«Entwicklungshilfe ist tödlich»

Die Erfolgsautorin Dambisa Moyo erzählt, wie sie es von Afrika aus in die Welt der Hochfinanz geschafft hat, wie ihr Buch «Dead Aid» sie veränderte und weshalb Afrika aufgrund der Entwicklungshilfe heute ärmer ist als noch vor fünfzig Jahren.

Von Carmen Gasser

«Ich habe die durschnittliche Lebenserwartung Sambias bereits überschritten»: Entwicklungshilfe-Kritikerin Moyo. Bild: Bohdan Cap

Frau Moyo, klären Sie mich auf: Wie viel Bücher muss man verkaufen, um auf der Bestsellerliste der New York Times zu landen?

Ich habe keine Ahnung. Jemand sagte mir, es müsste eine ganze Menge sein. Ich weiss nur, dass in London innert der letzten drei Wochen 20 000 Bücher verkauft wurden.

Hat Sie der Erfolg des Buches überrascht?

Als wir «Dead Aid» veröffentlichten, waren wir nicht sicher, ob sich irgendjemand für ein Buch über Afrika interessieren würde mitten in einer Kreditkrise. Aber die Leute wollen offensichtlich wissen, wie es mit Afrika weitergehen soll.

Wann fingen Sie an, sich mit dem Thema Entwicklungshilfe auseinanderzusetzen?

Ich bin eigentlich schon mein ganzes Leben lang darüber frustriert, was in Afrika passiert. Während meiner Tätigkeit bei der Weltbank und später bei Goldman Sachs beschäftigte ich mich intensiv mit Afrika, verfasste unzählige ökonomische Studien zu diesem Thema. 2006 dann bekam ich von einem Verlag den Auftrag, ein Buch über Entwicklungshilfe zu schreiben. Da überlegte ich nicht lang, auch wenn es anstrengend war, da ich Vollzeit arbeitete.

Sie haben Ihren Job geschmissen und treten derzeit weltweit in Vorträgen und Seminaren gegen die Entwicklungshilfe auf. Hat Sie Ihr Kreuzzug verändert?

Ich habe viele Freunde aus der NGO-Gemeinschaft verloren. Das war eine bittere Enttäuschung für mich. Wenn es eine Lektion gibt, dann jene, dass es viele Leute gibt, die versuchen, den Status quo in Afrika beizubehalten, da sie sonst ihre Daseinsberechtigung verlieren.

Sie kritisieren in Ihrem Buch, dass Entwicklungshilfe ein Teil der Unterhaltungsindustrie geworden ist. Was ist falsch, wenn sich Rockstars wie Bono oder Bob Geldof für Afrika einsetzen?

Wie würden sich beispielsweise die Amerikaner fühlen, wenn sie angesichts der Kreditkrise nichts von Obama hören würden, aber die ganze Zeit von Michael Jackson? Wir wollen Antworten von afrikanischen Leadern hören, nicht von Prominenten. Eine Milliarde Afrikaner will nicht fürs Entertainment verwendet werden. Wir wollen zur globalen Wirtschaft gehören.

Können Sie denn persönlich aufgrund Ihrer Vergangenheit mitreden, wenn es um Armut geht?

Ich hatte sehr viel Glück und bin sehr komfortabel in einer urbanen Gegend aufgewachsen. Erst wenn man älter wird, realisiert man, welche Herausforderung es ist, in Afrika zu leben. In der Schweiz können Sie auswählen, in welche Schule Sie gehen, welche Arbeit Sie machen wollen, in Afrika nicht.

In welchem Alter realisierten Sie, dass Sie in einem der ärmsten Länder der Welt leben?

Wenn man in Sambia aufwächst, realisiert man nicht, dass es ausserhalb des eigenen Landes so viel Reichtum gibt. Wir haben zwar Serien wie «Dallas» und «Denver-Clan» im Fernsehen gesehen, aber nie geglaubt, dass es so etwas wirklich gibt. Man merkt allerdings sehr früh, dass gewisse Dinge knapp sind. Häufig gab es kein Wasser oder keinen Strom. Doch jeder war davon betroffen.

Ihre Eltern schafften den Aufstieg aus bitterster Armut.

