Leserbriefe

«Der ‹Pass 2010› macht alle zu Verdächtigen.» Peter Aebersold

Schengen bringt die totale Überwachung

Nr. 16 – «Schütze uns vor dem Datenschutz»; Alex Baur über den biometrischen Pass

Der Bundesrat begründet den Zwang zur Abgabe von biometrischen Daten für den neuen «Pass 2010», über den am 17. Mai 2009 abgestimmt wird, mit dem Schengen-Abkommen. Bei der Schengen-Abstimmung köderte man uns mit der Abschaffung der Grenzkontrollen. Eine Tatsache ist, dass jede Person, die inskünftig den mit einem RFID-(Radiofrequenz-Identifikations-)Chip mit Antenne versehenen «Pass 2010» auf sich trägt, nicht nur an der Grenze, sondern überall mittels Fernabfrage unbemerkt registriert werden kann. Schengen bringt somit nicht weniger Kontrollen, sondern im Gegenteil die totale Big-Brother-Überwachung, den «gläsernen» Bürger. Fingerab-drücke wurden bisher nur Verbrechern abgenommen. Mit dem Fingerabdruck-Zwang für den «Pass 2010» wird jedermann zum potenziellen Täter und Verdächtigen gemacht. Die zentrale, obligatorische Speicherung von Fingerabdrücken verstösst laut einem kürzlich gefällten Urteil des Gerichtshofs für Menschenrechte in Strassburg gegen die Euro- päische Menschenrechtskonvention.
Peter Aebersold, Zürich

Im Zusammenhang mit der Einführung des biometrischen Passes wird zurzeit heftig über Fingerabdrücke und Bilder diskutiert, die künftig auf einem Chip gespeichert werden sollen. Doch bei biometrischen Systemen werden in der Regel bloss einige spezifizierte Erkennungsmerkmale gespeichert. Dies sind bestimmte Punkte (sogenannte Minuzien), die aus dem Fingerabdruck extrahiert werden. Dies wird vor allem auch gemacht, weil einerseits das Speichern des gesamten Bildes eines Fingerprints in einem Chip aus Platzgründen gar nicht möglich ist und weil andererseits das Vergleichen von Bildern beim Scannen viel zu fehleranfällig und zu langsam wäre. Fazit: Es ist gar nicht möglich, aus den gespeicherten Daten den Originalfingerabdruck oder ein komplettes Gesichtsbild zu rekonstruieren, weil nur einige Fixpunkte gespeichert sind. Marcel Tujetsch, Reichenburg

Kleinkarierter Literaturmarkt

Nr. 16 – «Die Indianer schreiben zurück»; Peter Keller über den Schriftstellerstreit

Peter Keller beschreibt die Mentalität unserer «Literaten» sehr gut. Den meisten von ihnen ist der Schweizer Literaturmarkt zu kleinkariert, man sucht den Erfolg in Deutschland. Peter von Matt bringt es auf den Punkt: «Schweizer Schriftsteller, die in Deutschland nicht ankommen, haben auch bei uns längerfristig keine Chancen.» Um in Deutschland anzukommen, muss man sich dort offensichtlich anbiedern und ideologisch andienen. Am besten dadurch, dass man die Schweiz schlechtmacht. Nur dann stimmen Prestige, Karrierehoffnungen und Kasse. Eigenartig ist nur, dass diese literarischen Miesmacher oft und sehr gerne von schweizerischen Kulturgeldern profitieren. So finanzieren wir deren internationale Verunglimpfungen. Die Lösung wäre einfach: Geben wir diesen Karriere-Literaten kein Brot mehr. Dann können sie auf eigene Kasse singen, was sie wollen. Roland Burkhard, Bern

Sind wir alle nur noch Schafsköpfe?

Nr. 16 – «Auf drei Augen blind»; Silvio Borner über die Wurzeln der Krise

Jede Art der Realwirtschaft mit der Zweckbestimmung, die materiellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen, ist moralisch. Umso erfreulicher die Schlussfolgerung aus dem Urteil, dass es dem Schweizervolk an Unrechtsbewusstsein mangelt, weil es sich eben moralisch verhält. Wirtschaftswissenschaft aus der Hochschule von St. Gallen lehrt: Gier ist geil. Und: Mit der Beteiligung am Spiel im globalen Spielkasino der Finanzwirtschaft nach Formeln von Nobelpreisträgern kann man erheblich mehr gewinnen als mit Realwirtschaft. Wir, der Realwirtschaft verhaftete Schweizer, sind also elende Trottel. Und das muss wohl so sein; denn anders würde die studentische Jugend in St. Gallen ihren Lehrern gegenüber die Revolution ausrufen. Aber wie äussert sich jugendliche Vernunft unter den immerhin volljährigen und stimmberechtigten Studenten? Haben wir denn alle nur noch Schafsköpfe? Gerbert Kern, Binningen

Verlogene Vereinigung

Nr. 16 – «Mächtige Heuchler»/«Editorial»; Markus Somm und Roger Köppel zur G-20

Die Analyse von Roger Köppel und die Recherche von Markus Somm machen deutlich, dass es sich bei der G-20 um eine verlogene und äusserst gefährliche Vereinigung handelt. Die Eigeninteressen der Mächtigen und derer, die sich mächtig glauben, stehen im Vordergrund. Eine Lektüre der Weltwoche dürfte Barack Obama und Gordon Brown nicht schaden, und Übersetzer hat es in Washington und London genug. Peer Steinbrück, der keinen Übersetzer nötig hätte, ist dispensiert. Er wird erst erwachen, wenn noch mehr tüchtige Deutsche ihr Land verlassen haben. Wolfgang Sidler, Luzern

Läppische Gründe

Nr. 16 – «Bis dass das Bett euch scheidet»; Beatrice Schlag über getrennte Ehebetten

Psychologen und Schlafforscher sind verbildet, wenn sie getrennte Betten und Schlafzimmer befürworten. Dazu noch aus solch läppischen Gründen. Wie vertragen sich solche Paare im Alltag, wo es noch und noch Konfliktmöglichkeiten gibt? Diese bleiben wirklich besser Singles. Elisabeth Wüthrich, Fraubrunnen

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben