Namen

Pop ohne Rock

Falsche Wimpern, blonde Perücke und fertig ist das surreale Gesamtkunstwerk, das sich Lady Gaga nennt.

Ausserhalb der Realität: Sängerin Lady Gaga. Bild: Universal Music

Lady Gaga - «Eurofuturistisch», so wird ihr Styling genannt, und wenn die 23-Jährige auftritt, sitzen Madonna und Cyndi Lauper im Publikum. Die amerikanische Chartstürmerin weiss, was sie ihren Fans und der Menschheit beibringt: «Ich glaube, ich ändere, was die Leute bisher für sexy hielten.» Nachdem sie von der Universität geflogen war, brachten ihr die beiden Hits «Just Dance» und «Poker Face» Weltruhm und ein Platinum-Album ein. Bewege sie sich heute in der Öffentlichkeit, aktiviere sie einfach das «Lady-Gaga-Programm»: Das heisst, sie vergisst öfter, einen Rock anzuziehen falsche Wimpern und blonde Perücke fehlen jedoch nie. Damit begeistert das bisexuelle Gesamtkunstwerk auch Stilikonen wie Marilyn Manson, der kürzlich lobte: «Sie sieht genau so aus, wie ein Rockstar aussehen sollte.» Lady Gaga verriet daraufhin, wie sie sich vom unscheinbaren Teenager in ein schillerndes Wesen ausserhalb der Realität verwandelte: Im Drogenrausch habe sie einst stundenlang vor dem Spiegel gestanden, sich geschminkt, frisiert und angezogen. «Als ich wieder nüchtern war, fand ich es immer noch toll und blieb dabei.» Der surreale Flirt erreichte seinen Höhepunkt, als Manson das intime Geständnis der Sängerin mit der Frage quittierte: «Du bist so toll: Darf ich deinen Unterleib untersuchen?» (fkm)


Jeffrey Lebowski - Was Stachanow, der Held der Arbeiter, für die Sowjetunion gewesen ist, ist Jeffrey Lebowski für das filmemachende Brüderpaar Joel und Ethan Coen. Mit dem «Dude», wie sich Lebowski in deren Kultfilm «The Big Lebowski» vorstellt, haben sie 1998 einen Helden für Arbeitslose, Taugenichtse, Unsinnsuchende und Ewig-Hippies kreiert. Ein Idol, dem Fans und Jünger weltweit huldigen. In San Francisco treffen sie sich jedes Jahr zum Dude-Fest, wo sie im Bademantel und in Schlarpen zu Musik von Creedence Clearwater Revival beim Bowlingspielen und Kiffen mit sinnlosen Phrasen aufeinander eindreschen. Das Zürcher Open-Air-Kino lässt den Mythos nun auch bei uns aufleben. Anlässlich des Zehnjahrjubiläums der Cineman Night hat man den Streifen unter das ansonsten topaktuelle Programm gemischt. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass in der Pause ein Kaukasier gemixt wird – so nennt der «Dude» liebevoll sein Lieblingsgetränk, den White Russian. (os)

Franz Linder - Wer auf den Parkplatz des Beizers und Kunstsammlers im Steffisburger Oberdorf einbiegt, erlebt eine Begegnung der dritten Art: Eine fünf Meter hohe Statue des jüngst verstorbenen «King of Pop» Michael Jackson überblickt majestätisch den Hinterhof, Blumen trauernder Fans zu Füssen. Beim Betreten von Linders «Pizzerante da Francesco» geht das Staunen erst richtig los: Rund ein Dutzend Unikate schmücken die Wände, darunter das Platinalbum für 25 Millionen verkaufte Exemplare von «Thriller», eine der berühmten Uniformjacken sowie eine Papierserviette des «Palace» Gstaad, auf die Jacko einst eine Widmung für seine Vertraute Liz Taylor kritzelte. Mit den mittlerweile «gut versicherten» Devotionalien will die Familie Linder ihr Restaurant zum Museum und das «Grotto» im Untergeschoss zur Gedenkstätte ausbauen. Bereits laufen die Bauarbeiten, Eröffnung soll Ende August sein. «Für Stammgäste, die nicht so auf Jacksons Musik stehen, ändert sich absolut nichts», versäumt Wirt Linder («traditionelle Schweizer Küche») nicht zu erwähnen. (ats)

Mike Tyson - Nicht immer haben Schwer-gewichtsboxer im Ruhestand ein glückliches Fäustchen beim Versuch, ins Geschäftsleben überzutreten. So kann sich George Foreman (68 Siege durch Knockouts, 5 Niederlagen) damit brüsten, bis heute mit seiner «Lean Mean Fat-Reducing Grilling Machine» gesamthaft mehr Kohle gescheffelt zu haben als zu seinen Aktivzeiten im Ring. Mike Tyson (44 K. o., 6 Niederlagen) hingegen gibt derzeit sein jüngstes Comeback auf der Grossleinwand. Nach einer Vergewaltigungsklage, zwei Gefängnis-aufenthalten und der persönlichen Konkurs-erklärung im August 2003 schlägt er im Buddy-Movie «The Hangover» (Filmstart in der Deutschschweiz am 23. Juli) gleich doppelt zu: In einer Nebenrolle wuchtet Tyson, der sich selbst spielt, einen der Hauptdarsteller auf die Matte eines Hotelzimmers. Zum anderen gibt er am Piano den Phil-Collins-Hit «In the Air Tonight» zum Besten. Das ist einerseits dermassen komisch, dass wir Tyson auch musikalisch gerne in der Kategorie «One-Hit-Wonders» verbuchen möchten andererseits haut er bei den Hochtönen dermassen daneben, dass man sich am liebsten das Ohr abbeissen möchte. (os)

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