Helden

Wie eine Rolex

Bei seinem Triumph in Paris zeigte Roger Federer Schweizer Tugenden, die im Ausland schon fast vergessen sind. Ein Blick hinter die Kulissen des historischen Tages offenbart, welch perfekter Botschafter der Basler für die Schweiz ist.

Von Andreas Kunz

Illustration: René Habermacher (Bild: Michel Comte, I-Management)

Als es endlich vollbracht ist, nach zwei dramatischen Wochen voller Leid und Zweifel, kämpft er nur noch gegen sich selbst. Schon beim Aufschlag zum Matchball hat Roger Federer feuchte Augen. Zur Nationalhymne kullern ihm die Tränen in Grossaufnahme übers Gesicht.

Es ist der Moment, in dem den Journalisten auf der Pressetribüne die Superlative ausgehen. Mit seinem 14. Grand-Slam-Sieg und dem lang ersehnten Erfolg am French Open in Paris erreichte Roger Federer Sphären, die «unbeschreiblich» sind. Versucht wird es natürlich trotzdem: Federer ist nun «Der Unsterbliche», «The Champion of the Champions», «Le Maestro», oder «Der Grösste aller Giganten».

Für die Schweiz ist Federer schlicht der beste Botschafter, den sich ein Land wünschen kann. Mitten in der grossen Wirtschaftskrise sorgt er für Euphorie und Selbstvertrauen. In aller Welt verkörpert Federer das Bild des tüchtigen, erfolgreichen und weltgewandten Eidgenossen. Es gibt keine helvetische Tugend, die Federer nicht auf glanzvolle Weise zu transportieren vermag. Gäbe es für Swissness eine Richterskala, er käme auf eine zwölf.

Diskussion der Legenden

Schon immer gehörte es zur Eigenart des kleinen Bergvolkes, in irgendeiner Nische zu den Besten der Welt gehören zu wollen. Manche bastelten die grössten Modellflugzeuge, andere köpften bei «Wetten, dass . . .?» mit einem Traktor fünf Dreiminuteneier in einer Minute. Roger Federers Revier ist der Tennisplatz. Und an diesem Sonntag, 7. Juni 2009, in Paris hat er dort praktisch alles erreicht. Es war der Tag, an dem Federer der ganzen Welt die Schweiz erklärte.

Paris, 12 Uhr, drei Stunden vor dem Final. Federers grösste Fans sitzen in der «Players Lounge», einer abgetrennten VIP-Zone in den Katakomben des Court Philippe Chatrier, dem grössten Stadion auf der Tennisanlage von Roland-Garros. Überall sitzen ehemalige oder noch aktive Tennisspieler, die Federers Leistung aus eigener Erfahrung beurteilen und schätzen können. Hier in diesem mondänen, exklusiven Klub wird erstmals klar, in welcher Liga der Schweizer spielt. Legendäre Tennisspieler wie Guillermo Vilas, Ilie Nastase oder Ion Tiriac sitzen beim Mittagessen, und in den Diskussionen fallen immer dieselben Wörter: «history», «great», «Federer».

Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic sagt lächelnd: «He’ll do it!» Er sitzt neben einer blonden Schönheit, die zu alt ist, um seine Tochter zu sein, und eigentlich zu jung, um als Freundin durchzugehen. Überhaupt ist die «Players Lounge» voll von schönen Fräuleins. Federers Entourage läuft im Hintergrund praktisch unbemerkt durch den Raum und verschwindet im Kabinengang.

Roger Federer liebt den Glamour, aber nur mit Stil und in Massen. Was den Erfolg beeinträchtigt, wird aussortiert. Er und sein Team funktionieren wie ein Schweizer KMU, das ein Hightech-Produkt in die Welt exportiert. Alles ist bestens organisiert und aufgestellt. Was nicht direkt zum Produkt gehört, geht niemanden etwas an. Wie man eine Privatsphäre wahrt, weiss Federer besser als manche Schweizer Bank. Er hat ein verschwiegenes Umfeld, lebt bald in traditionellen Familienverhältnissen und lässt Paparazzi keine Chance. Selbst wenn die besten englischen Boulevardjournalisten suchen würden: Es liesse sich nichts finden, was eine Skandalgeschichte hergibt. Schweizerisch zurückhaltend überlässt er Party- und Frauengeschichten denen, die nichts anderes zu bieten haben. Einzigartigkeit beweist er als Sportler und Vorbild.

