Rücktritt Bundesrat Couchepin

Mann von gestern

Gross waren die Vorschusslorbeeren bei der Wahl von Pascal Couchepin zum Bundesrat, von einem Visionär und Macher war die Rede. Knapp 12 Jahre später steht fest: Weder als Wirtschafts-, noch als Sozialminister konnte der FDP-Magistrat wirklich Entscheidendes bewegen. Erste Bilanz der Amtszeit eines Bundesrats, der sich kontinuierlich selbst im Wege stand.

Von Urs Paul Engeler

Pascal Couchepin verfolgt eine Debatte in den eidgenössischen Räten, nachdem seine Demission auf 31. Oktober 2009 verlesen wurde. Bild: Keystone

«Wer gross hinein geht, wird klein heraus kommen.» Selten wurde die politische Faustregel über die Karriere von Bundesräten schöner bestätigt als jetzt, wo Pascal Couchepin (FDP), endlich, zurücktritt. 1998, als er gekürt wurde, war der Walliser der Hoffnungsträger einer Partei, die sich bereits auf dem Abstieg befand. Der damalige FDP-Präsident Franz Steinegger forcierte jahrelang mit ganzer Kraft die Wahl seines Fraktionschefs, um den alt und krank gewordenen Jean-Pascal Delamuraz, der als Hypothek betrachtet wurde, loszuwerden. Peter Bodenmann pries seinen Walliser Landsmann in der Weltwoche als Gestalter einer «fortschrittlichen» Koalition mit der Linken an: «Nur Couchepin hat das Potential, etwas mitzubewegen. Europa formiert sich in der linken Mitte.» Und der Kandidat selbst, daran liess er nie einen Zweifel, hielt sich stets für den Grössten und Besten und Schlauesten.
Geworden ist gar nichts.

Dabei war der Jurist aus Martigny mit vielen Talenten gesegnet: ein fast untrüglicher Instinkt für die Macht, die blitzschnelle Auffassung, gekonnt zelebrierte Bildung, Witz, dominierende Staatlichkeit, Egopflege, überfallsartige bis ätzende Rhetorik. Ein Mann, schien es, geschaffen wie kein zweiter für einen Exekutivposten, ein Chef und kein Verwalter.

Nach knapp zwölf Jahren im hohen Amt zählt Pascal Couchepin vor den Medien seine 27 Erfolge bei Wahlen auf (vom Martinacher Stadtrat bis zu den Wiederwahlen in den Bundesrat). Die restliche Bilanz besteht aus einem Wust aus Papieren, die Highlights wie «zahlreiche Kontakte mit Kulturministerinnen und Kulturministern anlässlich von Auslandreisen» oder Durchbrüche wie «Pilotprojekt im Grenzgebiet Basel/Lörrach zur Erprobung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich» auflistet. Fakten sind, dass er weder als Wirtschaftsminister (1998 bis 2002) noch als Sozialminister (2003 bis 2009) Entscheidendes bewegt hat. Unter seiner Ägide hat sich die Lage der Sozialversicherungen sogar dramatisch verschlechtert. Überdies weigerte er sich beharrlich, die parteipolitischen Veränderungen - Stärkung der Rechten, Stagnation der Linken, Erosion der Mitte - anzuerkennen oder auch nur zu reflektieren.

Gescheitert ist Couchepin nicht an den Umständen, nicht an seinen Kollegen im Bundesrat, die er mit Leidenschaft bekämpft hat, auch nicht an seiner Partei, die sich allmählich selbst auflöst. Er kam in den knapp zwölf Jahren zu keinem Ergebnis, weil er sich selbst im Wege stand. Das grobe Imponiergehabe verdeckte mimosenhaftes Selbstmitleid und die permanente Beschäftigung mit sich selbst. Die immer lauter werdende Kritik an seiner Amtsführung bewirkte keine Änderung, sondern liess nur das Ego zur Selbstüberschätzung anschwellen, zur Grossmannssucht, die sich von den Realitäten entfernte. Immer heftiger wurden die Momente des Aufbrausens, immer häufiger die unkontrollierten verbalen Attacken gegen politische Gegner, immer peinlich die Ausfälligkeiten gegen einzelne Journalisten.

Der zornige Kampf gegen die Um- und Mitwelt zeigte, dass Couchepin, ein Mann der 90er Jahre und Mitarchitekt der gescheiterten «Koalition der Vernunft«, den Wandel der Paradigmen, Prioritäten und Parteien nicht mitgemacht hat. Wie von seinem Mitstreiter Peter Bodenmann anlässlich der Wahl vorgegeben, pflegte er die Kollaboration mit der Linken, hielt er Distanz zur CVP und bekämpfte er die erfolgreiche SVP.

So war Pascal Couchepin nie der Reformer, nie der «Visionär», als den seine Partei ihn darstellt, sondern stets der Mann der Vergangenheit und damit aktiver Mitgestalter des Niedergangs der FDP. Dass die Partei nun bangt und zittert und den zweiten Sitz in der Regierung verlieren könnte, ist das Ergebnis der Ära Couchepin.

Kommentare

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  • Christine
  • 18.06.09 | 04:51 Uhr

Selten (?) finden und präsentieren die Fraktionen einen Kandidaten, der wie Chr. Blocher von seiner Partei als fähigster Kandidat erkannt und ernannt wird.

Die meisten Kandidaten sind Gelegenheitskandidaten, bei denen sich das Geplänkel des Parlaments um Herkunftskanton, Verdientheit und Komptabilität mit dem restlichen Bundesrat dreht.

  • Christine
  • 18.06.09 | 04:37 Uhr

Mir geht es ganz ähnlich, Chateau: Ich lebe, also rege ich mich noch auf. ;-)
Schönen Tag.

  • chateau
  • 17.06.09 | 15:32 Uhr

Bundesratswahlen. Machen wir uns nichts vor. Eines kann garantiert werden. Der Tüchtigste wird NICHT gewählt. Irgendwo in den Wandelgängen des Bundeshauses oder während der Happy Hour im Sc hweizerhof oder in einem hinteren Säli des Löwen in Pfultigen werden die Ausmacher jene politische Null finden, die einen gummiartigen Spine hat und heute auf das pfeift, was sie gestern als unverständliches Politgebrabbel geäussert hat.
Aber eines scheint mir sicher. Es wird keinen FDP Bundesrat geben, sondern eine(n) von der CVP.
Mit wem denn ausser der SVP könnte die FDP koalieren? Aber der Pelli ist scheinbar so genervt von den SVP Leuten (nicht Positionen), dass er da keinen Buckel machen kann. Ob die BDP, jene Partei, die fast garantiert nur einmal eine lügenhafte Bundesrätin stellte, wirklich das Zünglein sein kann, glaube ich nicht. Die FDP kann ihr alles versprechen und braucht nur noch zuzusehen, wie 2010 WS im Dunkel des Bundeshauses verschwinden wird.
Aber vielleicht kommt alles anders. Die Zukunft ist schwierig vorauszusagen.

