Als es um die Wahl in den Bundesrat ging, suchte der Blick eine Frauen-Affaire. Der Chefkolumnist des Blattes war gegen den Walliser (Originalton: «Sie hören zu wenig auf mich»); doch die Suche war vergeblich. Pascal Couchepin ist ein vorbildlicher Ehe- und Familienmann. Aber dass er ein Macho ist – im Wallis darf man das noch sein –, wird wohl niemand abstreiten. Als sich damals zwei Radiojournalisten bei ihm zum Interview angemeldet hatten und ein Paar erschien, fragte er den Mann verblüfft: «Ja, und wo ist der andere?»
Der Mensch Couchepin ist zugleich grosszügig und empfindlich. Um Kleinkram kümmert er sich nicht gern; seinen Mitarbeitern vertraut er. Auch wenn das, wie etwa im Gesundheitswesen, zu einem Bürokratismus geführt hat, der dem einst bewusst freisinnig politisierenden Departementschef unheimlich sein müsste. Aber wehe dem, von dem er sich – nicht als Mensch, sondern in seiner Funktion – nicht ernst genommen fühlt. Solches kann er nicht verzeihen und nur schwer vergessen. Als ich ihn fragte, ob seine krumme Nase eher auf jüdische oder auf habsburgische Ahnen schliessen lasse, amüsierte ihn das. «Beides ist möglich; die Familie kommt aus dem Elsass.» Doch den reichen Gianaddas vom gleichnamigen Kunstmuseum in Martigny ging er bis zur Versöhnung nach der Wahl aus dem Weg. Der Clanchef zeigte zu wenig Respekt.
Beeindruckend ist Couchepins Intelligenz. Wo man in Bern einen Satz zweimal sagt, um verstanden zu werden, versteht er ihn schon nach der Hälfte des ersten. Und nicht nur das. Er merkt auch fast immer, was man ihm nicht sagen will. Diese Gabe birgt allerdings die Gefahren der Ungeduld und der oberflächlichen Vorbereitung. Und wenn man sich mit Ja-Sagern umgibt, nützt der feinste Intellekt wenig. Wos nichts zu finden gibt, wird man auch nicht fündig.
Natürlich ist der «Jupiter Optimus Maximus», als den ich ihn gerne bezeichnet habe, ein ausgeprägter Machtmensch. Aber er kämpft mit offenem Visier. Viele Möchtegernbundesräte betonten, sie strebten das Amt nicht an. Er gehörte zu den wenigen, die aus ihrer Ambition nie ein Hehl machten. Im Lande der Kleinwüchsigen eine riskante Strategie. Aber hier ging sie auf.

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