Porträt

Unter Deck

Doris Leuthard ist zuständig für die Bekämpfung der Krise. Es fällt auf, dass sie kaum etwas tut. Nicht aus Klugheit, sondern aus Verunsicherung. Ihr Charme stösst an seine natürlichen Grenzen.

Von Markus Somm

Doris Leuthard

Lehman Brothers, die grosse amerikanische Investmentbank, ging am 15. September 2008 bankrott, zwei Tage später gab die schweizerische Wirtschaftsministerin Doris Leuthard (CVP) dem Blick ein Interview: «Frau Bundesrätin, tagt schon Ihr Krisenstab?» «Nein, ich brauche keinen Krisenstab.» «Weshalb nicht?» «Weil es keine Krise gibt. Wir sehen null Indizien für eine Rezession.» Wenige Monate später befindet sich die Schweiz in einer schweren Rezession – und heute ist klar, dass mit dem Konkurs von Lehman Brothers die längst schwelende Finanzkrise offen ausgebrochen war. Man stand am Abgrund. Das internationale Finanzsystem hat sich seither nicht mehr beruhigt.

Leuthards gutgemeinte Entwarnung dürfte als die Aussage eines Politikers mit dem schlechtesten Timing in die jüngere Schweizer Wirtschaftsgeschichte eingehen. Wie ein Mühlstein hängt Leuthard seither dieser Satz um den Hals. Behindert, verunsichert, resigniert, so wirkt die Bundesrätin, der jahrelang alles so leicht von der Hand zu gehen schien. Obschon die Wirtschaftskrise längst die Köpfe der Schweizer ergriffen hat, bleibt Leuthard unsichtbar. Leer ist die Kommandobrücke, draussen peitscht der Sturm.

Schmollen im Bundeshaus

Als der Bundesrat Anfang Jahr viel zu spät eine Task-Force einsetzte, um die Zukunft des Bankgeheimnisses zu sichern, schlug Leuthard eine andere Zusammensetzung vor. Sie lief ins Leere. Nachher verlor sie die Nerven und beklagte sich öffentlich über ihre Niederlage. Im Radio DRS liess sie durchblicken, dass sie den Entscheid der Regierung falsch fand. Und ihre engen Mitarbeiter versorgten die Presse mit Sprengstoff: Die Chefin spucke Gift und Galle, vernahm man. Die Regierung habe bloss «ein Kaffeekränzli» zusammengerufen. Es war ein Bruch der Kollegialität. Zu Zeiten Blochers im Bundesrat und hätte er solches wiedergegeben: Es wäre eine Staatskrise ausgebrochen.

Da Kollegen und Parlamentarier spürten, dass hier eine geschwächte Verliererin am Werk war, sah man grosszügig und etwas peinlich berührt darüber hinweg. Seit Leuthard im Bundesrat ist, legte sie viel Wert darauf, als besonders kollegial zu gelten. Offensichtlich stand sie mit dem Rücken zur Wand. Die meisten im Bundeshaus vermuteten, sie sei nur gekränkt: Im Krisenausschuss des Bundesrates, der sich um die Verteidigung des Bankgeheimnisses kümmern wollte, sass sie, die Wirtschaftsministerin, nicht. Stattdessen Finanzminister Hans-Rudolf Merz (FDP), Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und vor allem die von Leuthard innig ungeliebte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (SP). Mit bärbeissigen Kommentaren in Berlin wehrte sich die Sozialdemokratin gegen deutsche Anmassungen – während die Wirtschaftsministerin im Dunkeln blieb.

Ein Darling der Medien, ein Star in ihrer Partei, eine junge Frau, die im Volk gut anzukommen schien: Seit Doris Leuthard vor mehr als zehn Jahren in die Politik eingestiegen ist, gelang ihr – von aussen betrachtet — fast alles. Nach bloss zwei Jahren im Grossen Rat katapultierten sie die Aargauer in den Nationalrat (1999), bald war sie Vizepräsidentin ihrer Partei, ein paar Jahre später schon Präsidentin. Obwohl sie keine einzige nationale Wahl zu bestehen hatte, wurde die Aargauerin sogleich zur Saniererin der CVP erklärt, einer Partei, die seit mehr als zwanzig Jahren nur mehr verloren hatte. Erst 43-jährig, wurde sie 2006 in den Bundesrat gewählt. Ebenfalls ein Spaziergang – niemand war gegen sie angetreten. «Sie hatte immer Rückenwind», sagt ein Aargauer Parlamentarier, «nun steht sie zum ersten Mal im Gegenwind.» Die Krisenministerin ist selber in die Krise geraten.