Obwohl meine Grosseltern als Minenarbeiter keine Ausbildung hatten und in sehr ländlichen Gegenden wohnten, drängten sie ihre Kinder dazu, eine Ausbildung zu machen. Das war sehr aussergewöhnlich. Denn zu jener Zeit war Sambia noch eine Kolonie, und die Engländer hielten die Schwarzen davon ab, eine Ausbildung zu machen. Mein Vater studierte Medizin an der Universität von Kalifornien, meine Mutter konzentrierte sich auf das Bankengeschäft. Beide kamen nach dem Studium zurück nach Sambia. Meine Mutter war die erste Frau in einer Bank und wurde Verwaltungsrätin der führenden Bank von Sambia.

Von welchem Job träumten Sie als Kind?

Ich wollte Hostess werden, denn ich liebte die Uniformen und sah die Hostessen in all diese grossartigen Länder fliegen.

Dennoch schafften Sie es nach Harvard und Oxford. Wie beschwerlich war der Weg?

Meine Eltern haben mir immer eingebläut, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es will. Sie haben nie gesagt, dass ich etwas nicht könne, nur weil ich eine Frau sei oder schwarz oder aus Afrika. Heute wache ich in der Früh auf und sage mir jeden Tag, dass ich die glücklichste Person auf der Welt bin.

Hatten Sie es denn als Schwarze härter?

Es ist hart, es gab ständig neue Herausforderungen. Für ein Stipendium in Harvard oder an der Oxford-Universität bewirbt sich die halbe Welt. Und ich habe keine Geburtsurkunde. Meine beste Freundin hat eine. Ihr Vater stammt aus Sambia, ihre Mutter aus Deutschland. Ich habe zwei schwarze Elternteile und deshalb keine Urkunde.

Sie wissen aber schon, wie alt Sie sind?

Ich habe die durchschnittliche Lebenserwartung Sambias bereits überschritten. Die liegt bei 37 Jahren. Mehr verrate ich Ihnen nicht.

Wie waren die Reaktionen auf Ihr Buch?

Ich habe viel Unterstützung von afrikanischen Präsidenten bekommen, die allesamt sagten, dass das, was ich behaupte, richtig ist. Erst kürzlich traf ich die Präsidenten von Ruanda und Senegal und deren Minister zu einem Gespräch. Ebenso Kofi Annan, Mitarbeiter des IWF und der Weltbank, und viele Parlamentsmitglieder, beispielsweise aus Schweden und Norwegen. Die extremsten Reaktionen kamen von der NGO-Gemeinschaft. Die Leute sind sehr aggressiv mir gegenüber und verärgert. Sie sagten doch tatsächlich, dass Babys sterben würden wegen dem, was ich sage.

Die afrikanischen Regierungen haben Sie eingeladen, obwohl Sie diesen den Geldhahn zudrehen wollen mit dem Stopp der Entwicklungshilfegelder?

Sprechen Sie mit irgendeiner afrikanischen Regierung. Alle sind total genervt von diesen NGOs, die ständig vorbeikommen, ihnen ihre Agenda aufdrücken, mit ihren Plänen und Vorstellungen. Es ist ein Alptraum für die meisten Politiker.

Was ist falsch an der Entwicklungshilfe?

Als Anfang der sechziger Jahre die Entwicklungshilfe startete, waren ihre Ziele, das Wirtschaftswachstum zu steigern und die Armut zu reduzieren. Doch alle Programme haben hinsichtlich dieser Messgrössen versagt. In den vergangenen fünfzig Jahren sind mehr als zwei Billionen Dollar Hilfe von den reichen an die armen Länder geflossen. Dennoch steht Afrika heute schlechter da als vor fünfzig Jahren. Lebten damals nur 10 Prozent der Einwohner unter der Einkommensgrenze von zwei Dollar, so sind es heute 70 Prozent. Während der letzten dreissig Jahre sank das Wirtschaftswachstum jährlich um 0,2 Prozent.

Entwicklungshilfe wirkt also so, wie es einst Karl Kraus über die Psychoanalyse sagte: Sie ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält?

Exakt. Die Frage ist nicht, warum diese Länder nicht weiter sind, trotz der jahrzehntelangen Entwicklungshilfe. Die Antwort ist: wegen ihr. Das fundamentale Problem ist, dass die Entwicklungshilfe keine Jobs geschaffen hat, sondern das Gegenteil bewirkte, sie zerstörte. Entwicklungshilfe produziert Inflation, Schulden, Bürokratie und Korruption. In ein solches Land wollen Unternehmer nicht investieren und dort Jobs schaffen. Machen Sie ein Land abhängig von Hilfe, dann nehmen Sie die Karotte weg und den Prügel: Niemand wird bestraft, wenn er nicht innovativ ist, denn die Hilfe fliesst trotzdem. Und niemand wird belohnt, wenn er sich anstrengt.

