Vergangene Woche war ich in Florenz. Ich hatte eine Verabredung mit einem Mann, der gleich heisst wie ein Platz in der Stadt und ein Restaurant (das war weniger ein Quiz, mehr eine Art Namedropping mit Witz, finde ich) , Antinori, Marchese Piero Antinori. Das Restaurant, die «Cantinetta Antinori», befindet sich an der Piazza Antinori 3 und ist, nebenbei, möglicherweise ein Restaurant, in dem der erste Stock besser ist als das Parterre (obwohl es streng genommen kein erster Stock ist, sondern ein oberer Aufbau oder Rang). Weitere Restaurants, von denen MvH-Leser finden, der erste Stock sei besser als das Parterre: «Stokehouse» in Melbourne oder «Victorian» in Düsseldorf.
«Flugproblem-Geschichten anderer Leute interessieren mich auch nicht», stand in dieser Spalte vor genau einem Jahr (MvH, Weltwoche Nr. 29.08). Aber diese Geschichte ist Zucker, in meinen Augen: Mein Swiss-Flug LX 1674 konnte nicht landen in Florenz, wegen starken Rückenwinds angeblich. Also wählte man Bologna (zweistündiges Warten auf Gepäck und anschliessende Fahrt in einem Reisebus, ausser man nahm ein Taxi, zum Flughafen Florenz, wohin man eigentlich nicht mehr wollte, ausser man hatte Anschluss, überspringe ich, weil langweilig). In Florenz war es windstill, von mir aus gesehen, als ich mit zirka drei Stunden Verspätung ankam. Am folgenden Tag, vor meiner Abreise, hiess es, der Swiss-Flug LX 1681 könne nicht landen, wegen starken Rückenwinds angeblich. (Ich ging nach draussen einen Finger in die Luft halten und kann nun ein Wort schreiben, das es so bisher nicht gab – Phantomwind.) Also wählte man stattdessen Pisa, um Stunden später leer, ohne Passagiere, in Florenz einzutreffen. (Ich fragte eine Co-Pilotin von Swiss, mit der ich bekannt bin, wie es genau sei mit Rückenwind in Florenz. Sie sagte, es könne ein Problem sein. Ich bleibe dabei – Phantomwind.) Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal schreibe, aber ich empfehle, den Zug zu nehmen nach Florenz resp. Lufthansa oder Alitalia (Flieger dieser Gesellschaften landeten nämlich, während Swiss unterwegs war nach Pisa).
Worüber ich mit dem Marchese, der nicht nur Eigentümer der «Cantinetta Antinori» ist, sondern dem auch Weinberge in der Toskana und in Kalifornien gehören, gesprochen habe, bringe ich ein anderes Mal. Heute dafür drei Empfehlungen für Leser, die Juli, August in der Schweiz bleiben, das heisst in Zürich, und schon die längste Zeit Restaurants gesucht haben, in denen man samstags nachmittags zu Tisch sitzen kann (wie Ihr Kolumnist): «Kaufleuten» (draussen), «La Piazzetta» (draussen) und «Ristorante Bindella» (drinnen); in das «Bindella» bitte nicht ohne Reservierung gehen (ich habe erwachsene Männer, also CEOs, weinen sehen, weil sie keinen Tisch bekommen haben, obwohl sie Geschäftsführer Conteduca zu kennen meinten). Diesen Sommer, übrigens, braucht man niemandem zu erklären, «zurzeit ist es zu Hause irgendwie am besten, darum sind wir nicht in St-Tropez» oder so (ein Vorteil der Wirtschaftskrise).
Jetzt noch zwei Abschnitte Kolumnen-Wirksamkeitsuntersuchung (resp. Reklame für MvH in MvH). Vor einigen Wochen hatte ich einen kleinen Auftritt im «Kaufleuten»: «Ein (und nur ein) Abend mit MvH und seinen Gaststars». Gaststar war Carl Hirschmann, ein Nachtklubbetreiber, der zum ersten Mal Stand-up-Comedy machen wollte. Vor meiner Show war seine Ausstrahlung ein wenig, sagen wir, matt gewesen. Danach hat er mehr Titel- und Textzeilen in Zeitungen und Zeitschriften bekommen als irgendein anderer Schweizer in dieser Zeit (ausser Roger Federer, doch der ist ein Supersuperstar).
Ich will jetzt nicht schreiben, das habe nur mit mir zu tun (das glaube nicht einmal ich). Aber ich darf sagen, nach seiner Premiere bei MvH gab es zuerst einen ziemlich harten Artikel auf tagesanzeiger.ch («Goldjunge Carl H. – in letzter Zeit häufen sich Tiefschläge»); einen ziemlich unfairen Artikel ebenfalls, «Goldjunge Carl H.» war dafür nicht befragt worden, so sah es aus. Doch ein paar Tage später kam seine Antwort, und die war ein Scoop (Liebesnacht mit Miss Schweiz Whitney Toyloy, sie hatte damals noch einen Freund). Seit er chez moi war, ist Carl ein Kapitalist in der Medienökonomie. Und das hat im Grunde keinen Preis. Ich denke, ich werde nächstes Mal als Gaststar Thomas Borer einladen.

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