Ministerin der Verlierer

Nun mag der Vorwurf mangelnder Präsenz unfair sein: unfair, weil die Wirtschaftsministerin zwar einen pompösen Titel trägt, aber tatsächlich nichts zu entscheiden hat, was wirklich von Belang wäre in der Wirtschaftspolitik. Der Finanzminister hätte sehr viel mehr zu sagen, wenngleich das dem gegenwärtigen Amtsinhaber Merz selten glückt; einflussreicher ist auch der Verkehrsminister (Leuenberger), der die Infrastrukturpolitik des Landes prägt. Die Wirtschaftsministerin verwaltet in der Schweiz die Dossiers der Verlierer: Leuthard ist Landwirtschaftsministerin, macht Regionalpolitik für absteigende Regionen, kümmert sich um die «wirtschaftliche Landesversorgung», ein Relikt aus dem Kalten Krieg, das niemanden beschäftigt. Schliesslich ist sie zuständig für die Arbeitslosen. Zwar ist die Aussenwirtschaftspolitik nach wie vor eine gewichtige Aufgabe, doch seit das alte Bundesamt für Aussenwirtschaft aufgelöst und im Gemischtwarenladen Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) untergebracht worden ist, fehlt das einstige Prestige. Im Seco befindet sich auch eine Art wirtschaftspolitischer Think-Tank, den Chefökonom Aymo Brunetti leitet: Aber mangels realer Zuständigkeiten ist er ein König ohne Land. Das Verfassen von liberalen Ermahnungen in dicken Berichten, die in den anderen Departementen verrotten, ist sein Los.

An sich ist es kein Unglück, wenn ein Wirtschaftsminister wenig tut. Im Gegenteil. So gesehen, muss man Leuthard, die bisher bloss zwei eher bescheidene Stabilisierungsprogramme vorgelegt hat, loben. Beunruhigender ist, dass ihre Zurückhaltung weniger einer Überzeugung entspringt, sondern der Konfusion. Noch ist sie vor allem überrumpelt. Was jetzt wie wohltuende Passivität aussieht, kann über Nacht in Aktivismus umschlagen. Obwohl Leuthard, die nach wie vor dort lebt, wo sie aufgewachsen ist, bodenständig wirkt, hat sie etwas Bodenloses. Sie neigt dazu, sich von Experten und Beamten leiten zu lassen, weil ihr die eigene Peilung fehlt.

Das zeigen die Projekte, die sie bisher verfolgt hat, wie etwa das Cassis-de-Dijon-Prinzip, oder die Idee, die schweizerische Landwirtschaft mit einem Freihandelsabkommen der Konkurrenz der EU auszusetzen. Beides sind alte Anliegen liberaler Ökonomen, die sich davon mehr Wettbewerb im Binnenmarkt und tiefere Preise erhoffen. Im Einzelnen mögen das sinnvolle Massnahmen sein – typisch für Leuthard ist jedoch, dass sie sich, ermuntert von ihren Beamten, auf einen Höllenritt begibt. Ist es Mut – oder ist es Mangel an politischem Gespür?

Mit dem Cassis-de-Dijon-Prinzip, das vom Nationalrat bereits genehmigt wurde, will die Schweiz Handelsschranken gegenüber Importen aus der EU aufheben. Was in der EU zugelassen ist, soll in die Schweiz eingeführt werden können – ohne dass schweizerische Instanzen diese Produkte erneut prüfen; nur wenige Ausnahmen bleiben.

Die EU ihrerseits kommt der Schweiz nicht entgegen. Schweizer Produkte müssen nach wie vor von EU-Behörden für akzeptabel befunden werden. Offen ist, ob diese Massnahme so viel bewirkt, wie sich deren Promotoren, wie etwa Brunetti, davon versprechen. Der Einzug von Lidl und Aldi in der Schweiz dürfte die überhöhten Preise im Detailhandel mehr ins Rutschen bringen als das Cassis-de-Dijon-Prinzip.

Käse für Berlin

Leuthard hat sich damit nicht nur Freunde gemacht. Das Gewerbe rümpft die Nase – die Bauern haben ihren Widerstand gegen den Freihandel mit der EU angekündigt. Vor einem Jahr reiste Leuthard nach Berlin an die Grüne Woche, die weltgrösste Messe für Ernährung und Landwirtschaft. Die Schweiz war Gastland – und komplett hatten sich die Vertreter der hiesigen Agrarwirtschaft in die deutsche Hauptstadt begeben. Damals waren sie begeistert von ihrer Ministerin: In freier Rede, mit Charme und wohldosiertem Augenaufschlag verzauberte die Aargauerin die Gastgeber. «Niemand hätte überzeugender vom Schweizer Käse schwärmen können», sagt ein Bauer, während seine Stimme vor Rührung noch heute zu zittern scheint. «Was für eine tolle Ministerin Sie haben!», lobten die Deutschen gönnerhaft, und die Schweizer glühten wortlos, mit Stolz. Heute sind die Bauern enttäuscht, mit Wehmut erinnern sie sich an Vorgänger Joseph Deiss. Es ist absehbar, dass Leuthard mit ihrem Vorhaben auf Gegenkräfte stossen wird. Im Parlament heisst es, mit ihrem Freihandelsprojekt fahre sie in die Wand.

Triebe sie die eigene Überzeugung, man müsste Leuthard bewundern und bedauern zugleich. Eine tragische Heldin. Doch Zweifel kommen auf. Sie wirkte nie wie eine Frau mit starken Meinungen, sondern eher wie eine gute Verkäuferin, die sich nur um den Kunden bemüht, der gerade im Laden steht. Sie fiel in ihrer Karriere nie mit kantigen, nicht mehrheitsfähigen Ansichten auf. Als CVP-Präsidentin bemühte sie sich noch herzlich um die Bauern – heute gilt ihre Loyalität eher jenen, die im Seco dem Kampf gegen die Preisinsel so grosse Bedeutung beimessen. In Bauernkreisen kursiert der Argwohn, die Migros nehme Einfluss auf Leuthard – was die Migros dementiert. Klar ist, dass sich Leuthards Agenda kaum von den wirtschaftspolitischen Anliegen der beiden grössten Detailhändler Migros und Coop unterscheidet. Dem Gewerbe oder den Bauern, aber auch den KMU, die zum Teil immer noch der CVP nahestehen, ist sie bisher kaum entgegengekommen. Unsinnige Vorschriften, Sozialabgaben und Steuern: Zu bekämpfen, was die kleinen Unternehmen plagt, hat sich Leuthard bisher wenig bemüht.

Seit sie die Rezession für inexistent erklärt hat, so sagen Parlamentarier, wirke Leuthard zerstreut. Sie sei immer auf dem Sprung und habe kaum Zeit, wenn man mit ihr sprechen wolle, sagt ein Nationalrat, der oft mit ihr zu tun hat. Etwas Gehetztes gehe von ihr aus. Andere empfinden sie als arrogant. «Damit überspielt sie ihre Unsicherheit.» Letztlich, so meint ein Freisinniger, der in der einflussreichen Wirtschaftskommission sitzt, merke man nun, dass Leuthard von Wirtschaft eigentlich nichts verstehe. Zwar sei sie fleissig, gut vorbereitet und stets bemüht, alle Fragen selbst zu beantworten – Beamte kommen selten zu Wort –, doch der Sinn für wirtschaftliche Zusammenhänge gehe ihr ab. Die gelernte Anwältin, der es gelingt, sich ein Dossier rasch anzueignen und es gut zu vertreten, durchdringt die ökonomische Materie nicht. Angelesen, nicht erlebt: Wer noch nie eine Rezession selber durchzustehen hatte, weiss nicht, woran sie zu erkennen ist.

Doris Leuthard ist keine untalentierte Politikerin. Die Aufgabe, als Präsidentin die CVP aus dem Jammertal zu führen, lag ihr. Heiter, unprätentiös, eine glänzende Kommunikatorin: Sie schien die CVP zu verjüngen – und trotz mässigen Wahlerfolgen fühlten sich die Christdemokraten wieder wohl. Das war die Rolle ihres Lebens. Als Wirtschaftsministerin eine der brutalsten Krisen der jüngeren Vergangenheit durchzustehen, ist es vermutlich nicht.g

Kommentare

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  • baba
  • 25.05.09 | 18:38 Uhr

Mein Kompliment an den Autor, der aus meiner Sicht Doris Leuthard und ihr nicht immer glückliches und nicht immer professionelles Tun sehr treffend beschrieben hat.

  • lucena
  • 25.05.09 | 16:15 Uhr
  • salinger
  • 25.05.09 | 09:32 Uhr

eben "la crise n'existe pas" und nichts machen soll sie! das ist ja das credo der köppelschen schweizerwoche. und leuthard verhält sich genau so. also was soll das geschrei hier!

und genau wie giacobbo gestern: foren seien vorallem für sozialfälle, die den ganzen tag nicht anderes tun als rumproleten.

es wäre eigentlich zu hoffen, es gäbe noch mehr rechte fascho vollidioten wie hier, nach deren rein-rassentheorie die schweizer in spätestens hundert jahren vollständig aussterben müssten!

was für eine wohltat! die schweiz ohne schweizer!!!