  • chateau
  • 17.06.09 | 15:22 Uhr

Christine. Ich schätze Ihren Humor. Bleiben Sie weiter so gelassen. Ich rege mich täglich auf über das was in der Schweiz und in der Welt geschieht. Eigentlich könnte es mir wurst sein. Aber ich rege mich immer noch auf.
Ich rege mich auf, also lebe ich noch.
Gruss

  • lucena
  • 17.06.09 | 10:16 Uhr

Christine, die frage richtete sich nicht nach der moral, sondern nach den zentralen grundsätzen der aussenpolitik.

gemäss diesen grundsätzen sind diktatoren nicht zu hofieren.

wenn ich die ränkespiele im parlament betrachte, verzichte ich auf moralische ansprüche.

  • Christine
  • 17.06.09 | 07:10 Uhr

"d.h., bundesräte dürfen nach ihrem gusto diktatoren hofieren, welche ihr volk unterdrücken?"

Wie die Realität beweist, Lucena, handelt es sich bei dieser moralischen Darf-Frage um eine episodisch-überflüssige, rhetorische Frage: Kein Bundesrat fragt beim Diktator-Hofieren nach dem Dürfen.

Allenfalls wird solches unter dem Begriff "Stil" abgehandelt. Das höchste der moralischen Gefühle in der Politik ist die "political correctness". Und auch dies läuft unter "Stil" und nicht "moralischem Dürfen".

  • Christine
  • 16.06.09 | 19:47 Uhr

Hier sieht man's wieder, wie Autonomous ganz richtig bemängelte: Das Forum ist ein Chabis. Man kann sich nur eingereiht äussern.

Sonst hätte ich nämlich einen separaten Bohnen-Thread aufgemacht.

  • chateau
  • 16.06.09 | 19:39 Uhr

Benno Ohnsorg, Jo Lang und die 68er "Revolution". Jetzt haben wir es.
JoLang spricht von "Grundwerten der 68er Bewegung"! Man muss schon ein extremer Selbstbetrüger sein, wenn man jetzt noch von Grundwerten der 68er redet.
"Wäre frühzeitig herausgekommen, wer Kurras war, hätte das die 68er Bewegung besser gemacht." Das darf er in der freien SChweiz 2009 in der WW schreiben!
Wer heute so tut, als hätte man nichts vom permanenten Spionieren der DDR gewusst ist ein bewusster Fälscher. Ich frage mich WER die Wähler von JoLang sind. Er ist autoritärer mit seiner Meinung als die Autoritäten, die von seinesgleichen 68 "bekämpft" wurden.
Er und seinesgleichen haben es versäumt, rechtzeitig jene Berichterstatter aus dem Sowjetreich zu lesen, die 20 Jahre vor 68 von den Vorgängen im Hotel Lux und von den Säuberungen, den Schauprozessen vor dem II Weltkrieg berichtet haben.
Wer erst 68 "revolutionär" war, war Schweizer(immer 10 Jahre zu spät)oder hat ganz einfach als politisch interessierter geschlafen.

  • Christine
  • 16.06.09 | 19:32 Uhr

Chateau, Du leidest ja an der bösen Krankheit Schadenfreude?!

Ich weiss, da schluckt man schon mal eine Kröte, wenn sie einen überfällt.

Falls President Obama tatsächlich ein Minarett in die Höhe ziehen sollte, stünde ihm seine Frau Michelle in nichts nach: Sie zöge Bio-Bohnen an ihm hoch. Und vor dem Präsidentenpalast entstünde ein Bamis Biomarkt, und alle kämen, ihn zu bestaunen, und sie wären begeistert, und überall auf der ganzen Welt schössen friedlich Minarette in die Höhe, und alle zögen Bohnen an ihnen hoch, und so ginge die Kunde der friedlichen Minarett-Bohne in die Geschichte ein, und jedes Kind lernte fortan die Geschichte der Minarett-Bohne und wie sie die Blaue Bohne von der Erde vertrieb und damit Frieden brachte. And they lived happiliy ever after. Amen.

Was git's zum Z'nacht? ;-)

  • chateau
  • 16.06.09 | 19:24 Uhr

lucena: Zur Klärung: Die CR Reise war ultranaiv. So wie das meistens ist Schweizer Minister reisen. Die Naiven vom Bärengraben haben generell nichts das hinterfotzige Getue wie die professionellen Lügenpolitiker anderer Nationen.
Frau CR und anderen schmeichelt es ungemein, wenn sie bei den "Grossen" mitspielen können und ihr Konterfei durch die Weltpresse geht.
Dass sie als Politikerin im Weltmassstab geradezu lächerlich gemacht wird, indem sie, trotz Kniefall vor muslimischen Gegebenheiten, nicht einmal damit reüssiert, zwei Schweizern die Rückfahrt aus Tripolis (Gefangene von Gaddaffis Gnaden) zu ermöglichen.
Ich habe mich schon gewaltig aufgeregt, wie sich die Schweiz durch den Mufti von Kairo, diesen fetten vollgefressenen verlogenen Mubarak abfertigen liess. Diese ca. 50 Schweizer(innen), denen mit Fleischermessern die Hälse durchgeschnitten wurden, waren Opfer eines ersten muslimischen Terorranschlags auf Zivilpersonen.Aussenpolitisch wurde das einfach begraben und vergessen. Mubarak entledigte sich der Sache, indem einige Repliken aegyptischer Altertumskunst von der UBS ausgestellt werden durften. Ich will das nicht CR unterschieben. Es ist ein Regelvorkommen der Schweizer Aussenpolitik. Nichts tun für Schweizer im Ausland.

  • Christine
  • 16.06.09 | 19:15 Uhr

Zwischenruf ein:
Lasst die blöden Goofen (ist nur ein Momenteindruck, blöd sind die Eltern, aber es ärgert mich auf eine hilflose Art) nicht mit Haustieren allein!:

http://nachrichten.t-online.de/c/19/08/98/86/19089886.html

Sie haben n i c h t s in unbeaufsichtigten Kinderhänden zu suchen, sie sind k e i n e Spielzeuge. Dann wäre auch das nicht passiert mit dem Meerschweinchen, dem das Kind beide Augen auskratzte. Das Tierchen lebt nun augenlos bei meinem Tierarzt.
Zwischenruf aus.

  • lucena
  • 16.06.09 | 16:27 Uhr

@gutemine, ich will dir ja nicht ständig widersprechen.
wenn du der meinung bist, dass es klug war, nach Teheran zu reisen, soll dies dein standpunk bleiben.

