«Ritalin ist ein Verbrechen»

Für den Sonderpädagogik-Professor Georg Feuser gehört das Beruhigungsmittel Ritalin verboten. Lebhafte Kinder passten sich ihrer hektischen Umgebung an. Oft fehle es ihnen bloss an Zuwendung.

Von Daniela Niederberger

«Es kommt uns offenbar nicht darauf an, ob dabei ein paar Kinder hopsgehen»: Sonderpädagogik-Professor Feuser. Bild: Adrian Sonderegger

Herr Feuser, was ist eigentlich ADHS?

Es ist das, was man als solches diagnostiziert. Die Weltgesundheitsorganisation hat für ADHS einen Katalog mit Verhaltensauffälligkeiten erstellt. Zeigt sich bei einem Kind ein bestimmter Anteil, hat es ADHS. Es ist keine wirkliche Diagnose. Das ist, wie wenn Sie einen Raster machen und sagen: Wenn hier unten am Seilergraben alle fünf Sekunden ein Auto vorbeifährt, ist es eine hochbefahrene Strasse. Fährt alle zehn Sekunden eines, handelt es sich um eine normal befahrene Strasse.

Sie sagen nichts darüber aus, weshalb alle fünf Sekunden ein Auto fährt und was das mit der Stadtentwicklung zu tun hat. Diese Form von Diagnostik ist eine rein merkmalbezogene Diagnose an der äussersten Peripherie.

Ist ADHS eine Krankheit?

Nein. Das wird vordergründig angenommen. Weil ich die Verkehrsdichte am Sei-lergraben wahrnehme, sage ich, er ist eine hochbefahrene Strasse. Würde ich eine Begründung suchen, sähe ich: Hier fahren so viele Autos, weil das Limmatquai gesperrt ist. Die Sache hat nichts mit dem Seilergraben selbst zu tun.

Was heisst das in Bezug auf Kinder?

Es gibt Kinder, die haben eine grosse Vitalität. Sie nehmen neue Dinge sofort wahr. Andere Kinder tun das auch, sind aber ruhiger, betrachten die Sachen länger. Menschen reagieren unterschiedlich auf Veränderun-gen in der Welt. Manche Kinder bringen eine leichte Erregbarkeit mit. Das ist nichts Besonderes, nichts Krankhaftes. Man sollte von dispositionellen Voraussetzungen sprechen. Dieses Grundmodell, auf Dinge in der Welt zu reagieren, lässt sich durch Lernen verändern. Ein Beispiel: Wenn für uns beide dieses Gespräch interessant ist, gehen wir mit einem anderen Gehirn hier raus. Das ist die Plastizität des menschlichen Gehirns. Macht ein Kind für sich bedeutende Erfahrungen, ist sein Gehirn verändert, es wird sensibler, ängstlicher, freudiger. Oder ruhiger. Es denkt: «Ach ja, das kenn ich schon, meine Mama oder mein Papa sorgen dafür, dass mir nichts passiert.» Reagiert bei einem leicht erregbaren Kind die Mutter oder der Vater nicht angemessen, kann das Kind verunsichert werden.

Wie kann man falsch reagieren?

Indem man ärgerlich wird, das vitale Wesen des Kindes nur als Erschwernis sieht. Oder indem man das Kind zu stark sich selbst überlässt. Es gibt einige Faktoren, die helfen, ein Gehirn zu modifizieren. Das Kind findet sich im Spiegel der Mutter, des Vaters, der Grosseltern wieder. Ein Baby gähnt, die Mutter sagt: «Aaah, bist du müde», und imitiert es. Dann fühlt sich das Kind verstanden. Das bewirkt zweierlei: «Oh, ich bin kompetent, ich kann was bewirken. Die Mutti hat gemerkt, was ich gemacht habe.» Das macht stolz und stärkt das Ich. Es schafft Bindung.

Was sollen Eltern mit einem quirligen Kind konkret machen?

