Iran

«Ich bete nicht mehr»

Der Proteststurm in den iranischen Strassen ist ein Stellvertreterkrieg. Hinter den Kulissen spielt sich ein Machtkampf weit grösserer Dimension ab. Im Visier steht die oberste Autorität, Religionsführer Chamenei. Impressionen aus einem Staat in Aufruhr.

Von Urs Gehriger

Es ist so viel Hass in Schaiins Augen, dass man unwillkürlich den Blick senkt. Es ist ein alles umfassender Hass von nahezu alttestamentarischem Ausmass, der alle verzehren soll, die irgendwie mitschuldig sind an der Zerstörung ihrer Hoffnungen.

Es ist Samstagmorgen, 13. Juni, der Tag nach dem Urnengang. Wie Millionen Iraner ist Schaiin mit der Hiobsbotschaft aufgewacht, dass ihr Kandidat, Mir-Hossein Moussavi, die Wahl verloren habe. Jetzt steht sie auf dem Vanak-Platz, mitten in Teheran, zusammen mit Tausenden jungen Menschen. Spontan sind sie auf die Strasse geströmt. Der SMS-Dienst, der meistgenutzte Kommunikationskanal, ist landesweit blockiert. «Die Revolution ist tot», schreit Schaiin. Über Nacht habe sich ein Staatsstreich ereignet. «Von jetzt an leben wir in einer Diktatur.»

Stunden bloss nach Schliessung der Wahllokale hat das Innenministerium Achmadinedschad zum Sieger erklärt. 63 Prozent der Stimmen soll er bekommen haben. Herausforderer Moussavi dagegen bloss 34 Prozent. «Wie kann das sein?», fragen sich selbst Achmadinedschad-Supporter verblüfft. Alle hatten mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet. Zudem konsterniert das schnelle Resultat. Bei den letzten Wahlen hat das Auszählen fast einen Tag gedauert. Jetzt, bei einer Rekordbeteiligung von 85 Prozent (39 Millionen Wähler), kam das Resultat wie aus dem Himmel gefahren.

Langsam verbreitet sich der Aufruhr in der Stadt. Polizei und Revolutionsgarden auf Motocross-Rädern fräsen in die demonstrierende Menge, rammen Flüchtende, Polizei zu Fuss knüppelt auf sie ein. Bis tief in die Nacht brennen auf Plätzen und Strassen Plastikcontainer, Fenster klirren, Ambulanzen heulen.

Am nächsten Tag ein Bild, das gegensätzlicher nicht sein könnte: 100 000 Anhänger feiern Achmadinedschad. Zwischen Siegesposen starren seine Augen in die Menge wie eine Fackel, die schwarzes Licht verbreitet. Bei ihrem Anblick schämt man sich, die gleiche Luft zu atmen wie die Demonstranten. Er vergleicht sie mit randalierenden Hooligans, die nach einem verlorenen Fussballspiel marodierend durch die Stadt ziehen. Für sie sei im Iran kein Platz mehr, verkündet der Triumphator unter tosendem Applaus.

Überzogene Hoffnung?

Hat er am Ende recht? Nährt sich die Wut der Verlierer bloss aus überzogener Hoffnung? Haben sich Moussavi-Anhänger ebenso wie das Ausland vom spontanen Frühlingserwachen der jugendlichen Reformer blenden lassen?

Über den Mann, der die Welt in den letzten vier Jahren in Aufruhr versetzte wie kaum ein Zweiter, der Israel «von der Weltkarte ausradieren» will, den Holocaust leugnet und mit dem Atomprogramm zeuselt, über den haben die Leute draussen in der Provinz viel Gutes zu berichten. Dabei geht es selten um Israel oder die Atomfrage. «Er spricht unsere Sprache», sagte mir ein Krämer in Chozagh, einem Bauerndorf 180 Kilometer südlich von Teheran, wo die Menschen Schwielen an den Händen haben und ein krudes Persisch sprechen. «Im Gegensatz zu allen Präsidenten vor ihm ist er ein Mann von unten. Einer wie wir.»