  • chateau
  • 24.05.09 | 21:40 Uhr

Frau Leuthard sollte sich einmal mit Zahlen familiarisieren, die jetzt aus den USA kommen
Rückgang Steuereingänge natürliche Personen -44%
Rückgang Untrernehmenssteuern -65%.
Und dies im April, dem tradtionell stärksten Steuereingangsmonat.

Was wären dann die Rezept von Dusch-Doris?

Die Steuereingänge gewisser Banken und der exportierenden Industrie werden auch in der Schweiz kollabieren.

  • chateau
  • 24.05.09 | 21:35 Uhr

Lucena, Sie sind eine(r) der wenigen die verstehen, dass diese Art der Zuwanderung die Schweiz schwächt. Drei von fünf Personen wandern heute als Familiennachzug in das Sozialsystem ein.
Unsere Neubürger brauchen ein enormes Steueraufkommen, um allein ihre eigenen, zukünftigen Kosten zu finanzieren. Bei der qualitativ schlechten Einwanderung aus Südosteuropa, Türkei und anderen Landen braucht es, nach deutscher Berechnung eine Generation (25 Jahre) bevor solche Einwanderer kostendeckend sind. Ihr Beitrag für eine Weiterentwicklung ist dann immer noch NULL.
Ich schätze, dass ein Steueraufkommen pro Person von fünftausend Franken notwendig ist, um eine ausgeglichene Rechnung zu erhalten.
Dies ist ein Schätzwert von mir. Leider wird das nie berechnet, da das Resultat verheerend sein könnte.

  • chateau
  • 24.05.09 | 21:27 Uhr

Ich bedaure die arme Frau Leuthard. Ihr Werdegang Juristin befähigt sie bestenfalls klarer denken zu können als andere.Die hochkomplexen Vorgänge in der Wirtsachaft können auch nicht mit einem Crashkurs erlernt und verstanden werden. Es hängt viel davon ab, welche Könner in ihrem Departement vorhanden sind und ob sie sich auch von denen beraten lässt.Nun habe ich meine eigene Sicht über die karrieregeilen pöstchenhaltenden Funktionäre des Staatbetriebs. Das sind alles sicherheitsbetonte Kreaturen, die das SChlachtfeld (die Wirtschaft) aus Berechnung gemieden haben und die Frühpensionierung anstreben.
Ein Bundesrat sollte auch einmal den Mut haben, über die Staatsbürokratie hinaus die Tüchtigen zu suchen und anzusprechen.
Uebrigens ist es einfach nicht wahr, dass man das Kreditchaos erst 2008 sehen konnte. Calpers, PK der califonrischen Beamten hat sich Ende 2006 aus dem Kreditchaos zurückgezogen.Dr. Doom hat auch schon sehr früh
gewarnt.

  • werni425
  • 24.05.09 | 12:42 Uhr

Schön, dass es neueForumsteilnehmer gibt. Oder ist es alter Weihn in neuen Schläuchen?
Werni

  • lucena
  • 23.05.09 | 14:56 Uhr

Binsenwahrheiten aus NZZ & BLICK

"Die starke Zuwanderung der letzten Jahre habe nicht zu mehr Wirtschaftswachstum geführt, sagt der Freiburger Professor Reiner Eichenberger. «Man sollte endlich aufhören, einfach zu behaupten, dass wir der Einwanderung das Wirtschaftswachstum verdanken.»

Bereinigt um das starke Bevölkerungswachstum von 1,4 Prozent wäre die Wirtschaftsleistung pro Kopf damals aber längst um 1 Prozent gesunken, sagte der Professor an der Universität Freiburg. Bevölkerungswachstum verursache enorme Kosten. «Wir sollten auf Wirtschaftswachstum setzten, nicht auf Bevölkerungswachstum.»

Denn eine wachsende Bevölkerung führe zu dichterer Besiedlung, zu Landverschleiss, erfordere hohe Investitionen in die Infrastruktur, führe zu Lärm und Stress – etwa wegen den Verkehrsproblemen. «Die Schweiz hat europaweit das höchste Bevölkerungswachstum. Im Kanton Zürich beträgt es 2 Prozent. Wie soll das weitergehen?», fragt Eichenberger."

Der fatale Landverschleiss ist zuletzt ein Problem der Wirtschaftslobby.

Die Grünen kümmerts nicht, solange man sich mit einem Offroader profilieren kann.

Für die Sozialisten und Markwalders haben Antirassismuskonferenzen, maximale Migration aller Dienstverweigerer der Welt, und die Vermeidung harscher Reaktionen von Steinbrück vorrang.

Die Planungszyklen des Bundesrats dauern hingegen nur drei Monate, weshalb solche Banalitäten zu vernachlässigen sind.

Der Ausverkauf der Schweiz geht munter weiter.

  • Frabuner
  • 22.05.09 | 22:43 Uhr

Ein Totsch bleibt ein Totsch.