Man sollte ihm zeigen, dass man gemerkt hat, was es alles sieht: «Ja, hast du den Vogel dort gesehen? Und das Auto? Und ja, dort ist ein Ball. Jetzt nehmen wir den Ball und spielen.» Man versucht das Ganze auf eine Sache zu lenken und die länger andauern zu lassen. Es gibt vermutlich viele Kinder, die nie als ADHS-Kind auffallen, obwohl sie eine erhöhte Disposition haben. Andere werden als schreckliche Zappelphilippe empfunden. Unter Neurowissenschaftlern und Psychologen und in der Sonderpädagogik ist man sich einig, dass sich ADHS nicht auf einen Faktor zurückführen lässt. Ein gestärktes Kind mit engen Bindungen zu den Eltern, das sich als wichtig erfährt, hat es nicht nötig, durch Kaspereien und Rumhüpfen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Was unterscheidet ein solches Kind von einem wilden Kind?

Kinder mit Aufmerksamkeitsdefiziten können nicht lange bei einer Aufgabe verweilen, sie führen kaum etwas zu Ende. Das ist nichts Neues. 1844 schrieb Heinrich Hoffmann den «Struwwelpeter». Dort kommt der Zappelphilipp vor und der Hans Guckindieluft. Hoffmann war Neurologe und Psychiater. Er liess in das Buch seine psychiatrische Erfahrung mit reinspielen. Später gab es die sogenannte Kinder-Fehlerlehre: Kinder, die nicht in eine bestimmte Vorstellung reinpassen, sind fehlerhaft. Durch die biologisch-medizinisch-psychiatrische Betrachtung jener Zeit passierte die Verkürzung: Im Menschen, an dem ich etwas wahrnehme, muss auch der Grund des Übels liegen. Als ich studierte, sprach man von einem Psychoorganischen Syndrom, später kam die Hyperaktivitätstheorie, dann die MCD, die Minimale Cerebrale Dysfunktion. Man sagte, bei Zappelkindern müsse eine minimale Gehirnschädigung vorliegen – man hat sie bis heute nicht gefunden. Und jetzt schlägt ADHS weltweit Wellen. Bertolt Brecht sagte einmal: Der Fluss, der über die Ufer tritt, wird gewalttätig genannt, das Ufer, das ihn eindämmt, aber nicht.

Ist unser Alltag mit Kindern gewalttätig?

Wenn Sie so wollen. Der moderne Alltag fordert den Kindern unglaubliche Leistungen ab. Was unsere Grosseltern in einem Jahr an Neuem verarbeiten mussten, müssen unsere Kinder in einem Tag. Unsere Zeit ist hektisch und umtriebig, man hat kaum Zeit füreinander. Wenn ein Kind auf seinem Schulweg fünf verkehrsreiche Strassen mit Ampeln überquert, hat es mehr geleistet als Goethe in der Kutsche auf dem Weg nach Sizilien.

Es gibt kaum eine Mutter, die mit dem Kind im Garten sitzt und den Käfern zuschaut.

Solche ruhigen Beschäftigungen würden einem Kind mit einem leicht erregbaren Selbstsystem helfen, das umzubauen. Möglicherweise spielt eine hirnfunktionale Störung im Hintergrund mit. Das Schlimme an der ADHS-Debatte ist die fast ausschliessliche Fokussierung aufs Kind. Sein Umfeld, seine Schule, das wird nicht betrachtet. Das ist der erste Fehler. Der zweite: Man sagt, wenn das Kind so blöd ist, wie es tut, muss etwas Organisches vorliegen. Organisches heilen wir. Mit was? Mit Medizin. Man hat eine Droge auserkoren, Methylphenidat, den Wirkstoff im Ritalin, die Hauptrolle zu spielen. Man stellte fest – und das ist das einzig gesicherte Wissen, das man hat –, wenn man die Droge in bestimmten Dosen soundso häufig verabreicht, wird das Kind ruhiger. Was schien bewiesen? Dass eine Störung im Gehirn vorliegt, weil der Wirkstoff dort ansetzt, an den Enden der Nervenstränge. Ein zentraler Stoff im Nervensystem ist Dopamin, er überträgt Botschaften von einer Nervenzelle zur anderen. Es schien bewiesen, dass bei ADHS-Kindern nicht genügend Dopamin vorhanden ist und sie deshalb auffällig werden. Ritalin gleicht das aus.

Warum sagen Sie: «Es schien bewiesen»?