Dass Achmadinedschad das vor Öl und Gas strotzende Land in eine beispiellose Wirtschaftskrise geritten und die Arbeitslosigkeit auf 30 Prozent hochgetrieben hat, scheint der Treue der Minderbemittelten nichts abzutragen. Sie profitieren von Pfründen, die der Populist gezielt unter seine Klientel streut. Doch Achmadinedschads Rückhalt reicht über die Scholle hinaus. Als er 2003 zum Bürgermeister Teherans gewählt worden war, nutzte er seine Position, um ein starkes Netzwerk von Fundamentalisten und Sicherheitsleuten aufzubauen, die ihm treu zur Seite stehen.

Dennoch: Wer in den Tagen vor der Wahl im Land herumreiste, in Städten und Provinzen mit Menschen sprach, kann tatsächlich kaum glauben, dass zwei Drittel der Iraner hinter Achmadinedschad stehen sollen. Die Begeisterung für Moussavi war beeindruckend, bis weit in die Dörfer hinaus. Dies obwohl der Reformerkandidat eine durchaus farblose Figur abgab. Weder ist er ein geborener Redner, noch verfügt er über strahlendes Charisma. Eher ähnelt er einem Bob Dole der iranischen Politik. Sein kometenhafter Aufstieg erklärt sich aus dem rigiden System. Die vagen Versprechen einer zaghaften gesellschaftlichen Öffnung und eines neuen Politikstils reichten als Projektionsfläche für Millionen von Jugendlichen, die Achmadinedschad anwidert.

Sonntagmittag: Erneut ziehen Demonstranten durch Teheran. Deutlich mehr als am Vortag sind es nun. Bei Einbruch der Dunkelheit verlegen sich die Kundgebungen auf die Dächer und Balkone der Wohnhäuser. «Tod dem Diktator», und: «Allahu akbar» (Gott ist gross), schallt es durch die 12-Millionen-Stadt. Bis in die Nacht sind Menschen in Autokorsos unterwegs, hupen und zeigen das Victory-Zeichen – um trotz der Gewalteskalation ihre zaghaften ersten Erfolge im Kampf gegen das Regime zu feiern.

Man fragt sich: Was will das Volk? Will es bloss seinen Frust auslassen? Oder glaubt es etwa daran, dass das Regime die Wahl annullieren wird? Will es die Mächtigen gar in die Knie zwingen?

Aus Maschad, der zweitgrössten Stadt des Irans, nahe der afghanischen Grenze, erreicht mich eine E-Mail einer guten Freundin:

«Erstmals seit der Revolution habe ich gewählt! Stell dir vor: Ich, die ich immer gesagt habe, Wahlen im Iran seien bloss eine Verarschung des Volkes. Die hoffnungsvollen Gesichter der Moussavi-Anhänger haben mich dazu bewogen. Ich sagte mir: Wenn du nicht wählen gehst, dann haben wir ihn wieder, diesen Achmadinedschad. Glaub mir, vielen Leuten ging es wie mir. Sie haben zum ersten Mal gewählt, nur um diesen Mann loszuwerden. Du weisst, dass ich jeden Tag bete. Aber nach der Wahl habe ich erstmals nicht zu Gott gesprochen. Ich wollte nicht tun, was all diese dreckigen Oberen tun, die uns gängeln und für dumm verkaufen. Achmadinedschad macht mir Angst. Er hat die Symptome eines Psychopathen. Ihm ist alles zuzutrauen. Letztlich bin ich aber überzeugt, dass er nicht sein eigener Meister ist. Höhere Mächte haben ihn auserkoren, als ihr Instrument sozusagen.»

Der Mann im Hintergrund

Sonntagabend: Die staatlichen Medien berichten: «Rafsandschani ist nach Qom gereist», die Hochburg des schiitischen Klerus, 120 Kilometer südlich von Teheran. Der 75-jährige Ajatollah Haschemi Rafsandschani ist einer der mächtigsten Männer im Iran. Der «graue Kardinal», wie ihn der Volksmund nennt, verfügt über ein Netzwerk, das sämtliche Instanzen des verschachtelten Gottesstaates umfasst. Als einer der Väter der Revolution sitzt er seit 30 Jahren im Machtzentrum. Das Wahlresultat hat ihn Aufruhr versetzt, so wissen Eingeweihte.