  • chateau
  • 16.06.09 | 16:18 Uhr

Irgendwie gefällt es mir wie die CR hier in einen Fettnapf tritt. Und wenn es nur die Israelis ärgert. Dann freut es mich. Ihr Grinsen ist einige Stufen zu freundlich, aber dieses Grinsen hat doch eine vernehmliche Reaktion bei dem "Weltdirigenten " Israel hervorgerufen.
Auch das unnötige und zu freundliche Grinsen unseres Merzchens hat mich gefreut. Die Reaktion aus dem Apartheidstaat Israel kam ja prompt daher.
Man muss sich fragen wann endlich haben die Besserwisser in Israel einmal den Mut, zu ihren eigenen Fehlern zu stehen?
Die politischen und argumentativen Ränke die sie derzeit wieder schmieden heissen nur eines, ein Grossisrael ohne diese palestinensischen Untermenschen, denen man keine völkerrechtlichen Bedingungen einräumen will. Man stiehlt ihnen die Lebensgrundlage, das Land und vertreibt sie. Um den Auszug zu beschleunigen baut man Mauern, zwei bis drei Mal so hoch wie die Berliner Mauer und man "besiedelt" fremdes Land um Fakten zu schaffen.
Wo ist der amerikanische Präsident der, wie Reagan, vor der Mauer stehend sagt. "Tear down this wall Mr. President!".
Herr Obama wird wohl eher in nicht allzu ferner Zukunft seine muslimischen Wurzeln hervorkramen und vor dem Präsidentenpalast in Washington ein Minarett bauen wollen.

  • lucena
  • 16.06.09 | 16:07 Uhr

@schlemihl

welches bild vom iran habe ich denn vermittelt?

  • gutemine
  • 16.06.09 | 15:48 Uhr

Fortsetzung:

Ich bin keine naive Friedensaktivistin. Hinter jedem Frieden steckt ein gewisses Gleichgewicht des Schreckens. Der Grundsatz "si vis pacem para bellum" hat seine Berechtigung im vernünftigem Rahmen. Wenn ich in jedem Diktator Hitler sehe (wie dies die USA mit den Herrschern der "Achse des Bösen" lange getan hat), ist dieser vernünftige Rahmen nicht mehr gewährleistet.

  • Schlemihl
  • 16.06.09 | 15:47 Uhr

@lucena:

Du zeigst beispielhaft, wie wenig Ahnung der Westen vom Iran. Das betrifft auch zahlreiche Journalisten, die täglich über den Iran berichten. Es wird ein völlig falsches Bild vermittelt!

  • gutemine
  • 16.06.09 | 15:47 Uhr

@Lucena

Aus dem von Dir geposteten Wiki-Artikel:

"Das offensichtliche Scheitern der Appeasement-Politik 1938 dient immer wieder in unterschiedlichsten Ausgangspositionen als Begründung, wenn es darum geht, ein schärferes Vorgehen gegen einen "Feind" zu fordern, oder einen Präventivkrieg zu rechtfertigen.

In der Bundesrepublik der 1970er und 1980er Jahre verglichen konservative Kommentatoren damit die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition und später das Verhalten der Friedensbewegung gegenüber der Sowjetunion. In der DDR hingegen diente sie als Vorwurf gegenüber westlichen Politikern, Nazis und Neonazis zu sehr entgegenzukommen."

Ein gefährliches Argument, das von Dir angeführte, welches erwiesenermassen nicht zu einer friedlicheren Welt führen kann. Und je nachdem, auf welcher Seite Du stehst, findest Du die Rechtfertigung dafür, den Gegner niederzumachen, da er ja böse ist wie Hitler.

Ahmadinedschad ist aber nicht Hitler. Die Geschichte wiederholt sich nicht ständig. Das Haften Bleiben in den ewig gleichen Schablonen halte ich für einen höchst unproduktiven und phantasielosen Umgang mit der Geschichte. Ausserdem ist es ein sehr kleiner Ausschnitt aus unserer schon fast 3000-jährigen Geschichtsschreibung (die ja keine nackten Fakten liefert über das wirklich objektiv Gewesene, sondern immer schon eine Reflektion, Interpretation und Bewertung des Geschehenen mit beinhaltet), der für das Scheitern von Appeasement-Politik in Anspruch genommen wird.

  • lucena
  • 16.06.09 | 14:00 Uhr

belassen wir es bei den fakten (und ja - aha - und bomben da - ...):

du wärst ohne kopftuch zum diktator gereist,
die geschichte lehrt, mit diktatoren ist nicht zu verhandeln:

http://de.wikipedia.org/wiki/Appeasement-Politik

  • gutemine
  • 16.06.09 | 13:01 Uhr

"calmy gehört mit couchepin und schmid, daher ebenfalls zu den besten bunderäten der letzten jahrzehnte:

die aussenpolitik liegt, wie die armee, auf dem niveau der sozialwerke."

Da bin ich ja gespannt, wer in diesem äusserst differenzierten Polit-Rating als nächstes auf die Athema-Liste unserer Päpstin Lucena kommt. Wahrscheinlich bleibt als einzig fähiger Bundesrat (die ja in der Regel so dumb sind wie die Politikwissenschaftler) noch der Abgewählte übrig.

Und ja, der Iran gehört selbstverständlich zur Achse des Bösen. Da reist man nicht hin, sondern schickt höchstens ein paar Bomben.

  • Jeanna
  • 16.06.09 | 12:02 Uhr

Gestern aus wie immer spezifisch berufenem Munde - "wissend" was ihm auf die Stirn geschrieben ist - Schwaller abqualifizieren und Darbellay auf "den Schild heben".

Heute doziert dieselbe Logorrhöikerin über die Geschehnisse im Iran.

Absolut Nausea erzeugend für jemanden wie mich, die sich glaub' ich Irankennerin nennen darf, persönlich etwelche Leute vor Ort kennt, auch Frauenrechtlerinnen. Und das enorme basisdemokratische Potenzial. Und hier seit Jahren, ein halbes Buch füllend, sich engagiert hat ein sowohl politisch, bildungsmässig wie auch kulturell anderes, realistischeres Iranbild und (!!!) IranerInnenbild (Iran ist z.B. nicht Saudiarabien !) zu vermitteln, als das, welches jeder Hinz und jede Kunzin medial vorgesetzt - und sich damit begnügte (!) - bekommen hat und "bestenfalls" sowie noch und nöcher überall bloss Kopftücher und ""Totenhüllen"" - göll ! - "wahrgenommen" hat.
Was wurde ich dafür alles kritisiert und tituliert. Aber das ist mir egal, egaler geht gar nicht !

