Mit dem Paket, das den wunderschön verpackten Pacemaker enthielt, kamen auch die Erinnerungen zurück. Man dachte an die Zeit, als das Zimmer im Elternhaus noch eine Art Diskothek für Arme war, mit farbigen Lichtern, Mischpult und Spiegelkugel an der Decke. Zu dieser Zeit war die höchstentwickelte Form des Balzrituals das Herstellen selbstgemischter Kassettli, die man der Angebeteten unbemerkt auf ihrem Pult im Klassenzimmer deponierte.
Pädagogisch wertvoll
Der Pacemaker ist eine Art iPod plus Disco, er speichert 120 GB Musik und ist gleichzeitig ein Mischpult. Reeto von Gunten schrieb im Magazin: «Der Pacemaker ist der iPod, den Apple nicht erfunden hat.» Zunächst macht schon das Auspacken Freude, weil der Hosensack-DJ und sein Zubehör einzeln in mattschwarzen grösseren und kleineren Schachteln stecken; das hätte Apple jedenfalls nicht besser verpacken können. Die mitgelieferte Software überträgt Musik aus einem Programm wie iTunes umstandslos. Allerdings braucht es Geduld. Bis unsere 4500 Songs kopiert waren, konnten wir uns gut ein paar Stunden hinlegen.
Die Bedienung des Geräts funktioniert ähnlich wie bei einer Spielkonsole mit diversen Tasten, Riegeln, einem berührungsempfindlichen Bedienfeld und vor allem in der Kombination aller dieser Elemente. Es braucht schon Übung, bevor man unter Einsatz des Pacemaker die Gunst einer Frau versucht zu erlangen oder gar vor einer breiteren Öffentlichkeit auftreten kann.
Das Mini-Mischpult hat zwei Kanäle und eine automatische BPM-Messung (beats per minute), die aber leider ungenau ist, das heisst, für einen schönen Übergang braucht es trotzdem Können und Musikgehör, man kann sich nicht allein auf die Technik verlassen. Zusätzlich kann man Effekte zumischen, Loops erstellen und natürlich seine Mischkunstwerke aufnehmen und weitergeben. Was früher das Kassettli war, ist heute das MP3-File, dem die Romantik leider abgeht.
Fazit: Der Pacemaker ist vielleicht das ideale Geschenk für Jugendliche, die «etwas mit Musik» machen wollen und deren Eltern Vorbehalte gegenüber diesen «gewaltverherrlichenden Videospielen» haben. Eine Art Spielkonsole mit dem Prädikat «pädagogisch wertvoll». Es braucht keine grosse und teure Anlage, und man kann ihn überallhin mitnehmen. Das persönliche Fazit: Irgendwann ist man glücklicherweise zu alt dafür.

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