Film

Heavy Metal

«Terminator Salvation» ist purer Gigantismus. Visuell betörend, inhaltlich weniger.

Von Wolfram Knorr

Böse Cyborgs im Nacken: Sam Worthington als Terminator Marcus Wright. Bild: Sony Pictures

Die Monumentalkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts war patriotische Optimierungssucht: immer höher, immer riesiger, immer mächtiger. Hollywood unterliegt einem ähnlichen Zwang. Die Helden müssen immer kolossaler, gigantischer, stählerner über die Leinwand karriolen, in ähnlicher Frontalität wie die Riesendenkmäler. Um dem Steigerungswahn das ihm tendenziell innewohnende Faschistoide zu nehmen, müssen die Kintopp-Kraftmeier zweifeln und leiden. Der Optimierungsprozess muss trotzdem weiter vorangetrieben werden. Jüngste Steigerung: «Terminator Salvation».

Man erinnert sich: Arnold Schwarzenegger als Cyborg, der aus der Zukunft kommt, um Sarah Connor im Jahre 1984 zu töten, bevor die ihren Sohn John gebären kann. Denn John könnte ein gefährlicher Rebellenführer werden. Die Maschinen-«Rasse» will in ihrer Zukunft Ruhe. John kommt aber zur Welt, und in «Terminator 2» ist Arni ein guter Cyborg, der jetzt John vor bösen und perfekteren Cyborgs schützen muss, die den armen Jungen noch immer «terminieren» müssen. In «Terminator 4» («Salvation») ist nun John Connor ein gestandener Mann (Christian Bale), den die Maschinen weiterhin zu killen versuchen. So gesehen sind die Maschinen trotz Superhightech Schnarchbüchsen. Die Erde ist inzwischen, auf der Höhe der Zeit, ein gigantischer Abwrackprämien-Schrottplatz. Überall Blech und Stahl und Eisen; Heavy Metal pur, mit einer kräftigen Brise Punk und rustikalem Fabrikloft-Design. Und alles in betongrauem und bläulichem Waffen-Metall-Schimmer-Farbstich-Ambiente.

Metallene Riesen mit rotglühenden Augen kehren die Menschen wie liegengebliebenen Unrat eines Vandalen-Festplatzes zusammen und befördern sie krachend und kreischend mit Megatonnen-Baggerkrallen und Stahlnetzen zur Müllabfuhr. Der gute alte Cyborg war wenigstens noch dämonisch, die tosend-knerzenden Dampfhammer-Rübezahle sind nur noch bizarr. Aber das ist wurscht. Der Drang zur ewigen Steigerung ist der Traumfabrik nun mal genauso einprogrammiert wie den Maschinen. Beide wollen das pure, sprachlose, einschüchternde Staunen. So kam auch Schwarzenegger, der als Gouverneur andere Prioritäten hat, zu seinem Cameo-Auftritt – als perfekt animierte Täuschung. Visuell ist das betörend, inhaltlich kaum. «Terminator Salvation» ist ein Sammelsurium erfolgreicher Motive, von «Planet of the Apes» über «Mad Max» und «Alien» bis zu «Transformers» und «I Am Legend». Aber Selbstoptimierungsfanatiker nehmen auch alles: Dopingmittel, Botox, Viagra, Silikon.

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