Die asiatischen Länder haben Afrika rechts überholt, und das, obwohl es Asien in den Sechzigern schlechter ging als Afrika. In Malawi, Burundi und Burkina Faso war das Pro-Kopf-Einkommen vor dreissig Jahren höher als in China. Was lief dort anders?

Wir haben gesehen, welche Konzepte die Armut in China, Indien, Südafrika und Botswana vermindert haben. Diese Länder haben auf den Markt als Motor für Wirtschaftswachstum gesetzt. Sie erhielten immer nur zeitlich begrenzt Entwicklungshilfegelder. China oder Indien sind nicht wie Afrika abhängig davon geworden.

Sie konstatieren in «Dead Aid», dass Entwicklungshilfe die Korruption fördert . . .

. . . nicht nur ich. Eine Weltbank-Studie belegt, dass 85 Prozent der Gelder für andere Dinge verwendet werden als vorgesehen. Ein Grossteil ging an korrupte Diktatoren wie Mobutu, Idi Amin oder Mugabe, wie Larry Diamond, ein Wissenschaftler, feststellte. Ein hochrangiger Mitarbeiter des IWF warnte vor zwei Jahren davor, dass die Demokratische Republik Kongo total korrupt sei. Was passierte? Wenig später erhielt Kongo vom IWF den grössten Kredit, den je ein afrikanisches Land erhalten hat. Kongos Präsident Mobutu soll fünf Milliarden an Entwicklungshilfegeldern gestohlen haben. Nachdem er eine Zinsreduktion für die Schulden des Landes verlangt hatte, leaste er eine Concorde, um seine Tochter zur Heirat an die Elfenbeinküste zu fliegen.

Wie erklären Sie sich das Phänomen, dass der Westen gerne Potentaten unterstützt?

Entwicklungshilfegelder gibt es gratis. Die Vergabe ist an keine Auflagen gebunden, und die Kontrollen sind äusserst schwach.

Dennoch. Nicht jedes Entwicklungsprogramm der Vergangenheit versagte. Schauen Sie sich den Marshallplan an oder die Osthilfe.

Der Marshallplan lief fünf Jahre. Jeder wusste, dass die Geldquelle nicht für immer sprudelt. In Afrika hingegen ist sie ohne Ende. Schauen Sie sich die Bailout-Pläne in Osteuropa an. Jedermann weiss, dass das Geld nur für eine gewisse Zeit fliesst. Gleichzeitig erwartet man von den Ländern, dass sie neue Arbeitsplätze schaffen, ihre Märkte öffnen. Von Afrika wird das nicht erwartet. Afrikanische Politiker sehen Entwicklungshilfegelder als permanentes Einkommen an, sie können sich auf die Gelder aus dem Westen verlassen, müssen nicht eine andere Quelle finden wie europäische Politiker, die Steuern auftreiben müssen.

Geografische Gründe, ethnische Probleme oder den Kolonialismus als Grund für die Armut Afrikas lassen Sie nicht gelten?

All diese Probleme bestehen in Afrika, ja. Aber sie rechtfertigen nicht, dass es einem ganzen Kontinent schlechtgeht. Es gibt viele Länder, die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben wie Afrika. Die Schweiz beispielsweise hat ein geografisches Problem, da sie keinen Zugang zum Meer hat. Indien war eine Kolonie und hat ein Wirtschaftswachstum von 10 Prozent pro Jahr. In vielen Ländern werden wie in Afrika auch ethnische Konflikte ausgetragen.

Sie plädieren für Radikalmassnahmen?

Entwicklungshilfe ist tödlich. Sie gehört innert einer Übergangsphase von fünf Jahren abgeschafft. Ich bin offen für eine Diskussion, wie lange diese Übergangsphase sein soll. Wichtig ist jedoch, dass die Politiker wissen, dass es kein Geld mehr gibt. Es ist nicht wünschenswert, dass sich die afrikanischen Regierungen zurücklehnen und auf Entwicklungshilfegelder warten.

