Es passiert doch jedem Menschen, dass er sich über gewisse Momente im Leben ärgert oder auch über Personen, seien sie naiv oder überheblich. Jetzt kommt einer auf die Bühne und spielt genau einen solchen Typen oder eine solche Szene. «Genau so empfinde ich diese Person auch» – denkt sich der Zuschauer und muss unweigerlich lachen. Natürlich trägt ein humorvolles und komisches Darstellen einer allgemein bekannten Lebenssituation verstärkt zu einem befreienden Lachen bei.
Meine Programme hatten nie einen missionarischen Charakter. Die Leute merkten, dass ich nicht belehren wollte. Ich wollte jeweils nur zeigen, wie wir sind, was wir fühlen können, und auch, wie dumm wir oft sind. Ich habe mich da nie ausgeschlossen, denn viele Szenen habe ich selber erlebt und spielte Momente, die ich fast aus meiner Naivität heraus auch geschehen liess. Dazu kam natürlich, dass ich es gerne spielte und es mir ungeheuer Spass machte. (Ich war fast süchtig nach einem vollen Theatersaal voll lachender Menschen.)
Im Alltag möchte ich niemanden beleidigen oder ihm weh tun. Wieso soll ich es auf der Bühne machen? Vermutlich würde es mir gar nicht gelingen.
Treffe ich eine Figur so genau, dass jemand im Publikum sich wiedererkennt, dann lacht er trotzdem im Theater, denn er würde sich ja sonst ertappt fühlen, wenn er mit böser Miene dasitzen würde. Man kann auch über eine Szene lachen und im Moment gar nicht merken, dass es einen selber trifft – erst ein paar Stunden später kommt die Erkenntnis, in abgeschwächter Form, so dass er sicher über sich selbst lachen wird. Das ist ja das höchste Ziel, sich selber nicht so ernst nehmen und über sich lachen können.
Der ehemalige DRS-Radiodirektor Guido Baumann schrieb mir einst: «Für mich bist Du kein Kabarettist, sondern ein Menschendarsteller, der auch in bösen Mustern das Menschliche und Liebenswürdige durchscheinen lässt.»
Da ich selber auch Fehler mache, von Fehlern anderer sogar profitiere, ihre Sprache und Gesten kopiere, ergibt sich eine Mischung, die gar nie aggressiv-bösartig oder eben verletzend enden kann. So wird es auch weiterhin bleiben. Sie müssen keine Angst haben. Vielleicht übernehmen Sie, liebe Leser, auch meine Optik, in dem Sie aus den ärgerlichsten Szenen, die Sie erleben, nur das Komische rauspicken und somit darüber schmunzeln können.
Wenn Sie sich also über einen Menschen lustig machen wollen, tun Sie das liebenswürdig und mit einem charmanten Lächeln. Und vergessen Sie vor allem nicht, den nächsten Witz des Abends über sich selber zu machen.













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