Gibt es einen Leser, der einen Peugeot 308 als Cabrio fährt? Seit ich weiss, dass ich über dieses Auto schreiben werde, habe ich in jedes offene und geschlossene CC-Modell (und auch in den Vorgänger 307 CC) geblickt und ziemlich selten männliche Fahrer entdeckt. CC steht für Coupé Cabrio und verdeutlicht, dass dieses Coupé mit abnehmbarem Stahldach produziert wird. Es ist sehr pragmatisch und relativ sicher also etwas, was Frauen wichtiger erscheint als Männern.
Dabei war es früher anders. Analog zu dem 3er-Cabrio von BMW war das Peugeot-206-Cabrio eine Art Urkategorie des Yuppie-Zeitalters. Zusammen mit dem offenen BMW und dem Golf-Cabrio besass das Cabrio eine Lässigkeit, zu der das Stoffverdeck einen wichtigen Beitrag lieferte. Seit dem Siegeszug des Stahldaches mit dem SLK, dem Z4 und eben den Peugeot CC ist der Charme des Stoffdachs noch verführerischer. Obwohl es sehr praktisch ist, bin ich kein Freund des Stahldaches, und als jemand, der sich gerade ein Cabrio gekauft hat (mit Hardtop), streichle ich gerne über das Stoffverdeck und freue mich über dessen archaische Qualität.
Der Peugeot mit dem Stahlverdeck hat eine schöne Tradition. Die Franzosen bauten schon in den dreissiger Jahren ein Gefährt mit dieser Technik. Das Stahldach macht das sowohl in den Ausmassen wie im Innenraum und beim Kofferraum gegenüber dem Vorgänger 307 CC grösser gewordene Cabrio-Coupé 1,7 Tonnen schwer. Damit wird die Beschleunigung bei dem günstigen Einstiegsmodell mit 120-PS-Motor sediert. Die 160 Newtonmeter Drehmoment markieren wohl das untere Ende der Möglichkeiten. Dafür stimmt dann aber der Preis, und man kann das gesparte Geld in lange Reisen und teure Hotels investieren.
Peugeot wirbt mit der nun ganzjährigen Open-Air-Saison, für die das 308-Cabrio dank einer Nackenheizung eingesetzt werden kann. Das CC wurde deshalb auch im Februar dieses Jahres bei ungefähr null Grad Celsius den Journalisten vorgestellt. Dank der langgezogenen Frontscheibe, hinter der sich Fahrer und Beifahrer verstecken können, so schwärmen einige Kritiker, fliegt man auch windgeschützt durch den Winter. Aber wozu soll das gut sein? Will man nicht ein Cabrio besitzen, um Wind und Wetter etwas mehr ausgeliefert zu sein als sonst? Vielleicht wirkt hier die männliche Romantik, die sich im Cabrio in den Wilden Westen zurückträumt.
Die Extravaganz lauert am wohlgeformten Hintern. Der Clou: die schönsten Rückleuchten, die es im Augenblick an einem Auto zu entdecken gibt. Die Webseite schwärmt von einem «Vorhang aus rotem Licht». Und tatsächlich, die Blinkerdiagonalen sind empörend anmutig. Ein Cabrio, dem man gerne hinterherfährt. Auch diese Verführungsstrategie erscheint typisch weiblich. Oder klingt das jetzt zu sehr machohaft?
Hubraum: 1598 ccm, Leistung: 120 PS
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Preis: ab 36 500 Franken













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