  • corrado
  • 22.05.09 | 21:27 Uhr

Das sogenannte Relikt aus dem kalten Krieg, die "wirtschaftliche Landesversorgung", war um 2000 ein topmodernes Miliznetzwerk von schweizerischen Führungskräften der produzierenden Industrie, bis es auf Anordnung von Pascal Couchepin aus politischen Gründen aufgelöst wurde. Uebrig geblieben ist tatsächlich eine Organisation, die etwa derjenigen von 1950 und der Zeit des kalten Krieges ("Kriegswirtschaftliche Vorsorge") entspricht. Schade, aber wahr, und daher beschäftigt es leider auch niemand mehr.

  • advag
  • 22.05.09 | 15:06 Uhr

@lucena: Danke für den Hinweis: Statt "Persönlichkeiten" müsste es eigentlich "Führungskräfte" heissen. Der Unterschied zwischen diesen Begriffen ist der, dass eine Führungskraft auch das nötige Fachwissen und die Führungsfähigkeiten mitbringt. Ein gewisses Mass an 'Persönlichkeit' ist aber auch nötig. Als Beispiel soll Fidel Castro herhalten, der ein charismatischer 'Führer' und erfolgreicher General ist, aber als Wirtschaftsführer versagt hat. Uneinsichtigkeit und Kompromissunfähigkeit sind keine guten Führungseigenschaften. Um ein Departement erfolgreich führen zu können, muss man tatsächlich mehr haben, als nur 'Persönlichkeit'. Es ist zu hoffen, das dem in Zukunft auch in Bern vermehrt Rechnung getragen wird, insbesondere bei der Auswahl der Bundesräte, selbst dann, wenn sie dereinst vom Volk gewählt werden sollten.

  • lucena
  • 22.05.09 | 12:54 Uhr

Das Problem ist wohl kaum die Führungsschwäche.

Das EDI wurde mit Dreifuss und Couchepin mit "starken" Persönlichkeiten besetzt.
Auch Calmy-Rey ist zweifellos eine "starke" Persönlichkeit.
Im BfM wird mit eisernem Besen gefegt.

Weshalb hinterlassen diese "starken" Persönlichkeiten derartige Flurschäden?
Die Antwort liegt wohl gerade in der vermeintlichen "Stärke".

Dreifuss, Couchepin, Calmy, Widmer orientierten sich primär an der eigenen "Stärke und Schlauheit" und nicht am Willen des Volkes.

Ihre Erkenntnis:

"Nahezu alle Ökonomen - mich eingeschlossen - haben sich in der Einschätzung der weltwirtschaftlichen Entwicklung geirrt."

lehrt, dass nur eine Orientierung am Volkswillen zu einer erfolgreichen Politik führt. Die Irrtümer von Dreifuss, Couchepin, Calmy, Widmer hinterlassen Spuren für die nächsten Generationen.

  • advag
  • 22.05.09 | 12:16 Uhr

Ohne ein Freund der eher durchschnittlich besetzten Regierungen der Schweiz zu sein, empfinde ich die obigen Beurteilungen von Frau Leuthard als nicht fair. Nahezu alle Ökonomen - mich eingeschlossen - haben sich in der Einschätzung der weltwirtschaftlichen Entwicklung geirrt. Als Juristin, wohl ohne besondere Fachkenntnisse im Bereich der Makroökonomie, muss Frau Leuthard auf ihre Spezialisten hören. Wenn diese falsch liegen, ist das nicht ihre Schuld, zugegebenerweise aber ihr Problem.
Bezogen auf die Schwäche der Regierungen, muss gesagt werden, dass eine politische motivierte Wahl von Managern, wie sie übrigens auch in der Privatwirtschaft üblich ist, nur in schweren Krisen - siehe Obama - fähige Leute nach oben bringen kann. Selbst die Abstammung spielt dann keine wahlentscheidende Rolle mehr. Inwiefern eine direkte Wahl der Bundesräte Vorteile bringt, hängt davon ab, ob Parteien oder tatsächlich Persönlichkeiten gewählt werden. Im ersteren Fall ist von keinen grösseren Verbesserungen auszugehen.
Die Vorselektion von Kaderleuten ist meist wesentlicher, als ihre Wahl selbst, weil so führungsschwache Menschen i.d.R. gar nicht erst in die engere Auswahl kommen können. Daher sollten für zukünftige Bundesräte vorgängig besuchte und - mit Auszeichnung - bestandene Führungs- und Fachkurse eine Pflicht sein, ohne die sie nicht zu einer Wahl antreten dürfen. Kandidaten könnten so auch über eine längere Zeit beobachtet werden.

