Wenn man mit Claude Béglé spricht, bekommt man den Eindruck, der Telefonhörer vibriere. Der 58-jährige Waadtländer war sein Leben lang Unternehmer, wie sein Vater auch schon, der seinerzeit Suchard/Tobler leitete, als die Schokoladenfirma noch zu den grössten Unternehmen des Landes zählte. Energie, Kraft, unorthodoxe Herangehensweise ist zu spüren. Nun ist der Unternehmer Béglé in der Post angekommen, einem ehemaligen Regiebetrieb, der sich seit Jahren vor allem mit zu vielen Poststellen herumschlägt. Längst müsste man sie abbauen. Die föderalistische Schweiz, deren Demokratie in den Dörfern gewachsen ist, hat sich eines der dichtesten Filialnetze der Welt geleistet. Unklar ist, wie wichtig dieses Netz überhaupt noch ist. Die Gewerkschaften haben die Post im Dorf inzwischen zu einem heiligen Gebäude umgebaut, an dem die Leute angeblich wie Gläubige hängen. Béglé trägt diesen Bedenken Rechnung und geht behutsam vor: Bis Ende 2011 will die Post ein Fünftel ihrer Filialen «überprüfen», wie das Politik-verträglich formuliert wird. Béglé ist überzeugt, dass ihm die Quadratur des Kreises gelingt: als Unternehmer ein Unternehmen zu führen, das sich auch als nationales Monument versteht.
Das New York des Landes Israels: Nicht mehr und nicht weniger strebten die Gründerväter von Tel Aviv an, als sie vor hundert Jahren mit dem Bau der Stadt begannen. Und noch ein Vergleich schwebte ihnen vor. So, wie St. Petersburg in der Wildnis entstanden war, sollte auch die Geschichte von Tel Aviv aussehen – eine «Wunderstadt», die auf dem Sand wuchs. Einflüsse aus Berlin, Warschau und London waren in der ersten hebräischen Stadt denn auch hochwillkommen. Tel Aviv müsse eine moderne Stadt werden, die sich von der Heiligkeit und der Schwere Jerusalems abhebe, wünschten sie sich. Zum Jubiläum ist unser Nahost-Korrespondent Pierre Heumann der Frage nachgegangen, was heute die Faszination der Küstenstadt ausmacht.
Es ist eine Premiere für die Schweiz: Eine Zürcher Firma bietet einen Gentest an, mit dessen Hilfe man seine Vorfahren bestimmen kann. Nicht wie bei einem Stammbaum bestenfalls ein paar hundert Jahre zurück, sondern Tausende. Die neuen Möglichkeiten der Genetik, von der Wissenschaft längst als seriös beurteilt, rufen Kritiker auf den Plan. Der grüne Waadtländer Ständerat Luc Recordon hält den Test für «rassistisch». Kulturchef Philipp Gut ging der Sache auf den Grund.
Vince Ebert hat einen Berufswechsel der besonderen Art hinter sich: Vom Physiker wurde er zum Komiker. Das aktuelle Programm des Deutschen verspricht ebenfalls eher Ungewöhnliches. «Denken lohnt sich!» ist Aufforderung und Verheissung zugleich. Vor allem aber etwas vom Schärfsten, was das deutschsprachige Kabarett derzeit zu bieten hat. Ebert, demnächst in der Schweiz zu sehen, bringt die Präzision naturwissenschaftlichen Denkens auf die Bühne – und den gefühligen Zeitgeist mit seinen liberalen Positionen gegen sich auf. Unser Autor Dirk Maxeiner hat den «lustigsten Physiker Deutschlands» (Selbstdeklaration) zum Gespräch getroffen.
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