Weil es nicht so ist. Man hat keine gesicherten Erkenntnisse darüber, was der neurologische Hintergrund eines ADHS-Kindes sein könnte. Man sah bloss, dass eine bestimmte neuronale Stimulanz wirkt. Was man weiss: Eine niedrig dosierte Stimulanz führt dazu, dass an den Nervenenden die Dichte der Dopamin-Übergänge reduziert wird. Das ist aber ein Grundproblem bei der Parkinson-Krankheit. Die Hypothese: Man weiss noch nicht, ob ADHS eine Ursache im Gehirn hat und, falls ja, welche. Man meinte es aber zu wissen, weil das Medikament wirkt. Und man dachte, da brauchen wir ja nichts weiter zu tun.

Weiss man etwas über Langzeitfolgen?

Nein. 1956 behandelte man erstmals Patienten mit Psychostimulanzien. Amphetamine gehören dazu und eben Ritalin. Sportler oder Kampfflieger nehmen und nahmen Amphetamine, um hellwach zu sein, wenn sie eigentlich schon hundemüde sind. Es gibt keine Langzeitstudien über gesundheitliche Folgen. Der oberflächliche Erfolg – die Kinder werden ruhig – hat blind und dumm dafür gemacht, um welchen Preis wir das möglicherweise erzielen.

Ritalin ist für Lehrerinnen von grossen Klassen ein Geschenk des Himmels.

Ich hatte an einem Freitag Eltern in mei-nem Büro sitzen, die fragten: «Was sollen wir machen, der Lehrer hat gesagt, wenn unser Kind am Montag nicht Ritalin nimmt, fliegt es aus der Schule.» So weit geht das. Es gibt Stimmen aus der neurowissenschaftlichen Forschung, die war-nen. Kinderhirne sind in Entwicklung. Eine Langzeitbehandlung könnte Defizite im dopaminergen System zur Folge haben, und es könnte eine massive Zunahme von Parkinson-Erkrankungen resultieren. Von 1990 bis 1997 ist die Produktion von Ritalin von 2,8 auf 13,5 Tonnen pro Jahr gestiegen. Das ist eines der einträglichsten Geschäfte für die Pharmaindustrie. Rechnen Sie das mal in Gewinnmargen um! Heute werden schon ein, zwei oder drei Kinder pro Primarklasse mit Ritalin versorgt. Damit ist eine ungeheure Geschäftemacherei verbunden. Und dies vor dem Hintergrund, dass man noch nahezu nichts Zuverlässiges weiss. Die massenhafte Verordnung von Ritalin gehört aus meiner Sicht verboten. Es ist ein Verbrechen an der Menschheit.Es gibt interessante Studien, die belegen, dass sich bei Kindern, die statt Ritalin ein Placebo erhalten, der Dopaminstoffwechsel im Hirn auch verändert.

Wie erklärt man sich das?

Die Mutter sagt am Morgen zum Kind: «Komm mal her, mein Schatz, setz dich hin, du kriegst von mir deine Medikamen-te. Jetzt trinkst du noch etwas, und nun kannst du ruhig in die Schule gehen.» Das Kind erfährt Zuwendung. Es wird wichtig. Das Ich des Kindes wird gestärkt.

Haben die Kinder zu wenig Zuwendung?

Ich bin vorsichtig mit schnellen Schuldzuschreibungen. Aber genauso wie wir eine biologische Ursache annehmen, müssen wir annehmen, dass es im Aufbau von Bindung und hinsichtlich erzieherischer Massnahmen Defizite gibt.

Welche?

Bindung, Einbindung, Verantwortung übernehmen, und wenns ganz bescheiden ist, dass das Kind seine Schühchen selbst ins Schuhregal stellt. Diese Dinge fehlen massiv. Andererseits werden die Kinder einer Fülle von Anforderungen unterzogen, die für sie keinen Sinn machen. Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn sie gleichzeitig zwanzig Sachen machen und nichts zu Ende führen.

Ist die Gesellschaft hyperaktiv?

Ja! Die Kinder reagieren. Das ist ein epigenetisches Phänomen. Wenn Sie eine Kugel haben, die rollt ein Bergtal hinunter, und das Tal gabelt sich. Da muss die Kugel den einen oder anderen Weg nehmen. Kann ich jetzt sagen, die Kugel ist schuld, wenn sie rechts oder links ins Tal rollt? Nein. Der Berg und die Kugel bestimmen, wie es abläuft. Auch unsere genetischen Dispositionen verändern sich danach, wie wir leben.