Wie das Volk ist auch der Klerus gespalten. Doch im Gegensatz zu den Untertanen fürchtet in der Elite mancher um Einfluss und Macht. Zuallererst Rafsandschani selbst. Sein Familienclan besitzt gigantische Finanzunternehmen, Ländereien und das grösste Netzwerk an privaten Universitäten, die Azad, mit 300 Niederlassungen im ganzen Land. Er sieht seine Interessen fundamental gefährdet. Besonders durch Achmadinedschad, der ihm die Kontrolle über Aussenhandel, private Ausbildung und Landwirtschaft streitig macht.

Die politische Plattform Moussavis ist weitgehend Rafsandschanis Werk. Entschlossen, dem ambitiösen Schmiedsohn Achmadinedschad die Macht zu entreissen, hatte er poscht-e-pardeh (Hinter dem Vorhang), ein Bündnis aus Reformern und Ultrakonservativen, zusammengeschweisst. Der Kern der bunten Koalition umfasst zahlreiche Mächtige, die auch um ihren Einfluss bangen. Dabei ist der Kandidat selbst, Moussavi, der im Volk eine Öffnung des Systems propagierte, in erster Linie Vehikel ihrer persönlichen Interessen. Wie viele Iraner sieht auch Rafsandschani das Wahlresultat als Putsch von oben. Bis tief in die Nacht hinein hält er mit Gesinnungsgenossen in Qom Rat.

Montag: Drei Tage nach der Niederlage zeigt sich Moussavi erstmals in der Öffentlichkeit. Sinnigerweise auf dem Platz der Revolution. Trotz Versammlungsverbot. Über hunderttausend marschieren. «Wir sind bereit, noch einmal an einer Präsidentschaftswahl teilzunehmen», verkündet Moussavi. Die Kundgebung verläuft ruhig, gleicht einem Schweigemarsch. Keine Gewalt, keine Slogans, hatte Moussavi seine Anhänger beschworen. Seine Leute wissen: Friedlicher Protest ist die einzige Chance, um die Demonstrationenserie fortzusetzen, möglicherweise gar eine Massenbewegung im ganzen Land zu formen. Fast wäre es ihnen gelungen. Doch dann fallen plötzlich Schüsse. Ein Mann stirbt, seine Leiche wird durch die Menge getragen.

Rafsandschani stärkt Moussavi den Rücken. Er stellt sich hinter die Forderung nach Neuwahlen. Ursprünglich war es sein Kalkül, die Wahlen in einen zweiten Wahlgang zu ziehen, wo er mit der Unterstützung der anderen unterlegenen Kandidaten, Rezai und Karrubi, eine Mehrheit gegen Achmadinedschad zu gewinnen hoffte. Doch das war bloss der Strategie erster Schritt. Der zweite, entscheidende sollte ein Angriff auf die Spitze sein, auf den religiösen Führer Ali Chamenei, den obersten Führer im Staat, der gemäss Verfassung praktisch uneingeschränkte Macht geniesst.

Die Wurzeln der Feindschaft zwischen Chamenei und Rafsandschani liegen mehr als 20 Jahre zurück, als Chamenei zum religiösen Führer erkoren wurde. Rafsandschani gehörte damals zu Imam Chomeinis engstem Vertrautenkreis im ersten Revolutionsrat. Chamenei dagegen stiess erst später dazu, als der Rat erweitert wurde. Rafsandschani trägt Chamenei bis heute nach, dass er ihn bei der Nachfolge Chomeinis verdrängt hat. Mit bissigen Intrigen stellt er Chameneis religiöse Fähigkeiten in Frage und streut Zweifel an der Rechtmässigkeit seiner Wahl.

Während der Präsidentschaft Rafsandschanis (19891997) hielt sich Chamenei im Hintergrund. Da es ihm unter Klerikern an Rückhalt fehlte, suchte er bei den Sicherheitsdiensten Support. Was ihm sukzessive gelang. Er streckte seine Fühler in den Geheimdienst, den Revolutionsrat und die Basidschi-Miliz und baute so eine Macht auf, die ihn bis heute stützt. Mit Achmadinedschad steht ihm seit 2005 ein Mann zur Seite, der auf seiner Linie liegt.

 

Ränke im Gottesstaat

Dienstagmorgen: Das staatliche Radio vermeldet eine weitere Hiobsbotschaft. Am Rande der gestrigen Proteste seien mehrere Menschen getötet worden. Es handle sich um Zivilisten. Sie hätten einen Militärposten in der Nähe des Demonstrationszuges angegriffen.