Federer ist ein gutbürgerlicher Schweizer, der in jedem Büro und jeder Fabrik zu finden ist: tüchtig, diszipliniert und pflichtbewusst. Als einziger der Top-Ten-Spieler braucht er nicht einmal einen Coach, der ihn motiviert und anstachelt. Beim Einspielen auf dem Court central erscheint er mit seinem Freund Severin Lüthi, Fitnesstrainer Pierre Paganini und dem ehemaligen Doppelpartner Yves Allegro. Lüthi wirft die Bälle zu, Allegro agiert als Sparringpartner, und Paganini steht am Netz und beobachtet. Es ist 12.30 Uhr, im Stadion sitzen bereits etwa fünfzig Fans, Journalisten und Fotografen, die «Come on, Roger!» rufen. Federer lächelt und winkt mit seinem rot-weissen Racket. Und dann, als ob er seinen Fans einen Zaubertrick schuldig sei, spielt er plötzlich von hinter der Grundlinie einen Stoppball, der im gegnerischen Feld mit derart viel Drall aufprallt, dass er zurück übers Netz auf Federers Seite springt.

Zu seinen Anlagen – dem Talent, der Tenniskunst und Professionalität – gehört spätestens seit diesem French Open auch die Kampfmoral. Als ob in seinen Genen die Tapferkeit der eidgenössischen Söldnerheere lagerte, kämpfte er sich in Roland Garros nach Rückständen zurück ins Spiel. Dank diesen Efforts vervollständigte er nicht nur sein Palmarès an Grand-Slam-Siegen, sondern auch dasjenige als kompletter Athlet.

An der Pressekonferenz nach dem Spiel wird er heute sagen: «Ich habe schon als Kind gelernt, dass man nicht alles haben kann im Leben. Dass man sich alles hart erarbeiten muss.» Vielleicht hat er das von seiner Mutter gelernt, die Südafrikanerin ist. Vielleicht spielt das aber auch gar keine Rolle, weil Südafrika ein ebenso tüchtiges und vom Rest des Kontinents isoliertes Land ist wie die Schweiz. Der Österreicher Stefan Koubek jedenfalls sagte nach einer gemeinsamen Trainingswoche vor dem French Open: «Ich hätte nie gedacht, dass Federer so viel investiert. Wir haben so hart gearbeitet, wie es nur ging. Bevor es auf den Platz ging, machte er Konditionstraining. Eigentlich bestand die ganze Woche aus Trainieren, Dehnen, Essen und wieder Trainieren.»

Die Schweizer haben lange nicht erkannt, welch fleissiger und harter Arbeiter Federer ist. Sein Spiel sah zu perfekt aus, wie das eines unschweizerischen Überfliegers, dem alles in den Schoss fällt. Erst als er im vergangenen Sommer im Wimbledon-Final gegen Rafael Nadal zu verlieren begann, öffneten sich ihm die Herzen. Die nächste Fehleinschätzung leisteten sich einige Schweizer Journalisten, die Federer heftig kritisierten. Im Restaurant des Presseraums steht Bernie Schär, langjähriger Tennisreporter von Radio DRS. Er steht und hüpft fast, weil er vor Aufregung unmöglich sitzen könnte. Es ist 14 Uhr, noch eine Stunde bis zum Spiel. Schär zeigt auf Blick-Sportchef Walter De Gregorio und ruft: «Du bist der einzige Schweizer Journalist, der Selbstkritik geübt hat.» Alle hätten Federer kritisiert und abgeschrieben. Beim Final in Paris seien sie nun aber wieder dabei, um ihre Elogen zu schreiben. Schär selbst versichert auf Nachfrage, dass er Federer niemals kritisiert, sondern stets an ihn geglaubt habe. «Federer weiss besser als alle anderen, was er zu tun hat», sagt Schär. «Er braucht weder einen Coach noch irgendwelche besserwisserischen Kommentatoren.» Allein seine eigene, schweizerisch sture Beharrlichkeit habe ihn zurück zum Erfolg geführt.