  • lucena
  • 22.05.09 | 09:33 Uhr

@kurtkoblet : Selbstverständlich haben Sie Recht:

Es sind vermehrt Fachleute mit Praxisbezug einzustellen.
Der Jurist weiss stets, weshalb etwas nicht geht, und kann dies trefflich begründen.
Der Fachmann weiss, was notwendig ist, und kann sich von einem Juristen beraten lassen.

In diesem Sinne ist der "juristische Walliser-Filz" im BAG bedenklich.

  • liberalmind
  • 21.05.09 | 20:47 Uhr

Das System Schweiz verträgt gar keine wirklich starkten Persönlichkeiten im Bundesrat. Obschon es sich das Volk wünscht, wären die Schweizer Bünzlis die ersten, die eben eine starke unanbhängige, kommunikativ begabte und durchsetzungsfähige Persönlichkeit abschiessen würden und als Arrogantling verschreien würden. Die Schweiz verdient schlussendlich die Regierung, die sie eben verdient. Mehr als Mittelmass liegt gar nicht drin, weil der Schweizer nicht mehr als Mittelmass verträgt und verdient! Politiker vom Format Obama mit Charisma, starker Kommunikation und Durchsetzungskraft werden wir hier nie kriegen. Erstens weil es keine hat und zweitens weil wir es nicht verdienen würden! Die Schweizer sind Bünzlis, Nörgeler und missgünstige Besserwisser und vertragen schlichtweg keine starken Persönlichkeiten. Schade aber die Regierung ist der Spiegel des Volkes. Nicht mehr und nicht weniger.

  • liberalmind
  • 21.05.09 | 20:38 Uhr

@ kobelt

Jöööhhh! Mehr Fackräfte mit Praxisbezug in den Bundesrat! Das ist also die Forderung der SVP Parteibasis...lol! Etwa so wie euren Politclown Maurer, gell! Mehr als ein eidg. Diplom in Oberplauderi, Polemiker und heisse Luftablasser, lässt sich nicht ausmachen... - Sein Motto und Credo: Mir wänd die sterkschti Armeee vo de Wält ...lol! So wie aktuell auf dem Technikstand der 60er und 70er Jahre. Neue Flugbeschaffung b.a.w. nicht. Obschon eigentlich dringend notwendig. Maurer und die SVP hat doch genau das Dilemma, dass sie bei ihrer Parteibasis einen Proteststurm auslösen würde, würde der Bund jetzt Flugis bei den Amis oder Europäern kaufen. Das nennt man dann Unabhängigkeit im Interesse des Landes! Wenn es nach der Parteibasis geht, dürften wir nie Flugis im Ausland kaufen - so wie wärs denn mit dem Pilatusporter?!? Bluemets Trögli wie immer - Stärkste Armee der Welt - Fachkräfte mit Praxisbezug in den BR - eine Lachnummer wie immer!

Die einzige BR, die genau dieses Anforderungsprofil erfüllt, ist ausgerechnet das Feindbild Nr. 1 der SVPler: Frau Widmer-Schlumpf, Juristin und 10 Jahre RR und Finanzdirektorin! Sehr kompetent aber leider total uncharismatisch und unbegabt in der Kommunikation.

Das mit Fach- und Praxiskompetenz ist wieder mal so ein Rohrkrepierer von der rechten Parteibasis.

  • kurtkoblet
  • 21.05.09 | 10:48 Uhr

mit minimalem sozialem verständniss, kann man hier rückschlüsse aufführen: gewählt weil opportun (spontan parteipräsi- verneinung der bundesratsstelle, 2wochen dannach gewählt) und es spielt keine rolle wer in bern bei den 6/7gscheiten sitzt.
ein weiterer beleg ist ja couchpin der XVII, welcher gem. umfragen immer an letzter stelle rangiert....aber voll gestützt von bern weiterblödelt.
was,bitte muss eigentlich noch alles fehllaufen bis man sich in den kammern bewusst wird, fachleute mit praxisbezug einzustellen - und, soche gefunden (!) ihre arbeit auch ausführen lässt?
unter den 7 BR ist man sich einig, gegenseitige deckung,bei fehlleistungen: weghören - sich starkmachen in randfragen und nichtproblemen wo man sich gerne auch auf die medien stützt.
700jahre schweiz ?

  • liberalmind
  • 20.05.09 | 17:24 Uhr

Hier wird wieder nur proletet und heisse Luft abgelassen - Zeit nochmals etwas mit Substanz zu posten!

