Was griechischen Wein betrifft, gilt für mich der Satz des grössten Atheners aller Zeiten: «Ich weiss, dass ich nicht weiss.» Das stimmt zwar immer, in Bezug auf griechischen Wein aber besonders. Ein paar schreckhafte Erinnerungen an harzigen Retsina, den ich auf Paros in Ermangelung von anderem sozusagen mit zusammengebissenen Zähnen trank. Und die Schnulze von Udo Jürgens. Das war’s. Bis mir diese Flasche von Gaia unterkam. Von Angelo Gaja im Piemont ist sie zwar weit entfernt, ebenso weit aber von meinen bisherigen Vorstellungen von griechischem Wein.
Dabei müsste mit nur mässiger geistiger Anstrengung jeder zum Schluss von Hugh Johnson kommen: dass es «überhaupt keinen Grund» gebe, «weshalb Griechenland nicht in der höchsten Liga der Weinländer vertreten sein sollte: Es verfügt über mehr als 150 einheimische Sorten, ein mildes, maritimes Klima, eine grosse Anzahl innovativer Weingüter.»
Gaia ist ein Weingut auf dem Peloponnes, in der Appellation Nemea, unweit von Korinth, auf dem der Önologe Yiannis Paraskevopoulos und sein Partner Leon Karatsalos Weine machen, die sowohl traditionell als auch modern und jedenfalls hervorragend sind. Ihre jüngste Kreation heisst «Gaia S», sie ist ein Blend von siebzig Prozent Agiorgitiko und dreissig Prozent Syrah. Ersteres ist eine Traube, deren Wein Sokrates vor dem finalen Schierling schon im 5. Jh. v. Chr. im Becher geschwenkt haben könnte, «wenn er, was ihm freilich zuwider war, zum Trinken genötigt wurde; da übertraf er uns alle. Und worüber man sich am meisten wundern muss: Kein Mensch hat jemals den Sokrates betrunken gesehen» (Alkibiades in Platons «Symposion»).
Der erste Jahrgang, der Gaia S 2007, ist eine schöne Fruchtbombe, aber eine mit Struktur, Eleganz, eigenwilligem Charakter, guter Säure. Mittlere Lebensdauer. Kein Schnäppchen, eine Trouvaille, von der gerade mal gut fünftausend Flaschen abgefüllt wurden. Wir bleiben dran. Das Wort «Agiorgitiko» geht mir schon fast flüssig von der Zunge.













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