Während Medien wochenlang über einen Wahlkampf zwischen Reformern und Konservativen berichteten, fand hinter den Kulissen, im Zentrum der Macht, ein Ringen weit grösseren Ausmasses statt. Kryptologen und Kenner der Ränke im verwinkelten Gottesstaat sind überzeugt: Das Regime befand sich bereits mitten im Wahlkampf, als es begriff, dass Rafsandschani mit der Präsidentschaftskampagne für Moussavi einen Stellvertreterkrieg betrieb. Sich dieser Situation einmal bewusst, stellte Chamenei die Weichen neu. «Kremlologen» des Gottesstaates gehen davon aus, dass sich der Revolutionsführer nun entschloss, das Wahlresultat vor dem Urnengang so zu «designen», dass ein Wahlsieg Moussavis – und damit ein Angriff auf seine Macht – keine Chance haben würde. Chameneis Kandidat Achmadinedschad sollte gleich im ersten Wahlgang ins Amt katapultiert werden, und zwar so deutlich, dass es seine Gegner demoralisierte und sie es nicht wagen würden, eine Nachzählung der Stimmen zu verlangen.

Dienstagmittag: Das Regime scheint in der Defensive. Der mächtige Wächterrat, der aus sechs Geistlichen und sechs weltlichen Rechtsgelehrten zusammengesetzt ist, gibt bekannt, man habe mit der Überprüfung des Wahlergebnisses begonnen. Angesichts der anhaltenden Proteste habe sich der Wächterrat zudem bereit erklärt, einen Teil der Stimmen neu auszuzählen. Eine Annullierung der Wahl werde es aber nicht geben.

Dienstagabend: Zehntausende Anhänger Moussavis demonstrierten erneut für eine Wiederholung der Wahlen. Sie widersetzten sich damit dem Aufruf ihres Anführers, die Kundgebungen aus Furcht vor Zusammenstössen mit Polizei und Achmadinedschad-Anhängern abzusagen. Auch aus fast allen grösseren Städten berichten Bürger von Protesten. Die Lage ist unübersichtlich. Das Land steht unter Verdunkelung. Die Regierung hat allen ausländischen Medienvertretern die Berichterstattung auf offener Strasse verboten.

«Keiner, der uns hören könnte»

Kurz vor Redaktionsschluss erreicht mich eine E-Mail aus der Kulturhauptstadt Isfahan. Ein Moussavi-Anhänger, den ich vor ein paar Tagen kennengelernt habe, schreibt, die «Perle des Irans» stehe im Ausnahmezustand:

«Mein Freund, die Menschen hier stehen unter Hochspannung. Die Geschäfte sind geschlossen. Studenten wurden in ihren Schlafräumen angegriffen. Mein Bruder ist verletzt, und viele meiner Freunde wurden verhaftet. Nachts steigen wir auf die Dächer und rufen ‹Allahu akbar›. Aber es gibt keinen Reporter weit und breit, der uns hören könnte. Schreib auf: Wir haben diese fanatische Regierung satt. Wir wollen Freiheit.»

Die meisten Beobachter sind sich einig: Protestkundgebungen wie in den letzten Tagen hat das Land seit der Revolution nicht gesehen. Damals, 1979, war der polnische Journalist Ryszard Kapuscinski Zeuge des Umsturzes. Seine Eindrücke hielt er in dem Buch «Shah of Shahs» fest, einem der besten Zeugnisse über die Revolution. Um die heutige konfuse Lage in Relation zu stellen, nehme ich meine zerfledderte Kopie des Werks zur Hand und lese die Schlüsselstelle:

«Der wichtigste Moment, der über das Schicksal des Landes, des Herrschers und der Revolution entscheidet, ist jener, da der vom Kommissar beauftragte Polizist sich dem Mann am Rande der Menschenansammlung nähert und ihm mit erhobener Stimme befiehlt, auf der Stelle nach Hause zu gehen. [. . .] Die Erfahrung des Polizisten lautet: Wenn ich einen Menschen anbrülle und dazu drohend den Knüppel schwinge, beginnen diesem vor Angst die Knie zu schlottern und er läuft davon. Die Erfahrung des Mannes aus der Menge lautet: Wenn ein Polizist auf mich zukommt, werde ich von Angst gepackt und gebe Fersengeld. Diesmal kommt es anders. Der Polizist hebt die Stimme, aber der Mann rennt nicht weg. [. . .] Er rührt sich nicht vom Fleck. [. . .] Wir wissen nicht, ob der Polizist und der Mann aus der Menge begriffen haben, was vorgefallen ist. Dass der Mann aus der Menge seine Angst überwunden hat und dass damit die Revolution begann.»