  • liberalmind
  • 20.05.09 | 17:22 Uhr

Der Reformstau und die Unfähigkeit die Aufgabenfelder im Bundesrat einigermassen sinnvoll zu verteilen, treten jetzt in der Krise immer mehr zutage. Couchepin drängte vom EVD ins EDI weil dort die wirkliche Macht liege und die Fäden zusammenlaufen. Das gleiche im UVEK bei Leuenberger. Kein Wunder, dass die zwei Reptilien im BR bei soviel Macht nicht loslassen wollen und den Reformstau zu Lasten der Schweiz einfach aussitzen. Nach 15 (Leuenberger) und 12 (Couchepin) Jahren wäre es nun wirklich mal Zeit neuen Kräften Platz zu machen. Die Abnützungserscheinungen und teilweise Machtarroganz sind offensichtlich.

Bei diesem Machtgeschacher bleibt es bei den Departementsreformen leider immer bei Absichten. Das Parlament sollte jetzt endlich aktiv werden und die Aufgaben neu verteilen. Das EDI hat mit den zwei grossen Problemfeldern Gesundheit und Sozialversicherungen bereits zwei der Schlüsselaufgaben. Bildung und Forschung und die Universitäten sollten längst an das EVD hinübergehen. Dafür könnte man das Veterinärwesen dem Bundesamt für Gesundheit anschliessen, was in Bezug auf die Korrelation bei Pandemiebekämpfungen Sinn machen würde.

Auch im UVEK kumulieren sich die Schlüsselaufgaben mit Umwelt, Energie, Verkehr, Kommunikation und eine Entstaubung und mutige Reformschritte wären hier auch längst angebracht.

Leider wird bei diesem Machtgeschacher wieder alles beim Alten bleiben, zu Lasten der Schweiz!

  • HenryVIII
  • 20.05.09 | 16:57 Uhr

@ lucena

Aber, aber lucena. Wie können Sie nur so respektlos mit der Frau Widmer umgehen. Dabei hatte sie sich doch SOOOO gefreut als sie von den "Glanz und Gloria" Enthusiasten zur "Schweizerin des Jahres" gewählt wurde.
Und der "colmo": die hat es noch Ernst genommen.

  • Roni
  • 20.05.09 | 15:16 Uhr

@philosopher und @Schlemihl --Jemand, welcher sich selbst im Pelz als versteckter Buentzli mit 'Philosopher' bezeichnet, aber dann noch als Besserwisser und Sprachlehrer Lehrer auftritt (wegen einem missachten Z in Nietzsche) aber die Quitessenze eines Kommentares missintpretiert oder einfach nicht versteht und sich dabei hinter der typischen Schutz-Decke eines Blogs ohne Nahmen versteckt, aber dann persoenlich wird, ist selber das groessete Zero und auch noch ein Feigling. Wohl ist der Sandkasten "philosopher" mit der Politik der Schweeizer Zeros zufrieden. Ausserdem weiss jeder Schweizer, woher die Wand-Uhr herkommt, es war ja dastypische Zitat eines typischen auslaendischen Stereotyps der Schweiz, weil sich die Auslaender ueber unser Genauigkeit und Buenztlichkeit vergnuegen, dass sieht man ja mit Bankengeheimniss Fiasko.
@Schlemihl --man waehlt auch mit Geld, oder moraler Unterstuetzung, oder Inaktivitaet der Opposition etc. nicht nur an der Urne--die Schweiz ist ja bekannt, bei Abstimmungen vorzuwaehlen ueber wieviel Freiraum man abstimmen kann und somit die Moeglichkeiten diktiert (Demokratur).

  • lucena
  • 20.05.09 | 13:37 Uhr

Geduld, die maximale Entropie dürfte erreicht sein, wenn unsere Sozialwerke auf Hartz IV-Niveau liegen.

Frau Widmer arbeitet daran.
Alles auf einmal kann die Gute jedoch auch nicht erledigen!

  • Duke of Underachievers
  • 20.05.09 | 13:12 Uhr

...sozusagen die maximale entropie?

  • lucena
  • 20.05.09 | 11:29 Uhr

Seltsam, dass die Linke von Reformstau und Unfähigkeit im Bundesrat spricht, den sie vor Kurzem nach ihrem Gusto zusammengesetzt hat.

Wir haben nun

Frau Leuthard, die das tut, was Sie kann.
Frau Calmy, die hoffentlich das nicht mehr tut, was sie kann.
Herr Couchepin, der tut, was er nicht nicht kann.
Frau Widmer, die im BfM momentan Amok läuft.

Kurz gesagt, wir haben den stilistischen Idealzustand erreicht.

  • Präsident SORGIM
  • 20.05.09 | 10:39 Uhr

"In Bauernkreisen kursiert der Argwohn, die Migros nehme Einfluss auf Leuthard"

Die CVP und insbesondere Leuthard profitiert schon lange vom Migros Geld. Geld das dem Schweizervolk (jeder Schweizer hat das Recht kostenlos Migros Genossenschafter zu sein) gehört!