Ich bin absolut betroffen, traurig und bestürzt über das was nun geschieht. Zumal mit Moussavi die Theokratie nicht gefallen wäre. Auch nicht die Religion, die nun mal islamisch ist. Der Iran nicht als bloss weitere Marionette westlicher globalsttrategischer Interessen installiert worden wäre.

  • lucena
  • 16.06.09 | 11:54 Uhr

es war bereits vor der reise nach teheran bekannt, dass das iranische volk brutal unterdrückt wird (das aha können wir uns sparen)

die empfehlung an calmy war daher nicht, ohne kopftuch, breitem fotogrinsen und unendlicher naivität zum diktator nach teheran zu reisen, sondern den diktator überhaupt nicht zu besuchen.

nach dem machtwechsel in teheran, der früher oder später eintritt, wird sich calmy nicht mehr in teheran sehen lassen dürfen.

calmy gehört mit couchepin und schmid, daher ebenfalls zu den besten bunderäten der letzten jahrzehnte:

die aussenpolitik liegt, wie die armee, auf dem niveau der sozialwerke.

  • gutemine
  • 16.06.09 | 11:26 Uhr

Aha, das von seinem Diktator unterdrückte Volk soll von MCR zur Mässigung aufgerufen werden. Das indem sie kein Kopftuch trägt. Klingt alles sehr logisch. Zum Glück hat sich das iranische Volk (das eben nicht identisch ist mit dem es unterdrückenden Diktator) nicht zur Mässigung aufrufen lassen, sondern revoltiert gegen ein reaktionäres System, wie es unter Ahmadinedschad herrscht.

Persönlich hätte ich MCR auch dazu ermuntert, ohne Kopftuch nach Teheran zu reisen. Sie hat tatsächlich die Wirkung der Bilder unterschätzt.

  • lucena
  • 16.06.09 | 09:33 Uhr

dann hat Neutralität mit Demokratie nichts zu tun?

d.h., bundesräte dürfen nach ihrem gusto diktatoren hofieren, welche ihr volk unterdrücken?

  • Christine
  • 16.06.09 | 09:08 Uhr

Es geht um Demokratie, Lucena. Nicht Neutralität.

  • lucena
  • 16.06.09 | 08:29 Uhr

richtig, Christine, wir tragen alles mit fassung:

http://www.rhetorik.ch/Aktuell/08/03_22/index.html

per se würde ich meinen, dass es Calmy versäumt hat, dem iranischen volk unsere aktive neutralitätspolitik zu erklären und dieses zur mässigung aufzurufen.

  • Christine
  • 16.06.09 | 06:48 Uhr

"Die Polizei habe die Erlaubnis bekommen, mit scharfer Munition gegen die Demonstranten (in Iran) vorzugehen". Demonstration gegen eine Wahl, vordergründig, hintergründig eine Demonstranten gegen Unterdrückung. Das Volk scheint den mit der Revolution verbundenen gesellschaftlichen Rückschritt von der Moderne ins Mittelalter nicht einfach so per se verkraftet zu haben. Der kollektive Aufschrei sei nicht organisiert, die Menschen drängten mit aller Kraft danach, sich frei äussern zu dürfen. Sie dürfen nicht, wie man sieht, sie werden zensiert und bekämpft. Kann das ungestraft an über einer Million Menschen verübt werden? Dem iranischen Volk ist zu wünschen, dass daraus kein Bürgerkrieg entsteht.

Egal wie hierzulande der neue Bundesrat heissen wird, in uns schwelt kein Jahrzehnte lang unterdrückter Unmut, der sich bei einer nicht genehmen Wahl äussern müsste. Wir werden es mit Fassung zu tragen wissen: Als Ergebnis einer Jahrhunderte lang gelebten Demokratie.

  • Christine
  • 15.06.09 | 13:15 Uhr

Das Unfassbare tritt ein: U. Schwaller sei Kronfavorit der CVP und Anwärter für den Bundesratssitz.

Nach Frau Leuthard wiederum jemand, dem auf die Stirn geschrieben steht: Ich will ein Aemtli und ich tue alles dafür.

Wenn die CVP gewählt werden soll, und wenn zwei von der CVP sich zur Verfügung stellen: Dann bitte Darbellay und nicht Schwaller.

  • lucena
  • 15.06.09 | 12:01 Uhr

richtig, anstelle einer begründung kann man auch gedichte aufsagen.

  • gutemine
  • 15.06.09 | 11:49 Uhr

Sie unterscheiden sich von liberalmind nur in Nuancen, Lucena. Er sieht im Drittel des Volks Vollidioten, Sie in den Politikwissenschaftlern. Klar, unser universitäres System ist schon dermassen von Alt-68ern korrumpiert und STASI-gesteuert, dass frau sich nicht wundern muss, wenn die Fachleute nur noch Stuss absondern.

Es lebe die Links-Paranoia.

  • lucena
  • 15.06.09 | 11:04 Uhr

... und wenn sie alles GROSSSCHREIBEN, nicht vergessen, anzugeben, wogegen sie protestieren.

sie können als default jedoch deklarieren, dass stets der drittel der bevölkerung schuld ist, der gemäss liberalmind ohnehin aus vollidioten besteht. diese begründung dürfte nicht schlechter sein, als alles andere, was politikwissenschaftler hier und andernorts von sich geben.

  • gutemine
  • 15.06.09 | 10:16 Uhr

Schau, schau, eine anti 68er law and order Verfechterin macht sich für Unruhestifter stark. Man höre und staune!

Gigalomanen (oder Gigolomanen?) bringen immer etwas in Bewegung. Ob sie für den Bundesrat die richtigen Leute sind, ist eine andere Frage.

Ihre konsequente Kleinschreibung ist übrigens sehr sexy, Lucena. Ist dies der neuste stilistische Trend, oder habe ich da etwas verpasst? Vielleicht sollte ich auch umstellen, oder ev. aus Protest alles GROSSSCHREIBEN.

  • lucena
  • 15.06.09 | 09:41 Uhr

wenn in der politik alles läuft, wie geschmiert, sind unruhestifter natürlich das schlimmste, was es geben kann - geradezu gigaloman.

da kann man natürlich leicht die wesentlichen unterschiede übersehen, wie der simple anspruch auf einen sitz aufgrund des wähleranteils.

  • gutemine
  • 15.06.09 | 09:28 Uhr

Christine: "Zwischen den strategischen Winkelzügen und Tricklis der normalen Politik und den intriganten Spielchen zur Absetzung Ch. Blochers sehe ich allerdings einen Unterschied."

Ich nicht:

"Vor gut fünf Jahren putschte die SVP, mit freundlicher Unterstützung der FDP, Christoph Blocher in den Bundesrat. Parteiintern lief das Manöver gegen die CVP unter dem Namen “Operation Hannibal”. Vier Jahre später schlägt die CVP, mit freundlicher Unterstützung der Linken, zurück. Der Geheimplan zur Abwahl von Blocher hiess Scipio, also der Name des römischen Feldherrn, der Hannibal wieder nach Hause schickte."

