Vergangene Woche blieb ich in Zürich. Am Donnerstag fand in einem Lokal mit Namen «Härterei» die «Preshow» von Andres «Stress» Andrekson statt. Es handelte sich dabei um einen Auftritt vor der Konzerttournee des Musikers, die demnächst beginnt; die Gäste, nebenbei, waren Gewinner irgendwelcher Wettbewerbe (unten, im Parkett) bzw. Halbprominente (oben, in der Loge). Dort gab es Leute, die es störte, dass der in der Einladung als «riche» beschriebene Aperitif eher pauvre war (Ihr Kolumnist etwa). Und Leute, die schlechtgelaunt waren, vermutlich weil es nicht ihre Show (oder Preshow) war, die aber vor einer Kamera (z. B. von «Glanz & Gloria») sagten, dass sie Stress schon lange kannten und mochten, ihn einen grossen Künstler fänden sowie ihm nur das Beste wünschten. Die Stimmung im sogenannten VIP-Bereich war also, wie immer, sagen wir, halbgut.
Ich, übrigens, kenne Andres schon ziemlich lange ein bisschen. Er ist kein grosser Künstler in meinen Augen, aber ziemlich gut. Was ich sagen will: Seine Musik gefällt mir nicht besonders, doch alles andere, finde ich, macht er gut. Weil er seit Jahren das Gleiche macht. (Früher hiess es, er sei mehr Popmusiker, weniger Hip-Hopper – das war als Kritik gemeint. Jetzt machen ja alle Pop.) So geht das in der Populärkultur. Man kann im Grunde machen, was man will. Man muss es nur lange genug machen. Plötzlich finden einen alle gut. Oder «Kult» oder so.
MvH weiss, wovon er schreibt (um wieder einmal von MvH zu schreiben). Neuerdings bekommt er fast nur wohlmeinende Rückmeldungen auf seine Arbeit. Man mag mich oder findet mich gut wenigstens, so sieht es aus. Ich mache zwar auch seit Jahren das Gleiche, so sehe ich es. Aber das ist okay, der Leser hat recht. Das heisst mit einer Ausnahme: Fernsehauftritte. Vergangene Woche wurde ein kleiner Film über mich, meine Freundin und meine Wohnung ausgestrahlt in der Sendung «Lifestyle», unter anderem auf Tele-Züri. Ich fand es recht gut, aber die Rückmeldungen waren anders. Speaking of which, niemand schaut «Lifestyle» mit Absicht, jeder kam «zufällig» rein. Ferner, Menschen, die am Freitagabend zappen, sind deep thinkers – meine Inhaltsarmut und mein Hedonismus waren ein Problem für sie. Für mich ist es in Ordnung; in ein paar Jahren, denke ich, wird man auch das cool finden. (Die Show von Stress, für die, die es interessiert, empfehle ich, er ist stark auf der Bühne. Und sein neues Album liegt zurzeit auf Platz eins.)
Am Freitag hatte ich eine Einladung zu dem grossen Comeback (Pressetext) der «Casa Bar», eines Lokals im Niederdorf, in dem Livemusik gespielt wird (busy night – mich vom TV ausstrahlen lassen und ausgehen). Die Mischung der Gäste war recht gut. Normalerweise versuchen Organisatoren von Eröffnungen, vor allem sogenannte Prominente zu bekommen. Weil dann darüber berichtet werde, sagen sie (und weil sie sich dann wichtig fühlen, sagen sie nicht). Deshalb machen viele Eröffnungen wenig Spass, sogenannte Prominente sind nicht lustig auf Festen (lesen Sie den ersten Abschnitt noch einmal, falls Sie nicht wissen, worauf ich hinauswill). Der neue Chef, Rudi Bindella jr., mit dem ich bekannt bin, hatte auch Leute eingeladen, die nicht halbprominent sind. Das ist gescheit, weil diese vielleicht wieder einmal hingehen, sogar wenn sie für Getränke zahlen müssen. Und einige junge, ziemlich gutaussehende Mädchen, Halbmodels würde ich sagen, das schadet auch nie.
Gaststar war Polo Hofer. Fast ein Scoop (er ist im Grunde nicht zu haben für Kleinkunst; MvH hat er auch schon eine Absage gegeben). Und ein smart move sowieso. Weil man an ihm irgendwie nichts aussetzen kann (lesen Sie den zweiten Abschnitt noch einmal, falls Sie nicht wissen, worauf ich hinauswill). Ferner ist er nicht nur ein guter Livemusiker, sondern auch lustig, sagt Sätze wie: «Ich bin der Bandleader, der, der am meisten liidet.» (Guschti Brösmeli und Hans Jucker fand ich nicht lustig vergangene Woche, ich weiss, ich weiss.)
Dann sagte er noch, wenn sie in Zürich einen brauchen würden für etwas Spezielles, eine Eröffnung oder so, dann holten sie einen in Bern. Das sei schon bei Roger Schawinski so gewesen. Da hat er einen Punkt, darf ich sagen.













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