MvH

Karl et moi

Unser Kolumnist geht in Zürich aus (sowie in der Region). Und schreibt die Kolumne mit am meisten fetten Namen seit langem.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in Basel. Die Art, eine Kunstmesse, fand statt zum vierzigsten Mal. Am Abend vor der sogenannten Preview war ich an einem Cocktail in Kilchberg. Die Gastgeberin, Gisela Rich, machte mich bekannt mit Andreas Gursky, einem deutschen Fotografen, dessen Bilder ich mag, und mit Arne Quinze, einem Künstler aus Belgien. Arne werde sie noch dieses Jahr heiraten, sagte Barbara Becker. Das ist gut für sie, finde ich. Bloss für seinen Rang als Künstler ist es wahrscheinlich weniger gut – er kommt zurzeit viel vor in der Bunten oder in Gala (und jetzt sogar hier). Ich könnte den Rest dieser Spalte füllen mit Namen von denen, die auch noch anwesend waren. Tue ich aber nicht, man ist schliesslich diskret und MvH (und nicht UBS).

Mein Los der Swiss-Red-Cross-Ball-Tombola von vergangener Woche, nebenbei, war eine Niete. Das ist, kann man sagen, ein wenig underwhelming nach der Ankündigung in dieser Spalte. Aber gerecht in meinen Augen, immerhin habe ich es geschenkt bekommen (ferner geschrieben, eine Verlosung von Preisen sei etwas für Hauswarte). An der Art begegnete mir z. B. Brad Pitt, mit dem ich nicht bekannt bin, übrigens. Auch darum versuchte ich nicht, mit ihm zu sprechen (und weil er zuvor Kollegen von «Glanz & Gloria», SF, gesagt hatte: «Please guys, I’m not working, leave me alone», oder so). Interessant eigentlich, dass er trotzdem den ganzen Tag in der Halle herumlief, statt bloss zu Galeristen zu gehen, für deren Ausstellung er sich interessierte und von wo er in Hinterzimmer geführt worden wäre. (So machten es etwa Roman Abramowitsch und Dascha Schukowa, seine Freundin.)
Am Dienstagabend veranstaltete Christina Gmurzynska, eine Galeristin aus Zürich, im «Trois Rois» ein Essen. Ich ging früh hin und war einer der Ersten in dem Ballsaal des Hotels (aber nicht viel früher als Karl Lagerfeld, zu dessen Ehren das Dinner stattfand). Früh ist das neue Spät, könnte man schreiben. Aber Lagerfeld ging es nicht darum, fashionably early (modisch, modern früh) zu sein, denke ich, sondern pünktlich zu sein. (La ponctualité est la politesse des rois, nicht wahr?) Er ist ferner ein Gesprächspartner, der sich hingibt, aber auch viel verlangend sowie geistig unbescheiden ist. Worauf ich hinauswill: «Ich liebe Ihre Sonnenbrille, ist sie aus Japan?», fragte Lauri Agosti auf Englisch («. . . from Japan?»). «Nein, von Karl Lagerfeld» («from Karl Lagerfeld»). «Ich muss so eine haben, wo kann ich sie bekommen?» – «Well, in 1500 Geschäften in ganz Europa.» (Als Nächste war Barbara Becker – ich und sie sind zurzeit auf denselben Gästelisten, was ist los? – an der Reihe.)
Mit MvH besprach Lagerfeld, weshalb er sein Haus bei Biarritz verkauft hat («Für die Basken bleibt man ein reicher Ausländer, der keine Steuern bezahlt»), und redete über sein Schloss bei Paris (von Schwierigkeiten, die man hat beim Erhalt eines Baus aus dem 18. Jahrhundert, der verschlimmbessert wurde im 19. Jahrhundert . . ., Dinge halt, die uns Immobilienbesitzer angehen). Weiter fragte ich, ob ich eine bestimmte Fotoarbeit (nicht von ihm) kaufen solle. «Müssen Sie?», fragte er. «Nein, muss ich nicht.» – «Gefällt Ihnen das Bild, haben Sie Platz?» – «Ja.» – «Dann müssen Sie.»
Nach dem Hauptgang sagte Erbprinz Christian zu Fürstenberg einen Musiker mit Namen Diego Garcia («from New York») an. Ich kannte ihn nicht, doch er ist gut, nebenbei, könnte ein Star werden. Nach zwei Songs oder so trat Baptiste Giabiconi, ein korsisches Männermodel und eine der beiden anwesenden Musen Lagerfelds, auf die Bühne, um ein Lied zu singen (weil er zudem ein grosser Sänger sei). Baptiste ist sicher einer der schönsten Männer, die ich gesehen habe bis jetzt (Lagerfelds Fotos von ihm bekommt man bei Gmurzynska). Und als Talentshow-Jurypräsident hätte ich ihm zehn Punkte gegeben, weil er ein Performer ist. (Aber seine Stimme – Kollege von Rohr hätte von dem «gewissen Nichts» gesprochen.)
Kurz, es war für mich wahrscheinlich DAS Abendessen dieses Jahres in der Schweiz (das Jahr ist noch jung, ich weiss, aber nothing beats experience; vergangenes Jahr war es das Dinner für Tom Ford von Trudie Götz im «Haute» in Zürich, nur zum Sagen). Und, für die, die es interessiert, ich kaufe die Fotoarbeit, von der ich erzählt habe, so sieht es aus. Weil ich muss.

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