Das von Kapuscinski beschriebene Momentum liegt wieder in der Luft. Die Demonstranten, die täglich auf Plätze und Strassen ziehen, scheinen ihren Respekt vor den bewehrten Sturmtrupps der Obrigkeit verloren zu haben. Doch sie allein machen keine Revolution. Millionen von Moussavi-Wählern sympathisieren zwar mit den Protestierenden, doch sie wagen sich nicht aus ihren Häusern. Sie haben den grössten Feind, die Angst, nicht überwunden. Zu mächtig scheint ihnen der Repressionsapparat des Regimes. Es fehlt ein charismatischer Führer, wie es Chomeini war, der die Massen mobilisieren könnte. Ausserdem scheinen die meisten Leute gar keinen Regimewechsel zu wollen. Sie streben bloss nach einem Wandel im System, in der Hoffnung nach ein bisschen mehr individueller Freiheit.

So scheinen die Würfel fürs Erste gefallen: Religionsführer Chamenei bleibt die Nummer eins im Gottesstaat. Achmadinedschad sein Statthalter im Volk, das gespalten ist wie nie zuvor seit der islamischen Revolution.

Kommentare

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  • Christine
  • 24.06.09 | 07:27 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=F6UfMyBsaV8

Close your eyes, my friend,
Don’t stare,
Nothing to be seen.
Storm is blowing,
Pay our fare,
Ride to nowhere,
Dancing queen.

  • reza
  • 23.06.09 | 21:46 Uhr

Exzellenter Beitrag.

Nur als Tip Herr Gehringer:

koennten sie bitte ein bischen , die machenschaften/verbindungen des iranischen geheimdienstes (speziell die der revolutions waechter - die jetzt fuer die zerschlagung dieses aufstandes verantwortlich ist) mit ihren russichen counteparts durchleuten.

auch die stundenten unruhen (vor rund 14 jahren) wurden unter coordination/fachlicher hilfe von russischen beratern im schach gehalten (vergessen wir nicht - die russen haben die besten expertiesen zur bekaempfung von samtenen revolutionen)

selbsverstaendlich will das regime selbst die revolten niederschlagen - dabei sind die russen nur willige helfer (wenn iran sich normalisiert, denn wird die rolle der russen fuer die versorgung europas mit GAS/Energie marginalisiert)- Das wissen die Russen.

  • Christine
  • 21.06.09 | 13:14 Uhr

"Loblied auf die Kraft der Fantasie und den menschlichen Über-Lebenswillen"

http://www.youtube.com/watch?v=fAhSf4NKeLA

  • Jeanna
  • 18.06.09 | 23:15 Uhr

Apropos: Posht-e pardeh-„Lösungen“

Hier nochmals der offene Brief von Azadeh Forghani an Farah Diba, die Mutter dessen, der sich nun an „seinem Ziel“ sieht, den ich bereits im alten WeWo-Forum im 07 mal gepostet hatte.
http://www.payvand.com/news/07/mar/1231.html

Und der gerade auch in der aktuellen Situation alles andere als bedeutungslos, sondern exemplarische, ist. Denn den IranerInnen muss niemand sagen, was sie „brauchen“. Schon gar nicht von den Expats, (abzüglich wie immer auch bei denen die löblichen Ausnahmen)!

Die wissen das selber.

  • Jeanna
  • 18.06.09 | 22:42 Uhr

“Der seit dem Sturz seines Vaters im Exil lebende Pahlewi setzt sich seit Jahren aus den USA für mehr Menschenrechte und Demokratie im Iran ein. Durch die Protestbewegung sieht er sich seinem Ziel näher.“
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/SchahSohn-erwartet-Machtwechsel-in-Teheran/story/19586757

Ja das glaube ich gern, dass ER sich SEINEM Ziel näher sieht.