Schärs Telefon klingelt, er hüpft weiter. Bald ist es so weit, eine Viertelstunde vor Beginn des Finals, 14.45 Uhr, spielt die Garde républicaine im Stadion den Triumphmarsch aus Giuseppe Verdis «Aida». Es klingt wie ein Fanal für alles, was jetzt passieren wird. Unter frenetischem Applaus betritt Roger Federer den Court. Im Publikum sitzen Japaner, Franzosen und Griechen, die sich mit Fahnen und roter Schminke als Schweizer verkleidet haben. Das Spiel beginnt, nach neun Minuten geht Federer bereits mit zwei Breaks in Führung, den ersten Satz gewinnt er diskussionslos mit 6:1. Nicht einmal der letzte verbliebene Spanier auf dem Pariser Court central, ein irrer Flitzer namens Jimmy Jump, kann ihn aus der Ruhe bringen. Federers Spiel läuft wie eine Rolex. Als es zum einzigen Mal ein bisschen eng wird, im Tie-Break des zweiten Satzes, serviert er vier Asse. Einfach so. Die Zuschauer sind begeistert. «Roger, Roger!» Die Intervalle zwischen den Sprechchören werden kürzer, die Zwischenrufe zahlreicher. Erstaunlicherweise kommen die lautesten davon von den teuersten Plätzen.

Das Publikum in Paris will heute keinen umkämpften Tennismatch sehen; es will dabei sein, wenn der Schweizer Geschichte schreibt. Am Anfang des dritten Satzes beginnt die Party. La ola geht durchs Stadion. Anna Wintour, Chefredaktorin der Modezeitschrift Vogue, steht im Regen als Einzige in Federers Box ohne Schirm oder Mütze da. Sie schlottert, aber kichert, wenn die Welle bei ihr vorbeikommt.

Keuchen bei der Vorhand

Die 26 Fotografen hinter der Sitzbank des Schweizers haben ihre Objektive nur noch auf ihn gerichtet. Söderling spielt praktisch unter Ausschluss der medialen Öffentlichkeit. Die Journalisten auf der Pressetribüne beginnen bereits mit dem Schreiben ihrer Kommentare. Jeder ist auf der Suche nach dem superlativistischen Superlativ, nach einem exklusiven Argument für Federers Triumph und Können, nach irgendetwas, was nicht schon tausendfach gesagt worden ist. Ein französischer Kollege will wissen, dass Federer eine Sehstärke von 110 Prozent besitzt, darum könne er die Bälle besser und früher erkennen als seine Gegner. Ein anderer erzählt von einem Aberglauben, weil er in diesem Jahr zum ersten Mal seine Sporttasche nicht auf ein Schweisstuch, sondern direkt auf die Bank legte.

Der Einzige unter den knapp 15 000 Leuten im Stadion, der auf das Spiel fokussiert bleibt, ist Federer. Die Kraft und Dynamik seines Spiels, sein Keuchen bei den Vorhandschlägen sind am Spielfeldrand überhaupt erst richtig wahrnehmbar. Vor allem aus seitlicher Perspektive ist ersichtlich, wie hart sich die Spieler die Bälle zuschlagen. Man fragt sich, warum das Fernsehen die Spiele immer nur von hinten filmt, warum es nicht möglich sein soll, gelegentlich eine Einspielung längsseits zu zeigen.

5:4 und 30:15 für Federer im dritten Satz. Noch zwei Punkte. «Ich bin fast zusammengebrochen vor Nervosität», wird er später sagen. Plötzlich verschlägt er eine Rückhand, dann einen einfachen Volley. Breakball. Die Schweizer unter den Zuschauern rufen: «Bring en hei!», oder: «Chum jetzt numol, Roger!» Federer wehrt den Breakball ab, kurz darauf haut Söderling den ersten Matchball ins Netz. Der gefeierte Sieger sinkt in die Knie. Auf den Court central fliegen drei Rosen.

