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01.07.2009, Ausgabe 27/09

MvH

Meine Avenue

Unser Kolumnist reist an den Sitz einer Weltfirma und trifft einen Weltstar. Der verrät ihm ein Geheimnis.

Von Mark van Huisseling

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Vergangene Woche war ich in Paris. Seit kurzem benutzt man, aus Zürich kommend bzw. dorthin fliegend, Terminal 1, nicht mehr Terminal 2 (wegen Schengen vermutlich). MvH, so sah es aus, war die längste Zeit der Einzige, der den Flughafen CDG nicht nur schlecht fand (ich fand ihn in Ordnung, die Architektur sexy sogar). Aber das war damals, zu der Zeit von Terminal 2; heute, muss ich sagen, ist es anders und Charles de Gaulles Terminal 1 une poubelle (mit wenig Platz, kaum Cafés, no duty-free shop, keiner rechten Lounge, nicht einmal Steckdosen gibt es). Ich meine, ich bin ein Anwalt der Fliegerei, und falls ich noch an Aktien glauben würde, hätte ich die von Swiss (bzw. Lufthansa), aber nach Paris wird MvH in Zukunft wahrscheinlich mit dem TGV fahren müssen, désolé.

In die Stadt resp. zu meinem Hotel zu kommen – ich wohnte im «Castille» an der Rue Cambon, neben Chanel; ich war Gast von TAG Heuer, einer Uhrenfirma –, war auch nicht frei von Mühen. Der Chauffeur sagte zwar, der Verkehr auf der Autobahn sei fluide, aber im Zentrum musste man überall warten, einige Strassen waren zu, weil Israels Regierungschef Netanjahu Frankreichs Präsidenten Sarkozy traf. Klar, Weltpolitik braucht es auch irgendwie, das sieht man ein. Trotzdem fällt es einem auf die Nerven, wenn man Polizisten von den CRS bitten muss, durch eine Sperre zu dürfen, um zu L’Eclaireur an der Rue Boissy d’Anglas zu kommen (ich empfehle dieses Geschäft, dort gibt es gute Kleidung und schöne Möbel sowie Nebensachen für zu Hause).

Später hatte ich eine Verabredung an der Avenue Montaigne bei LVMH, Moët Hennessy Louis Vuitton, dem Unternehmen, zu dem TAG Heuer gehört (Franzosen mögen Abkürzungen, fast wie MvH). An der Avenue M., nahe den Champs-Elysées, befindet sich etwa das «Plaza Athénée», in dem ich wohnen würde, wenn ich Erfolg hätte. Es interessierte mich also, wie es aussieht chez LVMH, an dieser schönen Strasse. Und es sieht chic aus: In der Halle (heller Marmor, bronzefarbene Rolltreppe, erinnert ein wenig an CDGs Terminal 2) stehen zwei Murakami-Skulpturen und einige Stützbalken mit LED-Leuchtbändern (man denkt an Jenny Holzer; ist aber keine Kunst, sondern sind bloss Bilder von Kleidern, Parfüms et cetera).

Im dritten Stock, wo es Büros gibt, begegnete mir Lewis Hamilton, ein Rennfahrer. (Das war jetzt ein bisschen nachlässig beschrieben – er wartete in einem Zimmer, so war es. Und er macht Reklame für die neue Uhr, Monaco LS Chronograph Calibre 12.) «Lewis, wie ist zurzeit Ihre Work-Life-Balance?» – «Es ist eine harte Zeit, ich habe doppelten Druck. Ich trainiere viel und brauche Zeit, um das Auto zu verbessern.» – «Haben Sie jemanden, der für Sie lebt, sozusagen? Der Einzahlungen macht, Kleider aus der Reinigung holt . . .» – «Ja, meinen Vater, er ist zuständig für mein tägliches Leben. Dann habe ich einen Personal Assistant und einige Manager von McLaren.» – «Gehen Sie einkaufen?» – «Nein.» – «Aber Sie sind schon von dieser Welt, oder? Wissen Sie, wie viel, sagen wir, eine Ausgabe der Sun kostet?» – «Ich komme aus normalen Verhältnissen. Die Sun, 30 Pence?» («20 Pence», sagt der Personal Assistant.) «Wie läuft es eigentlich mit Nicole, sieht man sich ab und zu?» (Nicole Scherzinger, seine Freundin und Sängerin/Tänzerin bei den Pussycat Dolls.) «Es ist gut, doch wir sehen uns nicht oft. Wenn ich ein paar Tage frei habe, nehme ich den Jet und fliege dorthin, wo sie gerade auftritt.» Sein Lieblingsrestaurant in Genf, wo er lebt, nebenbei, sei «Le Relais de lEntrecôte».

Das Abendessen dann fand in einem meiner Lieblingsrestaurants statt, der «Avenue». Dort isst das Auge mit (dieser Satz ist von Boris Becker, gebe ich gerne an), es liegt vis-à-vis den Büros von Elite, einer Modelagentur. Das Mädchen am Empfang erkannte mich nicht, das störte mich ein wenig (wenigstens kannte sie Alain Prost auch nicht – und der ist Franzose, war viermal Formel-1-Weltmeister zudem). Unser Tisch befand sich im ersten Stock, der ist gut für Touristen, finde ich. MvH, übrigens, kennt kein Restaurant, in dem der erste Stock besser ist als das Parterre. (Wer eines weiss, der sendet den Namen an geheimnisseA markvanhuisseling.ch.)
Jetzt noch ein Geheimnis für Sie: Lewis hat ein Bild von Nicole auf seinem Blackberry. Was sie darauf anhat, darf ich nicht sagen.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 27/09
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Kommentare

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kurtkoblet     07.07.09 14:06

körperhöhe ist wohl die einzige grösse die er noch führen kann. früher konnte man noch schmunzeln - demedici (nach kurzem intermezzo) weg - volles gefäss/kolumne für ihn. eigentlich könnte man sich den platz sparen für werbung, den anderes ist's ja nicht - gähntrainiergerät am anfang - jetzt "durchblättererartikel". zwischen schwach und peinlich.

Patricia     05.07.09 18:04

Ich weiss gar nicht, was Ihr habt. Etwas Auflockerung tut doch gut.

gerhardstehno     02.07.09 15:18

Dumm, dümmer geht es kaum mehr;
die Kolumnen von Herrn MvH könnten fast ein Grund sein um mein Weltwoche Abo zu kündigen.

Schlemihl     01.07.09 22:57

Peinlicher Klatsch-Journalismus!

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