EWS hat im Gegensatz zum egomanen Unruhestifter Blocher sowohl persönlich als auch fachlich das Format zur Bundesrätin. Daher war ihre Wahl ein politisch opportuner Schachzug, zumal dadurch auch die zu faschistoiden Formen neigende Megalomanie der Zürcher SVP gebrochen wurde.

  • Christine
  • 14.06.09 | 20:54 Uhr

Das ist ja in der katholischen Kirche genau gleich wie im Bundesrat, Schlemihl: Sagt der Mann zur Frau: "Hinweg mit Dir, Weib!", dann sind die beiden ein getrenntes Paar. Nur für die Kirche und die Gläubigen nicht.

.. ja..., verhebed nöd ganz ;-)

  • Jeanna
  • 14.06.09 | 20:37 Uhr

Korr: NPD Hessen. Sorry

  • Jeanna
  • 14.06.09 | 20:34 Uhr

@Schlemihl
"""Es ist ein Fakt, dass sich Leute mit rechtsextremen Gedankengut von der SVP angezogen fühlen!"""

So ist es. Und das keine Zufälle gibt, ist 's auch kein Zufall, dass die SVP-Plakate von der NDP Hessen sowie von weiteren rechtsradikalen Gruppierungen in halb Europa 1:1 übernommen wurden.

Das Geschlüer sodann pilgerte mit Anhang des Mehrfachen zwecks ""Austausch und gegenseitiger Befruchtung"" (O-Ton) zu rechtsradikalen Gruppierungen in Deutschland.

Als Toni Brunner Ende 07 / Anf. 08 eine SVP-Sektion im Bündnerland gründete - von der man seither allerdings keinen Mucks mehr hörte - eilte als einer der Gratulanten kein Geringerer als der berühmt-berüchtigte Haider-Intimus Strache herbei.

Alles keine Zufälle, wie gesagt.

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 20:12 Uhr

@lucena:

1. Deine Behauptung, dass der grösste Zufluss von der FDP kam, ist erwiesenermassen falsch!

Die SVP hat von 1991 bis 2007 um 17% zugelegt. Die FDP hat aber in der gleichen Zeitspanne nur 5% verloren.

Zudem hat Rot-Grün in dieser Zeitspanne auch 3% zugelegt. Wählerbefragungen haben gezeigt, dass die FDP auch leicht an Rot-Grün verloren hat.

Der Zufluss von der FDP zur SVP war also weniger als 5%!

Der mit Abstand grösste Zufluss kam von Rechtsaussenparteien, die 11% verloren haben!!!


2. Das Problem ist ja gerade das die SVP extreme Positionen aufgenommen hat. Bsp. Minarett-Initiatve

Es ist ein Fakt, dass sich Leute mit rechtsextremen Gedankengut von der SVP angezogen fühlen!

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 20:03 Uhr

@Christine:

Eine klare Mehrheit der Schweizer Bevölkerung und eine klare Mehrheit des Parlaments will, dass Frau Widmer-Schlumpf im Bundesrat bleibt.

Sie leistet ausgezeichnete Arbeit!

Sie wurde als SVP-Mitglied gewählt. Wenn die SVP gewählte Bundesräte aus der Partei ausschliesst, ist das das Problem der SVP!

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 19:58 Uhr

@Christine:

Ich nehme an, wenn du dir etwas kaufst, suchst du dir auch dasjenige Modell oder denjenigen Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis aus.

Bei den KK ist es in der Grundversicherung ja noch viel einfacher. Die Leistung ist bei allen dieselbe.

Doch es sind letztendlich die Patienten und Stimmbürger, die in erster Linie verantwortlich sind für die Kostenexplosion. Sie wollen immer mehr Leistungen und wehren sich gegen Spitalschliessungen und andere Einsparungsmassnahmen. Und wenn dann die Prämien steigen, jammern sie!

Und noch einmal, die Verwaltungskosten der KK sind im Vergleich zu den Spitalkosten bspw. sehr sehr klein!

  • Christine
  • 14.06.09 | 19:43 Uhr

Gutemine.

Der Politik ist so wenig zu trauen wie den Menschen. Du sagst mir nichts Neues.

Zwischen den strategischen Winkelzügen und Tricklis der normalen Politik und den intriganten Spielchen zur Absetzung Ch. Blochers sehe ich allerdings einen Unterschied.

  • Christine
  • 14.06.09 | 19:37 Uhr

Lucena.

Die BDP hat keinen Anspruch auf einen Bundesratssitz. BR E. Widmer-Schlumpf soll ihren BR-Sitz noch bis 2011 innehaben, danach jedoch ohne wenn und aber abtreten.

  • Christine
  • 14.06.09 | 19:09 Uhr

"Du kommst immer mit den administrativen Kosten".
Es stört mich halt, Schlemihl, dass in meine Zwangsprämie alles eingepackt wird, darunter auch die Schmarotzer-Infrastruktur Krankenkasse. Vielleicht ginge es auch ohne KK? (Es stört mich z.B. auch, dass bei Spenden ein Grossteil (20%?) bei den Verwaltern und Eintreibern der Spendengelder hängen bleibt).

Dass wir gefälligst die KK-Materie zu beherrschen hätten, kann nur ein KK-Fan verlangen: Versicherungen sind so kompliziert ausgetüftelt, damit Spezialisten herangezogen werden können, ohne die die Materie vom Normalbürger nicht beherrscht werden kann. Es ist stossend, dass ich im Obligatorium fakultativ "Freiheiten" geniessen soll, die mir unter dem Strich nichts als Arbeit und Bauchschmerzen bereiten: Pseudofreiheit des KK-Wechsels, oder die Suche nach dem richtigen Baum im Dschungel.

Du sagst, es seien die Bürger, welche die Kosten verursachen. Das stimmt natürlich so nicht: Es sind genau so die Verwaltungen, die Spitäler, die Infrastruktur, und natürlich auch die Patienten mit ihren unnötigen Vorsorgeuntersuchungen und Konsultationen. Eigentlich bleibt nur, Verwaltungen (KK) und Spitäler (dagegen habe ich mich zwar mit meiner Unterschrift einmal gewehrt) zu schliessen auf das Minimum, sodass die Versorgung gewährleistet bleibt.

PS: Selbstverantwortung? Vielleicht müsste man zurück zu 1996 und das Obligatorium abschaffen?

  • lucena
  • 14.06.09 | 17:35 Uhr

1. die einbindung extremer parteien in demokratische parteien, links oder rechts ist immer sinnvoll. wir wollen keine extremen parteien.