Damit das ordentliche Familienalbum keine Lücken aufweist, zückt Federers Frau Mirka bei der Siegerehrung den Fotoapparat (obwohl Dutzende Profifotografen klicken, die ihre Bilder nur zu gern in Federers Album sähen). Vor der Nationalhymne ist es nochmals ruhig im Stadion, von der nahen Avenue de la Porte d’Auteuil ertönen Hupkonzerte. Vor dem TV sitzen über 10 Millionen Franzosen und viele weitere Millionen weltweit. Nie zuvor hatte die helvetische Hymne ein grösseres Publikum.›››

In der Schweiz verfolgen gerade mal 634 000 Zuschauer die Schlussminuten und die Siegerehrung. Bei Pirmin Zurbriggens Erfolgen sassen bis zu 1,5 Millionen vor dem Bildschirm. Was würde mit Federer passieren, wenn er Deutscher oder Franzose wäre? Die Franzosen haben bereits versucht, ihn wegzuadoptieren (siehe links). Und in Deutschland bedauern sie noch immer, dass der Baselbieter nicht ein paar Kilometer weiter nördlich geboren worden ist.

Immerhin sind die Zeiten vorbei, als 2005 statt Federer ein Achtelliter-Töfffahrer zum Sportler des Jahres gewählt wurde. Während des French Open belegten die Artikel auf Tages-Anzeiger.ch in der Klick-Hitparade stets die Spitzenplätze. Der dreimalige Weltsportler des Jahres wird geliebt, respektiert und bewundert, wenn auch immer noch nicht in einem Masse, wie das in anderen Ländern üblich wäre. Dass kollektive Jubelorgien wegen Einzelfiguren nicht zu den eidgenössischen Eigenarten gehören, wird der Vorzeigeschweizer Federer aber mittlerweile wissen.

Interviews im Regen

Eine, die das ebenfalls lernen musste, ist Martina Hingis. Vor zwei Wochen gab die ehemalige Nummer eins im Frauentennis der Weltwoche ein grosses Interview. Jetzt, dreissig Minuten nach dem Matchball, ruft sie an. «Wie war das Spiel?» Sie sei beim CSIO in St. Gallen eingeladen gewesen, habe aber bei jedem gewonnenen Satz, der über die Lautsprecher verkündet wurde, gejubelt. «Federers Sieg ist grandios, seine Leistung einmalig, ein grosser Tag für die Schweiz!», sagt Hingis.

Um 17.50 Uhr steht Roger Federer, fast eine Stunde nach dem Matchball, immer noch auf dem Court central. Pflichtbewusst gibt er im strömenden Regen Interviews, den Pokal fest in den Händen. Dann posiert er für ein Foto mit den Balljungen, die vor Freude kreischen. Als er den Platz endlich verlassen kann, stemmt Federer den Pokal nochmals strahlend in die Höhe, aus den Lautsprechern singt Johnny Cash «Personal Jesus».

Federer ist im Kabinengang, durchnässt und erschöpft kauert er sich hin. Manager Tony Godsick gratuliert, umarmt ihn, klopft ihm auf die Schultern, weist seinen Schützling aber sogleich auf seine Verpflichtungen hin. Federer sitzt nun schlotternd in seinem rot-weissen Jäckchen im Aussenstudio des Fernsehsenders France 2, dann geht es weiter zu CNN. Zwischendurch zeichnet er eine Botschaft für seine 1 730 384 Fans auf dem Internetportal Facebook auf: «Hi Guys, I just wanna introduce you to my new friend, ‹la Coupe de Mousquetaires›!»

Federers Pressekonferenz ist auf 19 Uhr verschoben worden. Der kleine Saal ist mit über siebzig Journalisten und Fotografen heillos überfüllt. Ein sichtlich müder Sieger wird mit Applaus begrüsst. Der älteste der anwesenden Tennisjournalisten ergreift das Mikrofon und sagt: «Roger, du weisst: Wir Journalisten dürfen eigentlich nicht applaudieren. Aber du hast es dir so verdient.»

