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10.06.2009, Ausgabe 24/09

Medien

Lektion in Chaos-Management

Man soll nie etwas tun, was man nicht kann. Das lehrt uns SRG-Chef Armin Walpen.

Von Kurt W. Zimmermann

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Um SRG-Generaldirektor Armin Walpen zu verstehen, muss man zuerst wissen, warum er SRG-Generaldirektor wurde. Er wurde es, weil er Mitglied der CVP ist.

1996, bei der Nachfolge von Antonio Riva, setzte die CVP alles daran, den SRG-Topjob in der Partei zu halten. Gegenkandidaten waren Matthias Steinmann von der FDP und Max Friedli von der SVP. Walpen und die CVP siegten, weil sie die Sozialdemokraten auf ihre Seite ziehen konnten.

Seitdem weiss Armin Walpen, wie ein Geschäft läuft. Das Geschäft heisst Politik.

Um SRG-Generaldirektor Armin Walpen zu verstehen, muss man als Zweites wissen, warum er nun zum Problemfall wurde. Er wurde es, weil er nichts von Betriebswirtschaft versteht.

Walpen ist geborener Beamter. Schon als 26-Jähriger ging er zum Bund, wo er während 14 Jahren im Verkehrsdepartement amtete. Dann war er 3 Jahre beim Tamedia-Konzern, wo er ebenfalls eine Stabsstelle ohne Linienfunktion ausübte. 1991 machte ihn CVP-Bundesrat Arnold Koller zum Generalsekretär im Justizdepartement.

Seitdem weiss Armin Walpen nicht, wie ein Geschäft läuft. Das Geschäft heisst Ökonomie.

Armin Walpen ist gross, wenn es um Politik geht. Er ist untauglich, wenn es um Betriebswirtschaft geht. Mit den abrupten Abgängen der TV- und Radiodirektoren Ingrid Deltenre und Walter Rüegg wurde dies unübersehbar.

Unter Armin Walpen wuchs die SRG zu einem Koloss von 18 Radio- und 9 TV-Sendern. Es entstanden die Fernsehkanäle SF zwei, SF Info und HD Suisse, dazu DRS 4, DRS Virus und DRS Musikwelle. Auch die Gebührenerhöhungen brachte er locker durch. All dies war nur durchsetzbar dank Walpens politischem Talent. Er tat es mit der klassischen politischen Methodik: mischeln, päckeln, lobbyieren.

Unter Armin Walpen wurde die SRG zugleich zur Finanzruine. Er schaffte es nicht, im 1,6-Milliarden-Unternehmen ein nur halbwegs seriöses Kostenmanagement einzuführen. Sogar von 2007 auf 2008 wuchs der Betriebsaufwand um mehr als 4 Prozent und endete in einem Defizit von 79 Millionen.

Besonders eklatant wurde Walpens Schwäche bei der Reform der SRG-Struktur, dem «Konvergenz»-Projekt. Natürlich gehört die Veränderung von Firmenstrukturen zu den schwierigsten betriebswirtschaftlichen Anforderungen, aber dermassen vergeigt wie Walpen hat noch selten jemand einen solchen Prozess. Selbst nach Monaten hat er noch keine operative Projektleitung eingesetzt. Auch seine Berater von McKinsey sind nur teuer.

Walpen war überfordert damit, die Konvergenz-Idee sauber zu strukturieren. Bis heute weiss niemand im Unternehmen, wo er — vom Backoffice bis zum Programm — die Bereiche Radio und TV integrieren und wo er sie separieren möchte. Der Widerstand gegen das an sich sinnvolle Projekt wuchs aufgrund des völlig unsystematischen Prozess- und Kommunikationsablaufs.

Weil analysieren, systematisieren und strukturieren nicht seine Stärken sind, versuchte Politiker Walpen erneut zu mischeln, zu päckeln und zu lobbyieren. Erst fragte er Radiodirektor Walter Rüegg, ob er künftiger Superdirektor von Radio und TV werden wolle. Der sagte ab, weil er sich als Retter eines autonomen Radios sah. Rüegg geht, frustriert, nun früher als geplant.

Dann schob Walpen TV-Direktorin Ingrid Deltenre als die neue Superdirektorin vor. Prompt verheizte er auch sie, weil natürlich sofortiger Widerstand aus dem fundamentalen Radio-Lager kam. Deltenre geht, sichtbar vergnügt, nun als Chefin zur European Broadcasting Union.

Das Chaos ist perfekt, das Projekt wackelt, Walpen ist blamiert. Bereits im Jahr 2010 kann er in Pension gehen. Es wäre ein ganz schwacher Abgang.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 24/09
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Kommentare

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chateau     14.06.09 00:27

Und wieviel verdient der Mann? 500 oder 600 Riesen?
Die in Bern würden besser solchen Leuten das Salär halbieren, das ja nur so hoch ist, weil es im Bund den BAnken nachgeäfft wurde mit der immer wiederkehrenden unwahren Behauptung, man finde sonst für den Bund keine guten Leute. Als ob es da schon jemals gute Leute gehabt hätte.
Und die Politfunktionäre hätten jetzt gern einen Salädeckel für die Banker, von deren Steuern sie sehr gut gelebt haben.

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