Vergangene Woche war ich in Mailand. Ich hatte eine Einladung von Tod’s, einem Schuh- und Lederwarenhersteller, zu einem Cocktail. Falls man meint, so ein Anlass in der Boutique sei fast ein wenig klein für MvH, freut mich das im Grunde, doch ich darf aufklären: Kein Anlass ist zu klein in Mailand für MvH. Die Stadt ist schliesslich eine style capital der Welt. Und es ist egal, um was für eine Veranstaltung es sich handelt bzw. wann diese stattfindet (ausser während ferragosto, logisch). Any given event, muss man sagen, obwohl man Neopatriot und Schweizfan ist, ist gut und vermutlich besser als ein sehr guter in Zürich oder Basel. (Falls man «besser» als gleich annimmt wie «Schönheit zum Aufsaugen für das Auge» jedenfalls.) Basel, nebenbei, würde ich hier eigentlich nicht bringen, ist ein bisschen Champions League verglichen mit Challenge League sozusagen, wenn nicht . . . mehr weiter unten.
Das war jetzt ein Klischee (Events in Mailand hui; in CH pfui), ich weiss. Und das will man nicht von mir, weil das Klischee der Handlauf des verkrüppelten Verstands ist (der ist nicht von mir; Klischees sind aber oft richtig, vom Entwurf her, muss man auch sagen). Auf jeden Fall ist ein Anlass, an den der Veranstalter Journalisten und Leute wie Ihren Kolumnisten einlädt, ein Anlass, von dem man ziemlich viel erwarten darf, finde ich. Beispielsweise dass man den Gastgeber trifft (Diego Della Valle, dem zirka zwei Drittel der Firma Tod’s gehören, stand beim Eingang und talkte small mit jedem, der wollte). Oder dass es bereits recht viele Gäste gibt, obwohl man fashionably early kommt (Cocktail von 18 bis 22 Uhr, MvH war um 19 Uhr dort, man hat Pläne für später, no?). Und dass einem mindestens eine Person begegnet, die bekannt genug ist, dass man sie nicht einführen muss bei seinen Lesern – Fiona Swarovski. Sie hat, wenn wir es schon von ihr haben, gute Beine, ist schön aufgemacht und lustig in der Art. Aber in meinen Augen nicht so betörend, wie es immer heisst in Zeitungen und Zeitschriften. (Man möchte die Zeile «hinten Lyzeum, vorne Museum» erfinden, wenn es sie noch nicht gäbe.)
Jetzt zum Handlauf des verkrüppelten Verstands. Was chez nous viele Leute nicht wissen, so sieht es aus: Man muss als Gast auch etwas tun, damit aus einem Anlass ein Anlass wird. Beispielsweise sich zurechtmachen. Ausgehen ist ein Job, sage ich immer (und zwar nicht nur, wenn man MvH ist, auch für Frauen). Das heisst, es ist okay, Jeans, T-Shirt und Ballerinas zu tragen – falls man ein Supermodel ist. Alle anderen better do dress up. In Mailand kommen sie vom Coiffeur, in Kleidern (mit Ausschnitt) und auf Absätzen. In Zürich werden Haare zusammengebunden («Es gibt Wichtigeres als Haare waschen, oder?»), haben Frauen abends Hosen und Tops an, die tagsüber gut genug waren für das Büro, und Schuhe, die atmen. Nicht alle in Zürich, schon klar; als MvH muss man ab und zu ein terrible simplificateur sein. (Die meisten meiner Leserinnen z. B. sind vermutlich anders, mehr Milano-mässig, nehme ich an.) Interessant, weshalb ist das so? Weil es auf Veranstaltungen in Mailand (Paris, London, irgendwo) immer mehr Frauen gibt als Männer; das ist von dem Abc des «How to throw a party» das A. Bloss in Zürich ist das Zahlenverhältnis wie in einer Singlebar.
Nach Basel. Bei der Veranstaltung «25 Jahre Tally Weijl» handelte es sich im Grunde um einen Mitarbeiteranlass. Ich finde es ja in Ordnung, wenn Firmenjahrestage für Angestellte sind und diese einen Abend mit Alkohol, Housemusic und Stepptanzen bekommen. (Nur weiss ich nicht, weshalb man dann Journalisten und Leute wie Ihren Kolumnisten einlädt und ihnen «internationale Topmodels» sowie «nationale Prominenz» verspricht.)
On the bright side: Der Veranstaltungsort mit Namen «Markthalle» hat mich beeindruckt – so etwas Grosses gibt es nicht in Zürich. Und die Firmenmitgründerin Tally Elfassi-Weijl war zurechtgemacht wie eine Frau, die ausgeht in Mailand. Ihre zirka tausend Verkäuferinnen trugen in der Mehrheit Kleider («totally sexy», Eigenwerbung) aus ihren Geschäften, glaube ich (MvH ist nicht der Kenner von, sagen wir, Budgetmode für unter Zwanzigjährige). Das ist eine schöne Corporate-Identity-Botschaft, in meinen Augen. Aber nicht so ein schönes Bild. Man kann etwas auch zu sehr wollen (totally sexy sein nämlich). Ich wünschte mir tausend Zürcherinnen um mich.













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