Schlimmstenfalls kann dieses Vorgehen zu mehr Armut, Genozid oder Krieg führen.

Ich kann Ihnen garantieren, wenn es mit der Entwicklungshilfe so weitergeht, werden sich die Bedingungen drastisch verschlechtern in Afrika. Wohin hat die Entwicklungshilfe geführt? In den Neunzigern gab es in Afrika mehr Kriege als auf der ganzen Welt zusammen. In den letzten sechs Monaten allein sind vier weitere Kriege ausgebrochen. Es gibt Millionen von Menschen in Afrika, die heute ärmer sind als noch vor fünfzehn Jahren. Über 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 24 Jahre alt. Diese Leute wollen arbeiten. Sie haben aber keine Möglichkeiten, da Entwicklungshilfe verhindert, dass Jobs geschaffen werden.

Durch die weltweite Wirtschaftskrise wird Afrika noch mehr geschwächt?

Afrika ist sicherlich davon tangiert. Erstens wegen der Entwicklungshilfegelder, die schaden. Und zweitens, da die Rohstoffpreise zurückgegangen sind. Allerdings gehen die Prognosen des IWF für Afrika noch immer von einem Wachstum von 3 Prozent aus. Denn es gibt durchaus positive Effekte. China investiert in grossem Umfang in Afrika. Und das ist gegenüber all den anderen Ländern doch sehr beachtlich.

Wenn keine Entwicklungshilfe, was dann? Die Kräfte des freien Marktes reichen kaum.

Die guten Nachrichten sind, dass afrikanische Politiker sehr viel tun können. Und diese Vorschläge entstammen nicht meinem Gehirn, sondern sie wurden bereits teilweise umgesetzt und funktionieren. Der Fokus sollte auf dem Handel liegen. Ich empfehle, die Zeit nicht mehr damit zu verschwenden, dass Afrika an WTO-Verhandlungen geht, denn Faktum ist, dass Europa seine Märkte für afrikanische Produkte nicht öffnen wird. Afrika verliert jedes Jahr 500 Milliarden durch Handelsembargos. Die EU schützt ihre Märkte am meisten. Jede Kuh aus der EU wird pro Tag mit 2,5 Dollar gesponsert. Das ist mehr, als über eine Milliarde Menschen jeden Tag zum Leben hat. Also sollte sich Afrika auf jene Länder konzentrieren, von denen wir wissen, dass es eine Nachfrage nach unseren Produkten gibt. Wie China beispielsweise.

Sie schreiben in «Dead Aid», die Chinesen seien die Freunde Afrikas. Was macht China zum neuen Verbündeten Afrikas?

Die Chinesen haben in zehn Jahren das erreicht, worin der Westen sechzig Jahre versagt hat. Sie haben eine Infrastruktur aufgebaut und weit über 100 000 Jobs geschaffen. Allein im Jahr 2004 investierte China 900 Millionen Dollar in Afrika, die USA nur 10. China kaufte Kupfer- und Kobaltminen im Kongo, Eisen- und Platinminen in Südafrika, Textilfabriken in Lesotho, kaufte sich mit 20 Milliarden in Afrikas grösste Bank ein, beteiligte sich für 3 Milliarden Dollar an einem nigerianischen Ölfeld. Mittlerweile stammen 30 Prozent der Rohölimporte Chinas aus Afrika. China baute Strassen in Äthiopien, Pipelines im Sudan, Elektrizitätswerke in Ghana. Man baute 30 Spitäler, 100 Schulen, 2000 Studenten erhalten jedes Jahr Stipendien für chinesische Universitäten.

Haben Sie nicht Angst, dass am Ende des Tages halb Afrika in chinesischer Hand liegen könnte, mit dem Nebeneffekt, dass die Umwelt zerstört wurde?

Kein Grund, nicht das Richtige zu machen. Wenn Afrikaner schlussendlich ein besseres Leben haben, weil Chinesen nach Afrika kommen, sollte man sie willkommen heissen. Afrikanische Mütter wollen ihre Kinder ernähren. Kann der Westen dabei helfen? Kann er Jobs kreieren? Nein. Die Chinesen hingegen schon. Vielleicht haben wir in fünfzig Jahren keine Demokratie mehr. Doch man muss darauf fokussieren, was heute ist. Es bringt nichts, jemandem, der sechs Kinder ernähren muss, zu sagen, er solle diesen Baum nicht umhacken. Armut ist ein grösserer Feind der Umwelt als Wirtschaftswachstum.