2. extreme ansichten werden in einer demokratischen partei neutralisiert.
militante extremisten in relevanter anzahl haben nur bei den grünen überlebt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,509868,00.html

3. das urteil ob die politik einer partei rechts oder links ist, ist nicht anhand der zuwanderung, sondern anhand der politik zu bestimmen.

4. die zahlen sind zudem nicht belegt, es ist davon auszugehen, dass der grösste zufluss aus der FDP kam.

für polemik ist dies jedoch alleweil gut.

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 15:58 Uhr

@chateau
@liberalmind

Seit 1991 sind wesentlich mehr Wähler von Rechtsaussenparteien zur SVP gewandert als von FDP und CVP!

1991 hatte die SVP einen Wähleranteil von ca. 12%, die Rechtsaussenparteien (ohne EDU) zusammen auch etwa 12%.

2007 hatte die SVP knapp 29%, die Rechtsaussenparteien (ohne EDU) nur noch gut 1%.

Es sind also in diesen 16 Jahren fast 11% Wähleranteil von Rechtsaussenparteien zur SVP gewandert. Heute ist die SVP die Rechtsaussenpartei!

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 15:44 Uhr

@chateau:

Du beweist einmal mehr, dass du keine Ahnung von der Schweizer Politik hast:

1. Hugo Fasel (CSP) war Mitglied der grünen Fraktion und hat sich 2008 aus der Politik zurückgezogen. Die CVP würde ihn sicherlich niemals vorschlagen.

2. Wer die Grünliberalen als rote Partei bezeichnet, hat definitiv keine Ahnung. Die Grünliberalen betreiben eine wesentlich liberalere und wirtschaftsfreudlichere Politik als die SVP! Schau dir erst mal an wie die Grünliberalen im Parlament abstimmen, bevor du solchen Unsinn verbreitest!

  • Schlemihl
  • 14.06.09 | 15:32 Uhr

@Christine:

Du kommst immer mit den administrativen Kosten (z.B. Lohnkosten der KK). Diese sind nun wirklich nicht das Problem! Sie machen nur einen sehr kleinen Teil des Kuchens aus! Wer soll den diese Kosten sonst übernehmen, die Steuerzahlen anstatt die Prämienzahler?

Die armen Bürger werden also "verwirrt". Und jetzt sollen sie auch noch die "KK-Materie beherrschen", was für eine Frechheit!

Liebe Christine, die Bürger haben gefälligst die KK-Materie zu beherrschen! Sie sind es schliesslich, die diese enormen Kosten verursachen. Von mündigen Bürgern, die wählen und abstimmen dürfen, darf man auch ein gewisses GRUNDWISSEN und eine gewisse SELBSTVERANTWORTUNG erwarten!!!

  • Jeanna
  • 14.06.09 | 13:37 Uhr

Tja, bestemine ... Hauptsache, den traditionell und selbstattestiert - sagen wir mal - untrüglich Gschpüüürigen geht der Schtoff nicht aus für ihre unvermeidlichen Analühsen und daraus blubbernden, vor sich hin philodoofierenden, ultimativen Befunde ... denn und immerdar: Hauptsache aller Hauptsachen "Hauptsache, die Zeit vergeht" ... wo käme man sonst hin.

Und Gruss und wech ! ... denn auch mich ruft nicht selten lockend der Guckkasten, der ja zwar noch nie einer war :-)

J.

  • gutemine
  • 14.06.09 | 12:41 Uhr

"Zu wünschen wäre zudem, dass bei der Wahl diesmal von intriganten Spielchen abgesehen wird."

Meint die Unschuld vom Lande. Intrigen gehören seit eh und je zur Politik, Christinchen. Lektüreempfehlung:

http://www.amazon.de/Die-Intrige-Theorie-Praxis-Hinterlist/dp/3446207317

Und hier die schönste, beste und für unser Land heilsamste Intrige der letzten Jahren:

http://www.youtube.com/watch?v=Wvb3xRnPAlw

Schöner Sonntag!

Gutemine

  • liberalmind
  • 14.06.09 | 12:38 Uhr

"Die blochersche SVP hält Couchepin im Kern für faschistoid" (NZZaSo)

Genau das sage ich und die Mehrheit der Schweizer auch schon seit über zehn Jahren! Couchepin wird dem Land fehlen. Wer Klartext redet kann hierzulande nie populär sein. Der Bundesrat steht nun führungslos da, vorallem auch geisitg und ist noch ein Trüppchen von ängstlichen Verwaltern und Taktierern.

Mit seinen Aussagen hat Couchepin nicht nur provozieren wollen sondern eben meist den Kern der Wahrheit getroffen. Schweizer ertragen schlicht die Wahrheit nicht sondern meinen tatsächlich sie seien besser als der Rest der Welt.

Solange rechts der SVP keine politische Kraft mehr entstehen kann und sich diese Partei bewusst nicht nach rechts abgrenzt und sich der Politpolemik der Faschisten bedient, dann hat Couchepin absolut recht mit seiner Aussage!

Es gibt kein europäisches Land, wo eine so rechte Partei wie die SVP sich als regierungsfähig glaubt und tatsächlich in der Regierung vertreten ist. In jedem dieser Länder gibt es rechts und links der Regierungsparteien extremere Parteien. Nur in der Schweiz nicht!

  • lucena
  • 14.06.09 | 09:24 Uhr

@liberalmind

"einen Drittel Vollidioten hat jede Gesellschaft"

zu welchem drittel gehört derjenige, der solches schreibt?

  • lucena
  • 14.06.09 | 08:29 Uhr

@christine

"Zu wünschen wäre zudem, dass bei der Wahl diesmal von intriganten Spielchen abgesehen wird."

Grunder-BDP wählt die CVP, weil die SVP keinen Kandidaten stellt und wohl die FDP unterstützt, wie dies die BDP ebenfalls beabsichtigt hatte (NZZaS).

Grunder, einer der Totengräber der Konkordanz, befürchtet, dass die BDP 2011 ihren Sitz im BR verlieren könnte.

Man wartet darauf, dass Grunder auch noch die Stilfrage bewirtschaftet und behauptet, Frau Widmer dürfe 2011 deshalb nicht abgewählt werden.

  • Christine
  • 14.06.09 | 07:13 Uhr

Hugo Fasel? Den christlichen Parlamentarier, der so schamlos sich der Abwahl Ch. Blochers erfreute, indem er mit erhobenen Armen im Parlament ein Tänzchen hinlegte? Nein, an diesem hätte ich gar keine Freude.

Ch. Darbellay wäre sicher um einiges besser geeignet, zeigt er doch manchmal die Fähigkeit zu einer erstaunlich klaren Sprache. Leider hat er sich im Fahrwasser dieser unangenehmen Person U. Wyss in die Tiefe ziehen lassen, was ich ihm nicht so schnell vergebe. Jedenfalls muss er sich mir mindestens noch einmal beweisen, bevor ich ihn als Bundesrat anerkennen würde. Doch hat er nicht bereits abgewunken?