 

Perfekt dreisprachig

Was Federer nun zeigt, ist fast eindrücklicher als seine Leistung auf dem Platz. Wäre die folgende Stunde ein Bewerbungsgespräch für einen Schweizer Botschafterposten, Micheline Calmy-Rey käme um Federer nicht herum. «Questions in English, please», sagt die Moderatorin, und Federer beantwortet sie ruhig, eloquent, differenziert und witzig. Er erzählt von seinen Erfahrungen mit Flitzern, es seien wohl einfach Leute, die nicht anders könnten. In Wimbledon sei damals ein Mann auf den Platz gestürmt und habe ihm gesagt: «Sorry, but I have to do this.» Worauf er geantwortet habe: «Okay, then touch me.»

Wenn ein japanischer Journalist eine Frage stellt, bei der man nicht genau weiss, ob er nun englisch oder französisch spricht, hört Federer geduldiger zu als jeder Tourismusdirektor aus dem Berner Oberland. Er schnappt ein Stichwort auf und produziert eine runde Antwort. Nach zwanzig Minuten sagt die Moderatorin: «Now questions in French, please», und Federer beantwortet geduldig die oftmals gleichen Fragen nochmals mit derselben Eloquenz auf Französisch. Falls nach seinem Karrierenende alle Stricke reissen würden, könnte er jederzeit Rhetorikkurse für Sportler anbieten.

Dann heisst es im medialen Zentrum der Sportwelt: «Now questions in Swiss German, please», und Roger Federer sagt: «Dangge villmool für d Gratulatione. Es freut mi riisig, en guete Botschafter für d Schwiiz z sii. Das isch mer immer sehr wichtig gsi, das han i au immer gseit, odr. Und jetzt freu i mi natürli sehr uf d Rückkehr i d Heimat.»

Am Ende läuft er davon, der 14-malige Grand-Slam-Sieger mit der 14 auf dem Rücken seiner Trainingsjacke. Den verbliebenen Journalisten bleibt nichts anderes übrig, als wieder neue Superlative zu diskutieren. Steigt Federer ins Walhalla der ewigen Sportheroen? Der Tenor ist klar: Mit seiner Persönlichkeit, der Smartness und menschlichen Grösse gehöre der Schweizer auf die allerhöchste Stufe. Schweizer sind generell keine Selbstdarsteller. Sie bleiben im Hintergrund, fallen ungern auf, und unter Druck knicken sie regelmässig ein. Es gab viele Sporttalente, die es weit brachten, aber irgendwann war Schluss. Tennisprofi Heinz Günthardt, heute smarter TV-Kommentator, spielte geniale Backhand-Volleys über Kopf, aber im entscheidenden Moment landete der Ball im Netz. Oft genug waren die Schweizer bekannt dafür, dass sie alles gaben, gut spielten und mit erhobenem Kopf als Verlierer den Platz verliessen.

Federer bildet die grosse Ausnahme. Er schaffte nicht nur den Durchstoss nach oben und behauptete sich jahrelang an der Weltranglistenspitze in einer der mental anspruchsvollsten Sportarten, die es gibt. Er überwand auch den eigenen Abstieg, indem er sich ein Stück weit neu erfand. Aus dem reinen Schönspieler, der er vermutlich nie ausschliesslich war, wurde durch harte Arbeit ein Kämpfer, der eine weitere Schallmauer durchbrach. Es gab Momente im vergangenen Jahr, da sah auch Federer plötzlich aus wie das Inbild des verunsicherten Eidgenossen, dem es an Selbstvertrauen mangelt. Der Final-Sieg am French Open, bei dem das Fehlen Nadals vielleicht ein kleiner Schönheitsfehler war, war die eindrückliche Bestätigung, dass Federer aus härterem Holz geschnitzt ist, als viele ahnten. Er ist der Sonder-Schweizer, der tatsächlich keine Grenzen akzeptiert.

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