MvH

L. A. Confidential

Unser Kolumnist reist in eine seiner Lieblingsstädte. Und erinnert sich dort an einen seiner alten Lieblingsbekannten.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in Los Angeles. Nicht wegen eines Anlasses oder so, einfach so. Fast genau so fing diese Spalte bereits vor zirka einem Jahr an. (Denn ich finde, man muss einmal im Jahr nach L.A., wenn man MvH ist und a man of the world sein will wenigstens.)

Ich reiste wie immer, wenn es geht, mit Swiss. Weil ich ein Fan unserer Fluggesellschaft bin, vor allem der Business-Class (in die ich wieder upgegradet wurde). Auch diesen Satz hatte ich bereits vor einem Jahr oder so geschrieben, I know. Aber, wie ich ebenfalls immer schreibe, ich glaube an Wiederholung als Mittel zum Erreichen von Zielen (auch was Upgrades angeht). In L. A. war das Wetter bestimmt von dem sogenannten June Gloom (auch May Gray); Wolken, Nebel, leichter Regen also. Das ist nicht so gut für Leute, die Ferien machen, passt aber gut zur Stimmung, die gerade ist in der Stadt.

Kalifornien befindet sich in einer Krise; der Staat ist pleite, die Wirtschaft läuft schlecht, die Arbeitslosenrate wird mit elf Prozent angegeben (ist noch höher vermutlich). Für Touristen ist das alles nicht so schlimm, natürlich. Das heisst, im Grund ist es gar nicht schlimm, es kommt bloss ein wenig unsympathisch daher, wenn man das so sagt (aber als MvH muss man ja nicht immer sympathisch daherkommen). In den Geschäften ist Ausverkauf (z. B. bei Fred Segal, einem Warenhaus in Hollywood bzw. Santa Monica, das ich empfehle), es gibt vierzig Prozent oder sogar mehr Preisnachlass auf fast allem, trotzdem gibt es kaum Kunden (man hat die Verkäufer für sich und keine Schlange an der Kasse). Aus irgendeinem Grund gibt es aber viele Gäste in Restaurants (keep up appearances wahrscheinlich; mehr scheinen als sein, wie bei allem hier), den richtigen Restaurants auf jeden Fall. Man muss also nicht alleine essen, was ja traurig wäre.

An einem Freitag über Mittag zum Beispiel war ich in der «Polo Lounge» des «Beverly Hills Hotel», des vielleicht besten Hauses. Mittagessen sollten gesellschaftlich eine höhere Stellung haben als Abendessen, finde ich. Wer an einem Wochentag von, sagen wir, ein Uhr bis halb vier zu Tisch sitzen kann, muss wer sein. (Oder hat einen Mann, der wer ist – die «Polo Lounge» ist der Platz für ladies who lunch und ihre Salate.)

Das Restaurant war voll, ich sass neben der Präsidentin des Beverly Hills Women’s Club, nebenbei. Ich fragte, ob sie Arthur Cohn kenne. Weil er immer im «Beverly Hills Hotel» wohnt und jedem erzählt, jeder, der jemand sei in town, kenne ihn (und damit er wieder einmal vorkommt in dieser Spalte). Sie kannte ihn nicht, übrigens.

Einmal an einem Abend fuhr ich raus nach Malibu zum Dinner, wo David Geffen, ein Unternehmer, der in Musik und Film macht sowie einer der reichsten Kalifornier ist, vor drei oder so Jahren ein altes Hotel mit Namen «Carbon Beach Inn» gekauft hat und neu herrichten liess. Das Essen fand ich wirklich gut (Koch aus Europa, of course), den Preis in Ordnung (zirka 210 Dollar für zwei; Aperitif, Wein, tip, Ozeanblick inklusive) und das Interior Design des Restaurants, das zu dem Hotel gehört, very elegant (wie in der Los Angeles Times beschrieben).

Bloss waren the readhead, meine Freundin, und ich die einzigen Gäste. Das ist dann eine L.-A.-2009-Erfahrung sozusagen – wenn schon Geld ausgeben, dann dort, wo es auch wer sieht, und zwar garantiert (keep up appearances). Im «Katana», einem Japaner in Hollywood etwa (lustiges Lokal, von der Stimmung her so etwas wie «Casa Aurelio» in Zürich) oder im «Little Door», einem Franzosen/Marokkaner (doch, das geht) und dem vermutlich most romantic restaurant in diesem Teil der Stadt.

Nach fünf Tagen – man hat schliesslich nicht mehr ewig Zeit, auch chez nous liefen die Geschäfte schon besser, nicht wahr? – musste ich weiter nach El Paso (Sie lesen hier dann als Erster davon). Ich war recht neugierig, die Stadt in Texas war zu sehen in dem Film «No Country for Old Men». Und ist Shawne Fieldings hometown immerhin.

 

Kommentare

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  • mangomalika
  • 05.06.09 | 20:31 Uhr

Also ich finde MvH witzig. Ich lese seine Kolumne sehr gern und kann auch schon mal amüsiert kichern. Das ist doch reinste Ironie und nichts zum Ernstnehmen. Denke ich jedenfalls.

  • liberalmind
  • 05.06.09 | 11:14 Uhr

Beim Lesen dieses Namedropping-Bullshit des offensichtlich unter zwangsneurotischen Minderwertigkeitskomplexen leidenden Arbeiterkindes aus Bümpliz... kann einem nur, wie immer bei diesem Geschleime, kotzübel werden!

...Business Class.. in die ich wieder upgraded wurde...schon vor 1 Jahr geschrieben... I know...

...MvH... keeping up appearances... (dieses Sätzchen sagt sehr viel aus!)

Wie heisst doch der deutsche Titel der BBC Serie so treffend?

"Mehr Schein als Sein!"

Treffender kann man sich als nichtsnutziger Parvenue MvH kaum selber entlarven!

  • Rudas Schlager
  • 04.06.09 | 12:14 Uhr

Gott im Himmel, was ist denn los?

Kein ICH in der Artikelüberschrift?

 
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