Als Bundesrat Pascal Couchepin seinen Rücktritt ankündigte, gaben seine Leute der Presse mehrseitige Bilanzen seiner Tätigkeit ab: Warum hat es ein Bundesrat, der elf Jahre in der Regierung sass, nötig, sich zu rechtfertigen? Früher war es undenkbar, dass Bundesräte derartige Papiere verteilen. So gesehen, ist es Zeichen einer erfreulichen Demokratisierung, dass neuerdings auch Bundesräte Rechenschaft abgeben zu müssen glauben. Im Falle Pascal Couchepins ist es tragisch. Allen überschwänglichen Nachrufen (vor allem der eigenen Partei) zum Trotz: Couchepin mag seinen Abgang gut geplant haben, dennoch ist es eine Flucht aus dem Amt. Im Gesundheitswesen steckt er fest, der Invalidenversicherung droht nach wie vor der Kollaps. Es bleibt die ambivalente Erinnerung an einen Politiker, der viel hätte zustande bringen können, aber wenig erreichte. Um seine Nachfolge ist ein Machtkampf im bürgerlichen Lager ausgebrochen. Dass die FDP um ihren zweiten Sitz bangt: auch dies gehört zu Couchepins Erbe.
Am Tag nach dem angeblichen Kantersieg Achmadinedschads bei der iranischen Präsidentschaftswahl befand sich Redaktor Urs Gehriger in Teheran. Aus nächster Nähe beobachtete er die Protestkundgebungen, die bald zu Strassenschlachten ausarteten. Unverhofft geriet er selbst ins Visier motorisierter Revolutionsgarden. Bei der Verfolgungsjagd durch Gassen und Häuserschluchten kam er mit einer zerrissenen Hose allerdings glimpflich davon. Als folgenreicher erwies sich die offizielle Anweisung des Regimes, gemäss der die Visa der für die Wahl eingeflogenen Reporter nicht verlängert wurden. Zusammen mit Dutzenden Kollegen wurde Gehriger zur Ausreise gezwungen. «Die Wahlen sind vorbei», lautete die lakonische Erklärung, «es gibt nichts mehr zu berichten.»
Manchmal ist die Welt tatsächlich klein und dafür die Chance gross, Jerry Rawlings kennenzulernen: in Zürich. Er besucht gelegentlich Verwandte in der Schweiz, und als Perfektionist spricht er sogar Gschnätzlets korrekt aus. Der Fliegerhauptmann unternahm in Ghana drei Staatsstreiche, wobei zwei geglückt sind und der erste, gescheiterte ihn wegen Meuterei in Todesgefahr brachte. Rawlings regierte zehn Jahre als Diktator, dann gab er dem Land eine demokratische Verfassung und wurde in freien Wahlen zweimal zum Präsidenten gewählt. Daniel Ammann und Peter Hartmann trafen ihn zum Interview, das sich zu einer sechsstündigen afrikanischen Geschichtslektion ausweitete.
Die Art Basel ist der weltweit erfolgreichste Basar der Wunderheiler und Alchemisten. Der Kunstmarkt hält für jede (Sinn-)Krise käuflichen Trost bereit erfuhr Daniele Muscionico in den Messehallen, die mit Kunstgläubigen in Rekorddichte angefüllt waren. Grosse Namen stiessen auf rege Nachfrage, Experimente waren kaum zu sichten, und die Preise hatte man kräftig nach unten korrigiert. Das Erfolgsrezept gründet nicht nur auf der Qualität der Galeristen, sondern mindestens so sehr auf den rechtlichen und steuerlichen Vorteilen, die ihnen die Schweiz bietet. Denn bei Kunsthändlern noch beliebter als die Art in Basel ist das Zollfreilager in Basel.
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