Im Gespräch

«Mode bedeutet experimentieren»

Matthew Williamson, Ex-Kreativchef von Pucci, ist der neue Gastdesigner von Hennes & Mauritz.

Von Jürg Zbinden

«Ich sehe gerne smart aus»: Modedesigner Williamson. Bild: H&M

Was bewegt Sie dazu, für H&M zu entwerfen?

Mir war klar, dass die Zusammenarbeit mit H&M die Marke Matthew Williamson viel bekannter machen würde. Zudem gefiel mir die Vorstellung, dass meine Entwürfe so vielen Menschen in aller Welt zur Verfügung stehen.

Ist Ihre Kollektion für H&M ebenso bunt wie für Pucci?

Absolut! Für die erste Fashion-Collection ab 23. April in ausgewählten Stores war mein Ziel, eine sehr urbane Kollektion mit meinen typischen Farben und Prints zu entwerfen. Der Geist dieser Kollektion atmet Begehren und Kostbarkeit, die Palette ist inspiriert von der Natur: Neben farbenprächtige Pfauenfedern habe ich eher gedämpfte Olive- und Erdtöne gesetzt.

Welche Frau stellen Sie sich vor?

Die Matthew-Williamson-Frau hat ihren eigenen Stil und mag Kleider, die exotisch und zukunftsgerichtet sind. Ihr Look vereint Weiblichkeit und eine gewisse Härte, etwa eine lederne Bikerjacke, kombiniert mit einem langen, bedruckten Rüschenkleid aus Seide. Die Gesamtwirkung ist müheloser Glamour.

Wie sieht die Kollektion aus?

Die erste Kollektion ist kleiner, urbaner. Ihre Highlights sind die glänzenden, taillierten Teile und die bedruckten Pailletten-Trägerkleider. Die zweite Kollektion ist sommerlicher und mehr auf Mainstream ausgelegt. Sie wird in allen Stores von H&M zu kaufen sein und ist über längere Zeit erhältlich, neben der regulären Sommerkollektion.

Wer ist die bestgekleidete Frau?

Frauen, die sich nicht ständig nach Konventionen richten, die sich für sich selber anziehen, selbstsicher und extravagant.

Welcher Mode-Fauxpas ist unverzeihlich?

Kein Look ist komplett daneben – Mode bedeutet experimentieren!

Ist Sienna Miller noch immer Ihre Muse?

Celebrities sind für die meisten Designer wichtig geworden, wenn nicht sogar für alle. Sienna ist eine Freundin von mir. Sie sieht einfach fantastisch aus in meinen Kleidern.

Was gehört in den Kleiderschrank jeder Frau?

1. ein dünner, die Taille betonender Neongürtel aus Lack, zu tragen über lange Cardigans und Tops. 2. Reisepass-Täschchen, Gepäckschild, Handtuch, Strandtasche, Portemonnaie für die elegante Sommerreise. 3. auffällige Weste, zu tragen mit farbigen Röhrenjeans oder zu Shorts und bedrucktem T-Shirt. 4. bodenlanges Abendkleid aus bedruckter Seide. 5. ein Paar Stiletto-Gladiatorsandalen in greller Farbe.

Und in den Männerschrank?

1. Anzug – meine Massanzüge macht Luke Sweeney in der Londoner Savile Row. 2. Jeans – die Jeans aus meiner Kollektion sind modern, in leuchtenden Farben. 3. Sonnenbrille, ein Must für den Sommer. 4. ein smart shirt. 5. Schal. Kann jede Saison von neuem getragen werden.

Ihr Markenzeichen sind die Farben. Auch bei Männern?

Natürlich. Die Entwürfe basieren auf mir, meinem Stil. Ich sehe gerne smart aus, aber nicht so, dass es den Gesamteindruck stört.

Welches Alter stellen Sie sich vor, wenn Sie entwerfen?

Als ich anfing, hatte ich sehr konkrete Vorstellungen von meinen Kundinnen. Heute ist mein Geschäftsfeld viel grösser, und deshalb empfinde ich es als einengend, nur an ein Girl zu denken. Schliesslich ist die Kundschaft so vielschichtig. Mein Haupteindruck ist, dass meine Kundin eine künstlerische Frau ist. Sie möchte keine Uniform tragen.

Wer ist der zeitloseste Modedesigner?

Ich habe immer das Werk von Emilio Pucci bewundert. Sein Umgang mit Farben und Prints war der eines Pioniers. Ich liebe auch seine Materialien, besonders den Seidenjersey, der den Gewändern dieses Fliessende hinzufügt.

Welchen Stil mögen Sie nicht?

Den minimalistischen, zweckmässigen. Er widerspricht meinem ästhetischen Verständnis.

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