Sein Vater wurde bekanntlich durch Machenschaften des CIA (!) gegen den im Volk absolut als Hoffnungsträger angesehenen und erwünschten (!) Mossadegh auf den Pfauenthron gehievt. Unter seiner Regentschaft aus bereits genannten Gnaden nahm der Alphabetisierungsprozess nicht um ein einziges Prozentchen zu (Zumindest das muss man der Mullahkratie zugute halten, seit der es praktisch keine Analphabeten mehr gibt. Im Gegenteil.) Dafür wurde mit tatkräftiger Unterstützung bereits mit nuklearer Anreicherung begonnen. Dies nur so, wenn auch nicht gänzlich, nebenbei!

Es gibt keine ernst zu nehmenden Anzeichen dafür, dass eine Mehrheit der IranerInnen einen von USrael reingeschraubten Wandel und eine entsprechende Regierung wünscht!!! Bzw. es entspricht in etwa demselben Phänomen wie die ewigen Träume der weltweit verstreuten Zaristen damals.

Keine weitere posht-e-pardeh (hinter dem Vorhang) – „Lösungen“ mit USA-gesteuerten Marionetten. Genau für sowas gehen die unzähligen Menschen und es sind unzählige und nicht nur in Tehran NICHT auf die Strasse !

  • kurtkoblet
  • 18.06.09 | 22:41 Uhr

einverstanden od. nicht mit dem verfasser kann man ja sein. gehalt od. zustand ist offensichtlich.
mulahs , papst und terroristen wissen ja alle wie's besser sein sollte. nur leben mit dem unmenschlichen od. nicht realistischen vorstellungen (zwangsehen/frauen versklavung/steinigungen/bartzwang/5-7mal moscheenobligatorium...)muss der normalverbraucher, und dies neben erwerbsleben.
man wünscht es niemanden. darum auch höchsten respekt für eine massentaugliche kultur, speziel im kulturell hochdotierten vormuslimischen persien.
sicher hat wie anderswo der ami mitzuverschulden was jetzt als hypothek ausläuft. gleichzeitig sieht man auch was dies für zeichen setzen würde, für den ganzen arabischen osten....!
eigentlich kann es uns gleichsein wie (unicef/uno/eg etc. denken anders/andere interessen), aber das leben muss auch da wieder lebenswert werden. speziell bartragende spät68er müssten da verständnis haben (heute alle fdp/cvp/sp), die rechnung zahlt ja der bünzli & arbeiter.
dieses kann aber nicht "ausdiskutieren" - da muss man hinstehen.
ein 3faches hipp-hipp auf die hoffnungsträger im nahen osten und den wirklichen frieden (wie dieser erreicht wird versteht nur wer den IIWW durchgemacht hat).

  • Jeanna
  • 17.06.09 | 22:33 Uhr

Es kam bislang selten vor, Herr Gehriger, dass ich mit Ihnen einverstanden war. Aber diesmal bin ich es und ich danke in an dieser Stelle für Ihren ausgesprochen pragmatischen Befund: Das Ganze ist eine Abrechnung auf höchster klerikaler Ebene ... mit einem Chamenei, der sich seit schon seit einiger Zeit zunehmend mit einer Isolierung von Macht und Einfluss aus den eigenen Reihen konfrontiert sieht !
Den fürchterlichen – und womögliche noch blutigeren - Preis dafür bezahlt das Volk, all die wunderbaren, aufgeschlossenen Menschen die ihre Zkunft dennoch nicht darin „sehen“ Spielbälle und Opfer westlicher –pardon: USraelischer - globalstrategischer Interessen zu sein! Diesen Fakt einfach nie-nie-nie vergessen !

Ihre Freundin aus Mashad spricht mir aus dem Herzen ... bloss: beten oder halt „nicht mehr beten“ angesichts all der grandiosen Verarschungen würde nicht, da ich Atheistin bin.

In dieser Knappheit und ganz bewusst als Kontrast zur medial kursierenden Fülle ... nicht ohne Hinweis darauf, dass ich Ulrich Tilgner in diesen aufgewühlten Zeiten als - einmal mehr ! - einen der glaubwürdigsten Korrespondente halte.

 
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