Anyway, ich freue mich schon auf die Hearings, dieses wichtigste, unverzichtbarste Instrument für die Parlamentarier, einen Kandidaten auf alle Fähigkeiten hin zu evaluieren. So, wie das ja auch unumgänglich war bei BR E. Widmer-Schlumpf. ;-)

Gruss

  • chateau
  • 14.06.09 | 00:11 Uhr

Christine, ich wünschte Sie hätten recht. Aber hier geht es um Macht, um grosse und kleinliche Egoismen, um Rache für Vergangenes, ein Powergame schweizerischen Stils. Bei der CVP sei die Frage Schwaller oder Darbellay. Wen wollen sie denn noch aus dem Hut zaubern? Etwa den Fasel, diese lächerliche aber gefährliche Figur?
Das alles ist lediglich Begleiterscheinung für den fortgesetzten Niedergang der Schweizer Politik.
Gruss.

  • Christine
  • 13.06.09 | 21:00 Uhr

"Die Kandidatur der CVP". Herr Schwaller, hoffe ich, wird das nicht sein, Chauteau. Er ist schnell persönlich betupft, steht also nicht über der Sache, und wirkt öfters verdattert. So empfinde wenigstens ich ihn.

Zu wünschen wäre zudem, dass bei der Wahl diesmal von intriganten Spielchen abgesehen wird.

  • liberalmind
  • 13.06.09 | 18:45 Uhr

...die FDP und die CVP haben viele Wähler der SVP geschenkt... genau chateau, so hirnlose, rassistische Vollidioten wie sie! Die SVP ist ein guter Gradmesser der grassierenden Volksverdummung. Einen Drittel Vollidioten hat jede Gesellschaft, die nichts anderes begreifen als simple Polemik, klare Sündenbockzuweisung und viel heisse Luft aber unfähig sind für Realpolitik und Lösungen!

  • chateau
  • 13.06.09 | 15:23 Uhr

Das einzig interessante am Rücktritt von Couchepin ist die angekündigte Kandidatur der CVP, die gut gelingen könnte mit der Unterstützung ihrer linken Freundinnen und Freunde.
Ich wette darauf. Das war's
mit zwei FDP-Bundesräten. Sowohl FDP, als auch SP sind in einem langsamen aber deutlichen Abserbeln ihrer Wählerbasis.
Die SP ist heimlich oder auch klammheimlich erfreut über neue Linksparteien, die sie hofft in ihr Boot zu ziehen.
Die Parteien Grün, Grünliberal sind ganz einfach rote Parteien mit anderem Namen, die aber nur BR unterstützen werden, die den Sozialstaat hoch leben lassen.
Die FDP war und ist weiter - unter Pelli - zu dumm Koalitionen mit der SVP zu schmieden. Zusammen mit ein paar Erzkonservativen der CVP könnte es sonst für vieles "langen".
Sicher haben mehr CVP-Parlamentarier zur Abwahl Blochers beigetragen als FDPler. Aber beide Wischiwaschi-Parteien haben grosse Wählerschichten der SVP "geschenkt".

  • Christine
  • 13.06.09 | 11:15 Uhr

Ja, so meine ich das, Constanze :-)

Schönen, sonnigen Tag.

  • constanze
  • 13.06.09 | 09:23 Uhr

@Christine

"dem Prämienzahler aufgeladen wird, nebst dem Zwangszahlen auch noch dem für ihn günstigsten hinterher zu rennen, Aufwand zu betreiben, die KK-Materie zu beherrschen und im ganzen Chaos der einzige zu sein, der sich um alles kümmern muss. Weil andere, die dafür bezahlt werden, zu faul sind"


Sehr richtig! Als hätten die Leute nebst Arbeit, Familie und vielen anderen Verpflichtungen noch Zeit, sich intensiv mit der komplizierten KK-Materie zu beschäftigen, jedes Jahr die für sie günstigste Kasse zu suchen, den administrativen Aufwand des Wechsels unter Einhaltung der Kündigungsfrist zu bewältigen, usw. Das Ganze ist eine lächerliche Alibiveranstaltung, die uns vorgaukeln sollen, dass wir als Winner dastehen, wenn wir eine KK finden, bei der wir 20 Franken im Monat sparen - bis die Billigkasse im nächsten Jahr mit happigen Aufschlägen aufwartet und das Spiel von vorne beginnt. Wenn das Couchepins Vorstellung vom "freien Markt" ist, dann brauchên wir uns nicht zu wundern, dass die Prämien steigen und steigen...

Die meisten Bürger ödet dies Spiel ohnehin an, weil sie eben - Gottseidank - nicht die Westentaschengewinnler sind, die Monsieur Pascal und die Seinen gerne sähen.

Die beste Lösung wäre wahrscheinlich eine staatliche Einheitskasse mit Prämien nach Lohnprozenten oder einheitlichen Kopfprämien und Zusatzversicherungen für diejenigen, die es "Privat" haben wollen statt des Wirrwarrs an Kassen und Kässeli.

  • lucena
  • 13.06.09 | 08:36 Uhr

durchaus richtig, beim rücktritt von Couchepin, d e n bundesrat zu würdigen, der in den letzten jahren die politik tatsächlich geprägt hat.

enttäuschend ist die feststellung:

COUCHEPIN WAR WAHRSCHEINLICH DER BESTE BUNDESRAT DER LETZTE(N) JAHRZEHNTE!

die dem grossen Samuel Schmid nicht gerecht wird. da die armee und die sozialwerke bei amtsübergabe etwa auf demselben niveau sind/waren, ist festzustellen:

COUCHEPIN UND SCHMID WAREN MIT SICHERHEIT DIE BESTEN BUNDESRÄTE DER LETZTEN JAHRZEHNTE!

  • Jeanna
  • 12.06.09 | 23:41 Uhr

""keine Probleme gelöst, sondern nur angebliche Sündenböcke präsentiert.""
Du sagst es ! Und nicht nur präsentiert, sondern generiert (!) ... und dann via Auns, Schweizerzeit, Teleblocher, und last not least Weltwoche propagiert ! Und wenn sein Vollch nicht so abstimmt, wie es der einzig mögliche Retter der Alpenrepublik vorgibt, greift man schlussendlich noch zu Nazianhänger-Vergleichen wie nach der PF-Abstimmung, etceteraundsoweiter. Schlichtes und erschütterndes Fazit: Ein Demagoge im Westentaschenformat wie's im Buch steht.

Unvergessen ja halt auch, mit was für schweinischem Trickli er die Ems erworben hat und zum nachmalig "erfolgreichsten Unternehmer der Schweiz" avancierte!

