastrophal? Weil die wichtigsten Prinzipien missachtet werden.

Vorbereitung

Viele glauben, die richtige Verhandlungstechnik sei für das Ergebnis das Wichtigste. Verhandlungstechnik und Verhandlungspsychologie in Ehren, aber das Wichtigste sind sie nicht. Entscheidend für einen erfolgreichen Abschluss sind die Vorbereitungen. In der seriösen Vorbereitung steckt der Erfolg.

Was will ich?

Ein gutes Verhandlungsergebnis zeichnet sich dadurch aus, dass die eigenen Ziele, der eigene Wunsch als Übereinkunft erzielt werden. Deshalb ist es entscheidend, sich intensiv mit dem Ziel zu beschäftigen. Was will ich? Welche Möglichkeiten gibt es, um das zu erreichen? Das tönt selbstverständlich, aber leider wird gerade das vernachlässigt. Wer empirisch die gescheiterten Verhandlungen in Wirtschaft und Politik untersucht, merkt, dass weder das Ziel noch Varianten dazu abgeklärt worden waren. Es wird drauflosverhandelt, ohne Klarheit über die eigene Strategie zu haben. Man erzielt zwar eine Übereinkunft, redet von Durchbrüchen und Konsens, merkt aber erst später, dass man etwas vereinbarte, das man gar nicht wollte. So haben sich weitaus mehr als die Hälfte aller – in der Regel in lauten Tönen gepriesenen – Abschlüsse von Fusions- und Akquisitionsverhandlungen weltweit später als Flop erwiesen. Nebulöse Absichten und verworrene Ziele, wie zum Beispiel «Grösse der neuen Firma» und spektakuläre Nebensächlichkeiten, waren Richtschnur. Nur das massgebende Ziel: die Stärkung der eigenen Firma und die Steigerung des Ertrags, wurde nicht erreicht. Dabei kommt es ja eigentlich nur darauf an.

Variantenstudium

In den Verhandlungen bin ich stark, wenn ich nein sagen kann. Wer kein Ausstiegsszenario kennt, setzt sich selbst unter Druck. Der Verhandlungsgegner wird dann stark, weil er weiss: Mein Visavis braucht einen Abschluss. Wer sich vorgängig intensiv mit Varianten beschäftigt, weiss: Es gibt immer eine Alternative. «Viele Wege führen nach Rom» gilt auch im Alltag.

Oft – gerade in der Politik hört man: «Das ist die einzig mögliche Lösung.» Häufig wird sie dem Stimmbürger fast erpresserisch schmackhaft gemacht. Eine solche Aussage ist immer falsch. Nie ist etwas die einzige Lösung! Wer nur eine Lösung erkennt, ist entweder fantasielos oder hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Was will mein Gegenüber?

Zur Vorbereitung gehört auch, sich mit dem Verhandlungsgegner zu befassen. Herauszufinden, was er will, ist entscheidend. Ein einfaches Beispiel: Ich will mein Auto zu einem guten Preis verkaufen. Es ist ein Unterschied, ob mein Verhandlungsgegner unbedingt mein Auto will oder ob er es als eines unter vielen prüft. Natürlich gibt der Käufer seine Absicht nicht offen preis. Also gilt es, diese herauszufinden. Bei anspruchsvolleren Verhandlungen – denken Sie an Firmenkäufe oder Staatsverträge – sind solche Interessenanalysen des Kunden, Abklärungen seiner Interessen, von grösster Bedeutung. Diese führen zu sorgfältig erarbeiteten Verhandlungsmandaten und zu raffinierten Strategien. Leider beweist der Alltag bis in die höchsten Etagen, dass dies selten sorgfältig gemacht wird. Das Ende ist ein zugegebener oder verdeckter Misserfolg!

Wer verhandelt?

Im Alltag – denken Sie an die täglichen Einkäufe – wird es stets der Interessierte selbst sein, der verhandelt. Bei grösseren Geschäften, bei einem Hausverkauf, sicher bei Firmenkäufen und vor allem bei Staatsangelegenheiten, sollte nie derjenige verhandeln, der über das Verhandlungsergebnis entscheidet. Gutes Verhandeln ist anstrengend, zermürbend. Unterhändler können in ausweglos scheinenden Situationen stets geltend machen, sie seien zum Abschluss nicht befugt, können zurück in die «Entscheidungsetage». Das gibt Zeit zum Überlegen. All das können die entscheidenden Leute, wenn sie selbst verhandeln, nicht.