Die Kinder passen sich der Umwelt an?

Ja. Sie passen sich eben auch an, nicht gebunden zu sein. Machen sie dann Dinge, die uns stören, haben sie Pech gehabt. Und sie passen sich der Geschwindigkeit an, mit der Dinge auf uns einwirken. Gucken Sie sich mal an, wie heute eine Bildsequenz aufgebaut ist. Länger als zwei, drei Sekunden steht kein Bild. Wir müssen sehr schnell sein, um etwas zu erfassen.

Die Kinder verhalten sich also . . .

. . . normal, um nicht zu sagen geschickt. Wenn wir so weit denken würden, hätten wir kapiert, dass viele Verhaltensweisen, die als ADHS-Symptom gelten, im Grunde Fähigkeiten sind. Bloss solche, die uns stören. Habe ich nun eine Schulklasse mit zwanzig Kindern, dann fällt der Erwin oder die Eva auf, die da guckt, dort etwas macht und mit der Arbeit nicht vorankommt. Mache ich aber einen Projektunterricht, wo die Kinder ein Thema behandeln, das sie nach allen Seiten erforschen, wo sie rausgehen und Fachleute befragen, fällt ein solches Kind nicht auf. Da kann es seine Eloquenz und seine Neugier einbringen.

Unsere Umgebung ist oft hektisch und laut. Was, wenn Kleinkinder sich regelmässig an solchen Orten aufhalten?

Kommen verschiedene Faktoren zusammen, haben wir irgendwann Verhaltensweisen, die als Problem wahrgenommen werden. Dann nimmt man es am Kind wahr. Das wird behandelt. Statt dass man die Familie oder die Schule berät. Wir haben heute eine halbe Million Schriften zu ADHS. Das überblickt niemand mehr. Nur 10 000 davon beschäftigen sich mit dem psychosozialen Umfeld der Kinder. Und davon beschreiben bloss 10 Studien familientherapeutische Ansätze. Der Fokus auf die Medikamente ist erdrückend dominant.

Es ist eben schwierig, den Lebensstil einer ganzen Gesellschaft zu ändern.

Ja. Und umgekehrt könnte man sagen: Es kommt uns offenbar nicht darauf an, ob dabei ein paar Kinder hopsgehen, psychisch und seelisch. Und die Schule stellt sich auch nicht um. Wie kann ich heute noch einen Unterricht machen wie vor hundert Jahren mit Stillsitzen und Zuhören?

Ich dachte, Frontalunterricht gibt es nicht mehr?

Doch, doch. Es gibt sicher Ansätze zu Team- und Projektunterricht. Aber das sind Ausnahmen. Allein, dass man unbeirrt am Stundentakt festhält: von 8 bis 9 Uhr Mathematik, von 9 bis 10 Englisch, von 10 bis 11 Deutsch. Was soll das Ganze?

Wie müsste es sein?

Dass der Lehrer oder die Lehrerin eine Fragestellung nimmt, zum Beispiel ADHS. «Warum gibt es Kinder, die so sind? Jetzt erforschen wir das.» Da ist Geschichte drin, wer war Heinrich Hoffmann, der den «Struwwelpeter» schrieb? Man kann zu den Neurowissenschaftlern gehen, zu den Pharmakologen und fragen: Was ist in einer Tablette Ritalin drin? Da haben wir Chemie. Das kann ich in Englisch oder Französisch oder Deutsch machen. Da muss gewogen, gemessen, gezählt und geteilt werden, da ist Mathe drin. Also wie an der Universität geforscht oder im Betrieb Produkte entwickelt werden. Meinen Sie, da sitzt einer und denkt das am Schreibtisch aus? Da gibt es Innovationsgruppen. Nur die Schule meint noch: «Hier, du allein, und wenn es eine Prüfung gibt, dann darfst du nicht zum Nachbarn schielen.» Anstatt dass man sagt: «Diskutiert, wie man das lösen kann.» Wenn ich mit Managern rede, habe ich weniger Probleme, verstanden zu werden, als wenn ich bei einer Lehrerfortbildung bin. Die kapieren, was sich ändern muss, damit wir Menschen kriegen, die in die Lage versetzt werden, die heutigen komplexen Probleme überhaupt noch denken zu können. Was für uns Sinn macht, lernen wir besser. Wenn wir bloss auf die nächste Prüfung büffeln, verpufft alles. Und jetzt kommen die ganzen Bildungsstandards: Die Kinder werden im vierten und im sechsten Schuljahr überprüft. Da ist schon wieder dieser Irrsinn. Dass man glaubt, jedes Kind könne in einer bestimmten Zeit unter bestimmten Vorgaben zu einem bestimmten Lernergebnis kommen. Was passiert mit den Kindern, die da durch-fallen? Die Schweiz schafft sich eine Masse neuer Behinderter.