Welche Massnahmen empfehlen Sie noch?

Afrikanische Länder könnten Staatsanleihen emittieren, welche Private und Institutionelle kaufen. Diese Bonds haben eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung und sind daher attraktiv für Anleger. Am Ende der Laufzeit bekommt man das investierte Geld zurück. Ghana und Gabun haben bereits je einen Bond emittiert. Über sechzehn weitere afrikanische Länder haben bereits ein Kredit-Rating.

Ich bin mir nicht sicher, wie attraktiv ein afrikanischer Bond für Investoren ist. Das Risiko eines Ausfalls ist doch gross, nicht?

Einmal mehr gilt auch in diesem Punkt: Afrikanische Länder dürfen sich nicht auf Europa konzentrieren, das ist sinnlos. Denn Europa weiss nicht, wie man afrikanische Risiken einpreist. Man muss diese Bonds in China oder dem Mittleren Osten auflegen. Ein chinesischer Diplomat sagte mir unlängst, dass sich nur der Westen darüber beklagt, dass die Kapitalmärkte schlecht laufen, weil sie kein Geld mehr hätten. China jedoch habe Geld und würde sich umsehen, wo es investieren kann. Sollten afrikanische Regierungen Bonds emittieren wollen, hätte China Interesse daran.

Warum hat man das bislang nicht gemacht?

Die Weltbank ist schuld daran.

Weshalb?

Wenn alle afrikanischen Länder Geld von den Kapitalmärkten leihen würden, und nicht von der Weltbank, würde diese ihr Geschäft verlieren, ihre Berechtigung. Ein Freund aus Ghana erzählte mir, dass man dort einen Bond emittieren wollte. Als die Weltbank davon erfuhr, schrieb sie einen sehr unfreundlichen Brief an die Regierung mit der Aufforderung, dass man das nicht tun solle.

Die Weltbank trifft also Mitschuld an der Misere Afrikas?

Der IWF, die Weltbank und viele dieser grossen, multinationalen Organisationen sagen zwar die richtigen Dinge, tun aber das Falsche. Sie sprechen von freiem Handel und Privatisierung, doch anstatt diese Länder zu ermutigen, mehr Handel zu betreiben, einen Privatsektor aufzubauen und mehr ausländische Investoren zu gewinnen, geben sie den Ländern einfach Geld. Geld, das schlussendlich versickert.

Können wir als Private denn etwas tun, um Afrika zu unterstützen?

Die Leute glauben, dass Afrika anders funktioniert als der Rest der Welt. Dabei gilt für Afrika wie für alle anderen Länder, dass die Leute Arbeit wollen, Infrastruktur, Gesundheitsvorsorge. Sie als Schweizer können diesen Menschen Geld leihen, damit sie sich ein Geschäft aufbauen können. 25 Dollar reichen schon, die dann allerdings zurückbezahlt werden müssen. Die Grameen Bank in Bangladesch hat enorm gute Resultate erzielt und das Leben vieler verändert. Doch die Initiative zu diesem Projekt hätte nicht ein Mann aus Bangladesch ergreifen sollen, sondern die Weltbank.

Was halten Sie als Schwarze von Obama?

Obama hat einen harten Job vor sich. Aber er ist sehr innovativ. Ich hoffe, sein Ansatz für Afrika sei es ebenso. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, was Afrikaner schaffen können, wenn man sie nur lässt.

Manche kritisieren, er agiere mehr wie ein Weisser als wie ein Schwarzer.

Er ist erst hundert Tage im Amt, bitte, geben Sie dem Jungen eine Chance. Sein Land steckt mitten in einer Finanzkrise, die Arbeitslosenquote wird auf 10 Prozent hochschnellen. Es ist zu früh, um irgendwelche Aussagen zu machen.

Zum Schluss: Glauben Sie daran, dass sich in Afrika etwas zum Besseren ändern wird?

Ich bin besorgt darüber, dass der Veränderungsprozess nicht schnell genug geht, um den Kontinent zu verändern. Aber immerhin gibt es Anzeichen, die positiv sind, da Länder wie Südafrika, Botswana oder Ghana wirtschaftlich grosse Fortschritte gemacht haben, aufgrund ihrer Orientierung hin zu den Kapitalmärkten.

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