Pierre Rappazzo, Präsident SORGIM

  • liberalmind
  • 20.05.09 | 09:24 Uhr

Der Reformstau und die Unfähigkeit die Aufgabenfelder im Bundesrat einigermassen sinnvoll zu verteilen, treten jetzt in der Krise immer mehr zutage. Couchepin drängte vom EVD ins EDI weil dort die wirkliche Macht liege und die Fäden zusammenlaufen. Das gleiche im UVEK bei Leuenberger. Kein Wunder, dass die zwei Reptilien im BR bei soviel Macht nicht loslassen wollen und den Reformstau zu Lasten der Schweiz einfach aussitzen. Nach 15 (Leuenberger) und 12 (Couchepin) Jahren wäre es nun wirklich mal Zeit neuen Kräften Platz zu machen. Die Abnützungserscheinungen und teilweise Machtarroganz sind offensichtlich.

Bei diesem Machtgeschacher bleibt es bei den Departementsreformen leider immer bei Absichten. Das Parlament sollte jetzt endlich aktiv werden und die Aufgaben neu verteilen. Das EDI hat mit den zwei grossen Problemfeldern Gesundheit und Sozialversicherungen bereits zwei der Schlüsselaufgaben. Bildung und Forschung und die Universitäten sollten längst an das EVD hinübergehen. Dafür könnte man das Veterinärwesen dem Bundesamt für Gesundheit anschliessen, was in Bezug auf die Korrelation bei Pandemiebekämpfungen Sinn machen würde.

Auch im UVEK kumulieren sich die Schlüsselaufgaben mit Umwelt, Energie, Verkehr, Kommunikation und eine Entstaubung und mutige Reformschritte wären hier auch längst angebracht.

Leider wird bei diesem Machtgeschacher wieder alles beim Alten bleiben, zu Lasten der Schweiz!

  • Schlemihl
  • 20.05.09 | 09:00 Uhr

Interessant ist doch, dass die Weltwoche vor noch nicht so langer Zeit behauptete, es gebe gar keine Krise ("La crise n'existe pas"). Und heute wirft sie Frau Leuthard vor, dass sie kaum etwas tue gegen eine Krise, die es angeblich gar nicht gibt...

Einmal mehr zeigt sich, dass es der Weltwoche einzig und allein um den persönlichen Angriff gegen ein Mitglied des Bundesrates (in diesem Fall Frau Leuthard) geht und nicht um sachlichen, konstruktiven Journalismus!

  • Schlemihl
  • 20.05.09 | 08:55 Uhr

@Roni:

Nur so nebenbei. Die Gebrüder Castro sind keine "gewählten Führer".

  • philosopher
  • 20.05.09 | 08:44 Uhr

Gewisse Leute sollten ihre Blogversuche tatsächlich lieber bleiben lassen! Man beachte die Zeit und den zusammenhangslosen Quatsch. Zero austeilen, wenn man selber eine Zero ist - das ist wohl die Quintessenz aus diesem Schmarrn.

Der Herr heisst Nietzsche - die Kuckucksuhr wurde im Schwarzwald erfunden und nicht in der Schweiz - das Wort heisst Instabilität ... usw.

  • Roni
  • 20.05.09 | 03:17 Uhr

Schmid/USA--Leider vedient das meiste Volk seine gewaehlten Fuehrer. Dem Kuba die Castro Gebrueder, Chavez fuer Venezuela und fuer die Schweizer ihr stoltzes "Baebeli". Boese Zungen koennten auch behaupten "do not send a child to do a man's job". Waehler, welche fuer ein "Bildchen" stimmen oder sogar schlimmer fuer was sie denken ihr Spiegelbild ist, fuehrt zu politischen Zeros. Leider leben wir in einer Zeit der grossen Zeros, da wo man immer auf Sicherheit spielen muss um von einer naiven Mehrheit gewaehlt zu werden. Ich empfehle jedem solchen Waehler in dem Fall vor einer Abstimmung vielleicht ein bisschen "Nietsche" zu lesen--da wo er davon spricht, dass genau jene Menschen, welche gewisse Furcht erzeugen koennten eben genau im Gegensatz der Herdenmentalitaet die guten und starken Menschen sind. Es haben andere boese Stimmen behauptet: "Mit allen Unruhen, Kriegen und Unstabilitaet und fehlender Sicherheit in Italien von seiner Geschichte her haben wir "Leonardo DaVinci", "Michelangelo", "Ferrari Autos" geerbt--was haben uns 700 Jahre bruederliches Verhalten gebracht "Doris Leuthard" und die "Ku Ku Clock"??

 
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