Seit kurzem werden Sonderklassen aufgelöst und die schwachen und auffälligen Schüler in die Regelklassen integriert. Gibt es erste Befunde?

Weltweit ist die Integration bestens erforscht. Sie bringt durchwegs positive Ergebnisse. Hierzulande ist man von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich weit. Es ist schwierig, etwas Allgemeines zu sagen. Teilweise gibt es unvernünftige Versuche.

Woran denken Sie?

Man spricht von der «integrativen Sonderschulung». Das heisst, ein Kind, das früher in die Sonderschule ging, darf in die Regelschule. Für einige Stunden kommt eine Heilpädagogin. Das läuft so ab: Wenn die Pädagogin da ist, darf das Kind rein, und wenn sie nicht da ist, darf es nicht rein. Oder die Lehrerin sagt zur Heilpädagogin: «Geh mal mit dem Lukas raus, und übe mit ihm dieses und jenes.» Das hat mit Integration nichts zu tun. Das Kind wird wieder stigmatisiert. Wahre Integration kommt allen zugute, nicht nur den Behinderten.

Inwiefern?

Wenn wir etwas neu lernen und das jemandem erzählen wollen, merken wir oft: «Oh, im Kopf ist es mir klar, aber ich kann es nicht weitergeben.» Die Kinder arbeiten nun in Gruppen, und der gute Schüler muss das Gelernte einem ehemaligen Sonderschüler erklären. Wie war das nun genau? Er muss die Sache selbst erst total verstanden haben. Das festigt sein Wissen.

Mir fällt auf, wie brav die meisten Kinder sind: Sie müssen im Bus stillsitzen und ruhig sein, im Café ruhig sein, im Coop, selbst auf dem Spielplatz gibt es Mütter, die rufen: «Nicht so laut!» Ist ein Kind normal wild und normal laut, schaut man komisch.

Das ist so. Heute meint man, weil es gewisse Restriktionen von früher – den Stock in der Schule – nicht mehr gibt, hätten die Kinder alle Freiheiten. Das stimmt nicht. Sehen Sie bloss, wie wir Freiplätze zubetonieren. Die Kinder können nichts mehr aufbuddeln. Wir konnten noch auf der Strasse Wassergräben absperren und Überschwemmungen machen. Wo geht das noch? Das Wasser versickert im Gully, und weg ist es. Unsere moderne Welt ist kinderfeindlich. Schon Anfang der neunziger Jahre gab es Studien, wonach ein Grundschulkind in der Woche mehr Stunden fernguckt, als es in der Schule sitzt. Und dass von dem, was es sieht, mehr als 80 Prozent Gewalt ist. Ich bin kein Fernsehgegner, aber suchen Sie mal im Fernsehen etwas, wos nicht gerade brennt, wo nicht Autos kollidieren oder sonst wie Gewalt angewendet wird.

Kommentare

+ Kommentar schreiben
 

weitere Ausgaben

Login für Abonnenten

* Info für registrierte Benutzer der alten Website: Geben Sie hier einfach die in Ihrem existierenden Konto hinterlegte E-Mail Adresse ein!

Passwort vergessen?

* Info für registrierte Benutzer der alten Website: Geben Sie hier einfach die in Ihrem existierenden Konto hinterlegte E-Mail Adresse ein!

Sie sind noch nicht bei Weltwoche online registriert? Melden Sie sich gleich an.

Zur Registrierung

Ihre Vorteile bei Registrierung:

  1. Zugriff auf alle Artikel und E-Paper*.
  2. Artikel kommentieren
  3. Weltwoche Newsletter
  4. Spezialangebote im Platin-Club*
*Nur für Abonnenten der Printausgabe