MvH

Mein Los

Unser Kolumnist beendet seine Amerikareise. Und steht dann sofort wieder chez nous im Einsatz.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in El Paso und in San Francisco. (Und in Genf – aber man käme rüber wie ein Angeber irgendwie, wenn man das alles in einem Satz aufzählen würde, finde ich.) El Paso, Texas, war vermutlich eine schöne Stadt einmal. Bevor die meisten Unternehmer aufgaben respektive die Herstellung von Jeans und Stiefeln nach China und Mexiko verschoben. Heute sieht Downtown mit den Geschäften, vor deren Schaufenster Bretter genagelt wurden, aus wie Detroit, mit schönem Wetter immerhin. Und man kann für wenig Geld fein essen, Mexican food auf jeden Fall (Dinner zu dritt im «Barrigas Restaurant», 65.35 Dollar, Trinkgeld exkl.). Falls es interessiert, was MvH in El P. suchte: Einer, der dort lebt, hatte eingeladen («Mi casa es su casa»). Und Einladungen folgt man, nicht wahr?

Anders weht der Wind in San Francisco (nicht nur ein Sprachbild, dieses wäre zu oft gebraucht für Ihren Kolumnisten; auch im Wortsinn gemeint, in der Stadt an der ebenso genannten Bay zieht es wie Hechtsuppe). Den Leuten geht es gut, so sieht es aus. Nicht nur im Kino, auch im Leben gewinnen zurzeit die nerds gegen die players. («Nerd: abwertend für in Computer oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik vertiefte Mitmenschen», Wikipedia.) In und um San F. befinden sich Firmen und Arbeitsplätze solcher Mitmenschen, und die verdienen Geld, immer noch. (Players dagegen gibt es in Los Angeles z. B., und dort ist Krise, wie man weiss seit dieser Spalte von vergangener Woche.) Hier noch MvHs San-Francisco-Top-vier-Liste. Hotel: «The Fairmont», Japaner: «Tanuki Sushi», Italiener: «Poggio Trattoria» (in Sausalito, auf der anderen Seite der Golden-Gate-Brücke), Bar: «Redwood Room» (im Hotel «Clift»).

Jetzt nach Genf. Ich wohnte im «Beau Rivage», und zwar in der Suite «Richard Wagner» (es ist nie schlecht, wenn Hotelzimmer Namen haben statt Nummern – «Wagners» Fläche war ungefähr zu vergleichen mit der einer Drei-Zimmer-Wohnung); ich war Gast von Jacques Mayer, dem Mitbesitzer des Fünf-Sterne-Hauses. Als ich noch fernsah («Scacciapensieri», Trickfilme, seit vielen Jahren am frühen Samstagabend; wer sagt, die Radiotelevisione svizzera brauche es nicht?), rief der Concierge an, mon chauffeur sei bereit . . . Diese Welschen, das sind noch Gastgeber. (Oder man hatte mich bloss mit jemand Wichtigem verwechselt.)

In den alten CFF-Hallen in Morges fand der «Swiss Red Cross Ball» statt. (Dresscode: Black Tie «African King». Afrika war Leitmotiv, MvH konnte nicht mitmachen, sein Smoking ist von Brioni, schliesslich.) Ich mag Veranstaltungen für den wohltätigen Zweck. Wenn man an einem guten Tisch ist, lernt man recht viele Frauen kennen, charity ladies eben. Diese sind meistens mit einer Freundin unterwegs. (Ihre Ex-Männer vermutlich auch, aber sicher nicht dort.) Das ist interessant. Man lernt, dass Männer irgendwie nicht mehr die gleiche Vorstellung von Wohltaten haben, wenn sie nicht mehr mit ihren Frauen zusammen sind.

Zum Glück (für das Rote Kreuz bzw. die «Opfer vergessener Unglücke», an die das gesammelte Geld geht) gibt es noch Männer, die noch mit ihren Frauen zusammen sind. Und diese beeindrucken wollen. An einem Tisch in meiner Nähe ersteigerte einer ein von Ducati als Spende zur Verfügung gestelltes Motorrad («1098 Swiss Red Cross Limited Edition») für 35 000 Franken, das er anschliessend «reofferierte» (er bezahlte also dafür und verzichtete darauf); es wurde von Simon «sets the house on fire» de Pury darauf noch einmal versteigert (für 30 000 zwar nur, aber immerhin; im Ganzen kamen 427 000 Franken zusammen).

An dem Tisch neben mir war Shania Twain. Mir gefällt Country (oder Country-Pop meinetwegen), und ich habe sogar ihr 1999er Album «Come on over», aber mir fiel einfach keine Zeile ein, die ich hätte sagen können. Darum unterhielt ich mich mit Celia von Bismarck, die neben ihr sass und einmal eine, sagen wir, ähnliche Stellung bei Park Avenue hatte, wie sie Ihr Kolumnist bei der Weltwoche hat. (Eine Zeile fiel mir auch ein: MvH trifft CvB.) Frau Twain, nebenbei, ging tanzen, das geht auch.

Kurz nach 01.00 Uhr fand die Verlosung von Preisen statt. Ich hatte auch ein Los, so aufmerksam sind die vom «Beau Rivage» (MvH ist kein Glücksspieler, nicht einmal Zahlenlotto – das ist etwas für Hauswarte). Ob ich noch einmal gewann bei meinem Glück an diesem Abend, schreibe ich kommende Woche.

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