Leserbriefe

«Das Lügen und Vernebeln ist im Bundeshaus salonfähig geworden.» Hans-Christian Müller, Zürich

Recht auf ewiges Hiersein

Nr. 21 – «‹Man sagt nicht die Wahrheit›»; Andreas Kunz über die Ausländerpolitik

Wenn Sie die richtigen Leute anfragen, dürften Sie ohne weiteres eine Milliarde Perso- nen weltweit finden, die bereit wären, in die Schweiz zu ziehen. Natürlich gingen diese Leute nicht mehr freiwillig. Warum bloss, wir wollen ja auch nicht gehen? Ob wir diese Leute unbedingt brauchen, ist wohl eher fraglich. Dass diese Leute uns brauchen, ist eher unbestritten. Das genügt offenbar einer Mehrheit von Schweizern, um ihnen das Recht auf ein ewiges Hiersein zu gewähren. Die wirkliche Frage ist: Wie füllt man 100 Liter in eine einzige Bierflasche ab? Meinrad Odermatt, Zug

Seit dem EWR-Nein 1992 ist das Lügen und Vernebeln im Bundeshaus salonfähig geworden. Blochers Erfolg und der «seiner» SVP schienen dies gar zu erfordern. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass sich die Verliererparteien nicht einmal mehr sonderlich bemühen, ihre Negativaktionen zu kaschieren. Die geschilderte Krise bestätigt, wie leichtfertig Parlament und Stimmvolk mit existenziellen Fragen der Eidgenossenschaft umgehen. Dass insbesondere unsere drei Bundesrätinnen das Volk im Vorfeld der Abstimmung vom 8. Februar 2009 wissentlich angelogen haben, war bereits vor dem Urnengang offensichtlich und durch die Aussagen von EU-Botschafter Reiterer bestätigt. Fürsorge für das vertretene Volk als Basis des Handelns kann bei unsern Parlamentariern und «Magistraten» nicht mehr erkannt werden. Das alte Rom lässt grüssen. Hans-Christian Müller, Zürich

Verspäteter Glücksbringer

Nr. 21 – «Eine Volksschule, die das Volk will»; Philipp Gut über die gescheiterte Schulreform

Klare Worte der Weltwoche zur deutlichen Schlappe der Aargauer Schulreformbesessenen an der Urne. Der Souverän hat das sogenannte Bildungskleeblatt regelrecht zerstampft, und die Analyse von Philipp Gut trifft ins Schwarze. Offenkundig ist der mündige Bürger der dauernden Umpflügaktionen auf den Volksschulbaustellen überdrüssig. Ein Fanal und eine ermutigende Entwicklung zugleich! Denn das kann nicht allein die Folge mahnender Worte vorab aus SVP-Kreisen sein. Es scheint, dass Volkes Stimme wieder vermehrt auf Lehrers Stimme zu hören beginnt. Also auf jene Fachleute, die aus täglicher Erfahrung im Schuldienst an vorderster Front haargenau wissen, wo der Schuh drückt. Es ist darum höchste Zeit, dass endlich auch all die fernab von Gut und Böse agierenden Bildungspolitiker und -theoretiker ihre Lehren ziehen und ihre Vorstellungen einer guten, soliden und schülergerechten Schule mit jenen der von Berufs wegen erfahrenen Pädagogen in Einklang bringen. So gesehen, könnte das im Aargau gescheiterte Kleeblatt doch noch ein Glücksbringer sein. Max Knöpfel, Pfäffikon

Grösse und Gier

Nr. 21 – «Ich bin schuldig»; Interview mit dem Milliardär Igor Olenicoff


Glaubt man den Recherchen der Weltwoche, gelangt man einhellig zum Schluss, dass der im Jahre 2001 von der Barclays-Bank abgeworbene Mitarbeiter Birkenfeld samt seiner Klientel dafür verantwortlich ist, dass die UBS und der Finanzplatz Schweiz in die aktuelle Bredouille geraten sind. Birkenfeld hat nicht nur höchst undurchsichtige Steuerkonstrukte vorangetrieben, sondern als Maulwurf seit 2004 mit einer Washingtoner Steuer-Anwaltskanzlei zusammengearbeitet, worauf die UBS in ihrem USA-Geschäft observiert wurde. Die Grobfahrlässigkeit der UBS hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack, indem sie ihren äusserst dubiosen Mitarbeiter weder unter Kontrolle hatte noch seine offensichtlich zweifelhaften Machenschaften hinterfragte. Grösse und Gier wurden ihr zum Verhängnis.
Franz X. Bachmann, Zug

Noch mehr scheffeln?

Nr. 21 – «‹Chüngeli›-Politiker»; Kolumne von Peter Bodenmann

Es wird geklagt, dass die «Topbanker» die UBS verliessen, weil sie anderswo mehr kriegen. Es scheint, dass die Finanzkrise keine Wende zu vernünftigerem Handeln bringt. Es waren doch gerade diese sogenannten «Topleute», die das Schlamassel angerichtet haben und deren Weggang Herr Villiger in aller Naivität beklagt. Das sind doch Leute, die ihre eigene Grossmutter verkaufen würden. Wenn das nicht als Gier zu bezeichnen ist, wenn man schnell bereit ist, für ein für den Normalbürger ohnehin astronomisches Salär die Seiten zu wechseln, sobald man noch mehr scheffeln kann, dann ist die Welt nicht mehr verstehbar, und dann wird die Menschheit mit Sicherheit nicht mehr lange auf diesem Planeten vorhanden sein. Wenn Gut und Geld weiterhin als das höchste aller Ziele gilt, kann keine Hoffnung auf eine bessere Welt aufkommen. Tolstoi fragte: «Wie viel Erde braucht der Mensch?» Vielleicht sollte hier die Diskussion ansetzen, um weiterzukommen. Oskar Meier, Bazenheid

