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24.06.2009, Ausgabe 26/09

Diplomatie

Wichtiger denn je

Die Schweiz hält sich gegenüber dem Iran auffällig zurück. Zu Recht.

Von Urs Gehriger

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Mit wachsender Empörung verurteilen die USA, die EU und die Uno die Gewalt des iranischen Regimes gegen Demonstranten. In der Schweiz: Funkstille. Am Dienstag bekundete Aussenministerin Calmy-Rey erstmals offiziell, was vorher bloss auf Anfrage zu erfahren war: Die Schweiz sei «besorgt» über die Lage. Sie appelliere an die «Zurückhaltung im Umgang mit friedlichen Demonstranten». Diese Botschaft habe man über die gewohnten Kanäle den Iranern übermittelt. Diskret und leise, via Botschafterin in Teheran.

Erfreut über die Zurückhaltung zeigt sich Irans Botschafter in Bern. Die Schweiz beweise, «dass sie die Lage im Iran und die Situation der Mehrheit im Land versteht», sagte Keyvan Imani der Weltwoche.
Die ruhigen Töne erstaunen, bedenkt man das engagierte Protestverhalten der Aussenministerin, wo immer Menschen- und Völkerrechte tangiert werden. So zum Beispiel im Fall Israels (Libanon, Gaza) oder der USA (Irakkrieg, Abu Ghraib).

Laut Calmy-Rey hält sich die Schweiz zu den Ereignissen im Iran absichtlich zurück. Das Regime lege Kritik so aus, dass man im Westen den Umsturz unterstütze. Es gehe darum, die Opposition nicht zu schwächen. Das kann man auch anders sehen. Entschlossene Kritik an der teils perfiden Gewalt (Todesschüsse, neuartiges Tränengas, Verschleppung von Verletzten aus Spitälern) könnte die Demonstranten in ihrem völkerrechtlich legitimen Protest bestärken.
Als weiteren Grund für das Leisetreten nannte Calmy-Rey die spezielle Rolle der Schweiz im Iran, wo das Land die Interessen der USA vertritt. In der Tat ist Diskretion in der Krise – es handelt sich um die heftigsten innenpolitischen Unruhen seit der Revolution 1979 – von Bedeutung. Während andere Botschafter riskieren, ausgewiesen zu werden, ist der neutrale schweizerische Posten wichtiger denn je.

Auch mit Blick auf allfällige Verhandlungen zwischen den Erzrivalen Iran und USA, als deren Faszilitator sich Bern wiederholt eingebracht hat, muss alles unternommen werden, dass der Schweizer Kanal offen bleibt. Es wäre von Vorteil, wenn ähnliche Zurückhaltung auch in anderen Konflikten praktiziert würde.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 26/09
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Kommentare

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chateau     26.06.09 21:45

Ja mediabühler, wie nennt man das dann?Dogmatismus?Verschwörung wider besseres Wissen? Tabus? Selbstzensur? Eine Schere im Kopf?
Oder schlichter, Politik?

mediabuehler     26.06.09 08:43

Aber, aber chateau, alles wahr - aber das sagt "man" doch nicht. Und die die Tragweiten dieser Konsequenzen erkennen, und trotzdem dafür einstehen, tun es nur um die SVP zu schwächen. Traurig aber leider steht es heute so in der CH-Parteilandschaft: Mitte/Links/Grün im Prinzip gegen alles was die SVP initiiert, auch wenn der gesunde Menschenverstand eigentlich klar erkennen würde das die SVP recht hat. Aber man baut doch die SVP nicht auf - auch wenn es gegen die Schweiz geht ...

chateau     25.06.09 22:03

Apropos Muslime. Deutschland hat soeben festgestellt, dass nicht 3,5 Mio Muslime in der Republik leben, sondern 4.3 Mio. Das sind 800'000 mehr als gedacht oder 23% mehr.
In der Schweiz haben wir ganz bestimmt dasselbe Problem mit ihnen. Sind es 300'000 oder 400'000 oder sogar 500'000? Das weiss vielleicht niemand . Will man es nicht wissen, weil die SVP die Entwicklung richtig vorausgesagt hat?
Tatsache ist, dass man als Muslimin zehn Jahre lang in Kreuzlingen leben kann, ohne dass es die Behörden merkten. Die sind wohl zu beschäftigt mit der Ueberwachung der Schweizer!
Wie manche Start/Gemeinde in der Schweiz hat überbelegte Wohnungen, wo unangemeldete Gäste, aus aller Herren Länder. Für manche Schweizer ist es schon schwierig Gesichter zu unterscheiden von Fremden au

chateau     25.06.09 21:53

Irgendwie ist es ja ausserordentlich instruktiv, wie uns die muslimische Pfaffenwirtschaft zeigt, was sie unter Menschenwürde, Freiheit, persönlicher Unversehrtheit der Bürger und freiem Gedankenaustausch hält. Ich frage mich allerdings wie lernfähig jene unter uns sind, die unsere Pässe breit an Muslime verteilen, die unversöhnliche Gegner einer Minarettinitiative sind, die noch mehr Familiennachzug aus allen muslimischen Gegenden der Welt fordern und denen es absolut egal ist, wenn Musliminnen gegen das Vermummungsverbot bzw. -gebot sind und als
schwarzgekleidete nicht identifizierbare (Es kann ja auch eine Terorristin sein) Gestalten unsere Kultur bereichern.

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