Darum gilt der eiserne Grundsatz, dass der Chef des Unternehmens nie selbst verhandelt. Der Chef sagt, was er will, genehmigt Varianten und führt die Verhandler – aber nicht am Verhandlungstisch. Es genügt, wenn sich der Chef für den Abschluss, die Unterschrift und die Abschlusszeremonien zeigt. Darum ist es ein Unsinn, dass Bundesräte sich in Verhandlungen stürzen. Das kann nur schiefgehen und ist zum Schaden der Schweiz. Zum Verhandeln hat man Staatssekretäre, Botschafter, Minister und Amtsvorsteher. Man zieht die Fäden im Hintergrund und stärkt so den Verhandlern den Rücken.

 

Kommentare

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  • gneukamp
  • 17.08.09 | 14:25 Uhr

Ich bin ein begeisterter Anwender des Harvard Konzeptes, in einigen Bereichen stoßt das sachgerechte Verhandeln an seine Grenzen.

Wenn der Sieg die einzige Option ist.

"Das Harvard Konzept" strebt win-win Situationen zwischen zwei Parteien mit unterschiedlichen Positionen und Bedürfnissen an. Sachgerecht verhandeln funktioniert seit Jahrzehnten ausgezeichnet - aber nicht in jedem Kontext: Unser blog dient der Sammlung und Diskussion von Verhandlungsansätzen in Verhandlungssituationen bei denen der Sieg über den Verhandlungspartner entscheidend ist.

Ich lade Sie ein unseren blog zu besuchen:

http://negotiatetowin.blog.com/

Mit besten Grüßen aus Wien

Guenther R. Neukamp (BTSplus)

  • Christine
  • 06.08.09 | 21:09 Uhr

PS: ... immer auch das Gegenteil dessen, ....

Wenn mir da nicht direkt auffällt, dass dies exakt nach Ausgleich und Balance ruft. Ob das an meinem Waage-Aszendenten liegt? Nicht, dass ich Astro-Gläubig wäre.. Aber man weiss ja nie.

Letzthin las ich vom Pauli-Effekt (Physiker Wolfgang Pauli), das ich bei Gelegenheit vertiefen möchte. Dabei ging es darum, dass er eine spezielle Person mit einer speziellen Aura gewesen war, von der gewisse Wirkungen ausgegangen seien im Zusammenhang mit Tatbeständen (zwei Elektronen in einem Atom finden zusammen), die in Beziehung zueinander stehen, jedoch nicht ursächlich, sondern in ihrer Wirkung: An der Uni Göttingen passierte ein ungewöhnliches Missgeschick, für das keine Ursache gefunden werden konnte. Man gedachte des schon bekannten Pauli-Effektes und prüfte nach. Tatsächlich befand sich Pauli auf einer Reise nach Dänemark. Er musste einmal umsteigen und zwar in Göttingen, wo er genau zum Zeitpunkt der Explosion in Göttingen auf den Bahnsteig trat.

Also könnte auch einiges am Waage-Aszendenten liegen, würde ich meinen. ;-)

  • Christine
  • 06.08.09 | 20:44 Uhr

Und, Gallus, wenn es darum geht, eine Lösung zu finden, resp. eine Entscheidung zu treffem:

Immer auch das Gegenteil dessen, was man mag, was einen ohne grosse Ueberlegung die richtige Entscheidung dünkt, in Betracht ziehen. Auch bei kleinen Dingen. Das bringt Entscheide, und zwar gute Entscheide, die sonst nicht möglich wären. Wenn das für mich funktioniert, dann sollte es auch für die grosse, weite Welt funktionieren. ;-)

Gruss
Christine

  • Gallus
  • 03.08.09 | 13:35 Uhr

"Oft – gerade in der Politik hört man: «Das ist die einzig mögliche Lösung.» Häufig wird sie dem Stimmbürger fast erpresserisch schmackhaft gemacht. Eine solche Aussage ist immer falsch. Nie ist etwas die einzige Lösung! Wer nur eine Lösung erkennt, ist entweder fantasielos oder hat seine Hausaufgaben nicht gemacht."

Diese Saetze (oder noch besser, den ganzen Artikel) sollte man an den Anfang jedes Staatskundeunterrichtes stellen (sofern es den noch gibt).

 
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