Aber wer naiv genug ist, glaubt natürlich noch so gerne an solche bloss sich selbstinszenierende "Lösungen" anbietende "charismatische" Halbgötter. Nichts Neues unter der zum Sünneli "umfunktionierten" Sonne ...

  • Schlemihl
  • 12.06.09 | 22:56 Uhr

@Jeanna:

Blocher war im Gegensatz zu Couchepin ein "Sündenbock-Politiker". Er hat keine Probleme gelöst, sondern nur die angeblichen Sündenböcke präsentiert.

Couchepin ist ein Sachpolitiker, der die Probleme beim Namen genannt hat auch wenn es unangenehm war!

Zudem ist Couchepin ein offener Geist, ein wirklich Liberaler. Blocher hingegen ein konservativer Ewiggestriger!

  • Jeanna
  • 12.06.09 | 22:34 Uhr

Ja, Schlemihl. Es gab praktisch noch nie ein Politiker mit dem ich vollumfänglich bzw. in allen Belangen immer einverstanden gewesen wäre !

Sowohl Couchepin wie auch Blocher - um bei diesen zwei Exponenten zu bleiben, waren bzw. sind instinktiv ausgesprochen machtorientierte Menschen.
Der alles entscheidende Unterschied: Couchepin mutierte nicht und gebärdete sich folglich auch nicht zu einem veritablen Sektenguru !

Er wird nach seinem Rücktritt auch nicht in die Zelebrierung von schon nachgerade Unverzichtsbarkeits-Neurosen verfallen, wie sie für C.B. seit seiner Abwahl charakteristisch sind. Solche Peinlichkeiten sind mir von keinem / keiner Abgewählten oder Zurückgetretenen bekannt !

  • Schlemihl
  • 12.06.09 | 22:07 Uhr

COUCHEPIN WAR WAHRSCHEINLICH DER BESTE BUNDESRAT DER LETZTE JAHRZEHNTE!

Er hat sich nicht gescheut die Fakten auszusprechen, auch nicht bei einer möglichen Erhöhung des Rentenalters

Er hat als einer der wenigen bürgerlichen Politiker der SVP die Stange gehalten

Sachpolitik stand für ihn im Vordergrund

Er war ganz einfach erfolgreich

  • Schlemihl
  • 12.06.09 | 21:58 Uhr

@Jeanna:

Ja, "Mann von gestern" trifft perfekt auf Blocher zu...

...und sicherlich nicht auf Couchepin

  • Christine
  • 12.06.09 | 20:42 Uhr

Ich wünsche mir vom BR eine Auflistung sämtlicher Leistungen, die direkt die Prämie beeinflussen.

Wir konnten nur abstimmen, welche m e d i z i n i s c h e n Leistungen in den Grundkatalog aufgenommen werden sollen. Das ist, als ob wir uns selber metzgen sollen. Kein Wort zu sagen, resp. abzustimmen haben wir über den Miteinbezug vielfältigster Infrastrukturkosten. Was hat die gesamte Infrastruktur der KK inkl. Löhne in den Krankenkosten zu suchen? Diese Kosten werden dem Prämienzahler aufgezwungen mit dem Obligatorium. Die Möglichkeit des KK-Wechsels ist nur vordergründig ein Instrument für den Bürger, sie taugt nichts, verwirrt den Bürger, wird nicht benützt und ist in dem Sinne eine Frechheit, dass wiederum dem Prämienzahler aufgeladen wird, nebst dem Zwangszahlen auch noch dem für ihn günstigsten hinterher zu rennen, Aufwand zu betreiben, die KK-Materie zu beherrschen und im ganzen Chaos der einzige zu sein, der sich um alles kümmern muss. Weil andere, die dafür bezahlt werden, zu faul sind, sich etwas einfallen zu lassen.

So.

  • liberalmind
  • 12.06.09 | 18:32 Uhr

/2

Couchepin hat gemäss Bericht der Bundeskanzlei während seiner Amtszeit 24 Abstimmungsvorlagen gewonnen und nur 4 verloren. Eine seltene Erfolgsbilanz eines Bundesrates!

Wer genau hinschaut und fair ist, der kommt zu einer ganz anderen Einschätzung der Ära Couchepin. Die Dauerbaustellen Sozialwerke und Gesundheit werden das auch in Zukunft bleiben. Das Couchpin vorzuwerfen ist schon fast verleumderisch. Das Parlament und die Lobbyisten sowie das Volk selber hat entscheidende Reformen verhindert und nicht Couchepin. Das sind die Fakten!

  • liberalmind
  • 12.06.09 | 18:27 Uhr

Der ewige Stinkeköter Engeler hat doch sein Aufsätzchen schon vor Wochen in der Schublade gehabt. Dass eine WW selbstverständlich nicht im Stande ist, eine faire Beurteilung eines nicht SVP Bundesrates abzugeben ist wohl auch jedem klar!

Mit Couchepin geht der letzte wirkliche Staatsmann im Bundesrat. Seine Unpopularität ist praktisch nur mit seinen unschweizerischen Talenten zu begründen. Seine Gradlinigkeit, seine Direktheit und die Lust an der Debatte und der Macht sind das was einen wirklichen Politiker ausmachen! Schweizer Bünzlis legen das als Arroganz aus. Couchepin ist nicht an sich selber gescheitert, höchstens an seinen Ambitionen, die nicht mit der Kleinkariertheit und dem Retromief unserer unseligen Direkten Demokratie zusammenhängen.

Couchepin hat seit Jahren die richtigen Vorschläge zur Gesundung unserer Sozialwerke gemacht, wurde aber praktisch immer von der SVP und der SP ausgebremst. Man erinnere sich an den richtigen Vorstoss Couchepins für ein AHV Alter 67, das eine wesentliche Gesundung der AHV gebracht hätte. Die SVP war die erste, die rein opportunistisch vor den Wahlen 2007 vehement dagegen protestiert hat und ihrer Klientel versprochen hat, das AHV Alter 65 sei sakrosankt! Das gleiche Spiel bei den explodierenden Gesundheitskosten. Couchepin war gegen die Finanzierung von Naturheilmethoden durch die Grundversicherung (nebst vielen anderen Vorschlägen). Das Volk selbst hat dafür gestimmt und jammert nun über explodierende Kosten und Prämien!

  • lucena
  • 12.06.09 | 14:37 Uhr

von UPE wurde nicht berücksichtigt, dass Couchepin für leute von gestern tatsächlich der mann von morgen war.

realsatire

  • Jeanna
  • 12.06.09 | 13:02 Uhr

""Mann von gestern"" ... würde nicht der Name genannt, könnte man in somma (!) fast meinen Blocher würde porträtiert.

Danke UPE, für die schurnalistische - wenn auch unbeabsichtigte - Realsatire.

 
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