Schuster, bleib bei deinem Leisten

Nr. 21 – «Unter Deck»; Markus Somm über die Wirtschaftsministerin Doris Leuthard

Wer 2006 glaubte, dass eine Scheidungsanwältin über Nacht zu einer kompetenten Wirtschaftsministerin würde und die Wirtschaft eines ganzen Landes steuern solle, ist schlicht naiv (das trifft auf die Mehrheit unseres Parlamentes zu). Schuster, bleib bei deinem Leisten.
Markos Pliakas, Bülach

«Ik bin ain Börlienarh»

Nr. 21 – «Rache der Geschichte»; Kolumne von Henryk M. Broder

An Ihrer spitzen Feder erfreue ich mich immer wieder! Ich nehme an, dass, wenn Sie von den Deutschen der damaligen Zeit reden, die auf die «Witzfigur» Hitler hereingefallen sind, Sie nicht nur die Arier meinen. Derjenige deutsche Ejakulat-Spender, aus dem Henry Kissinger hervorgegangen ist, hat auch nicht gelacht. Er hat es vorgezogen, sich rechtzeitig (1934) zu seinen Nicht-Ariern in die USA abzusetzen. Roosevelt (zu Deutsch Rosenfeld) und Truman (zu Deutsch Treumann) könnte man eigentlich auch den Status der Witzfigur zuerkennen (Pearl Harbor, Dresden, Nagasaki, Hiroshima). Die waren ja von den Auswirkungen her mit Hitler auf Augenhöhe. Und was Kissinger zusammen mit Nixon in Vietnam angerichtet hat, ist auch nicht von schlechten Eltern. Daneben wirkt ein Milosevic wie ein Gartenzwerg. Im Übrigen soll Rosenfeld perfekt Deutsch gesprochen haben. Ich selbst habe noch nie einen echten Amerikaner Deutsch sprechen hören, ausser vielleicht «Ik bin ain Börlienarh». Nachdem dieser Bann endlich gebrochen ist, werden sich die Kabarettisten auf das Thema stürzen. Ich hoffe sehr, dass all die sogenannten Medienschaffenden Ihren Artikel auch gelesen haben. Dann können wir hoffentlich davon ausgehen, dass die seit 60 Jahren stattfindende, eklig-penetrante Aufwärmung des Bildes der «hässlichen Deutschen und ihrer armen Opfer» endlich ein Ende findet. Es wäre eine Wohltat. Peter Michel, Sisikon

So witzig bis süffig und to the point dieser Artikel geschrieben ist, frage ich mich trotzdem, ob man einen Massenmörder, Psychopathen und Wahnsinnigen, der weitherum nichts als Tote, traumatisierte Menschen, Chaos und Trümmer hinterliess und der sich der Verantwortung durch Selbstmord entzogen hat, als «Lachfigur» verharmlosen darf.
Fridolin Schlittler, Wädenswil

Zeit für eine Pause

Nr. 21 – «Jeder Anruf ist eine Mikrowunde»; Interview mit dem Managementtrainer Caimi

Wir sind jederzeit erreichbar dank der neuen Kommunikationstechnologien, und uns allen ist klar geworden, dass dies neben der angenehmen Seite eine Kehrseite hat. Der Arzt und Management-Trainer Marco Caimi sagt, dass wir nicht gelernt haben, uns herauszunehmen. In einem Minimalprogramm listet er Massnahmen auf, die es jedem Berufstätigen ermöglichen, seine Ressourcen zu stärken. Eine habe ich vermisst: die Pause. Ich meine damit die Ruhepause, das mag eine Mikropause sein, ein kurzes Time-out oder eine Liegepause von 20 Minuten. In jedem Tagungs- programm, also auch am Swiss Economic Health Forum in Flims, müssen solche Ruhepausen eingeplant werden. So werden verantwortungsbewusste Führungskräfte die Ersten sein, die lernen, sich herauszunehmen, und sie werden es von ihren Mitarbeitern in Zukunft ganz einfach verlangen.
Ruth Baumgartner-Friedli, Küsnacht

Mit Glück und Rückenwind

Nr. 21 – «Cabrio von Kate Moss»; Ulf Poschardt über die Pagode von Mercedes

Endlich mal ein Auto, wo ich mitreden kann! Ich teile die Meinung von Ulf Poschardt, dass die Pagode, der 230280 SL, Baureihe W113, produziert 19631971, zu den schönsten je gebauten Benz gehört. Aber: Die «grosshubigen Sechszylinder» sind nicht «fast unzerstörbar», sondern haben bei guter Pflege eine Laufleistung von 160 000 bis 180 000 Kilometern. Der im nachfolgenden 280 SL eingebaute DOHC-Motor schaffte allerdings um die 400 000 Kilometer. Auch die Preise waren selbst in der Bonanza der letzten Jahre niemals «weit jenseits der 100 000 Franken». Beste originale oder perfekt restaurierte Exemplare erzielten mit Rückenwind und Glück vielleicht mal 90 000 Franken. Der Rest bewegt sich um schäbige 30 000 bis 70 000 Franken. Dr. Michael E. Dreher, Zollikon

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