Stil & Kultur

Busen der Muse

Von Bettina Weber

Feiner Sinn für Humor: Model Pamela Anderson, Modemacherin Vivienne Westwood. Bild: Jürgen Teller

Sie ist die Grand Old Lady des Punk, und sie mag es immer noch shocking. Recht so. Der Modewelt sind die Eigensinnigen, die Wilden und die Schrägen abhandengekommen. Die Branche ist zum sandgestrahlten Business verkommen, in dem Manager das Sagen haben. Der Kreativität bekommt das nicht; Designer sprechen artig auswendig gelernte Sätze der PR-Abteilung in die Mikrofone und verbreiten Langeweile.

Eine Westwood macht da nicht mit. Wer der Welt die Sicherheitsnadel als Ohrschmuck geschenkt hat, verfügt über einen eigenen Kopf und färbt die Haare darauf auch mit 68 noch in Signalorange. Wer einst einen Laden führte mit dem Namen «Sex», mag es nicht aseptisch und erst recht nicht politisch korrekt, sondern deftig. Weshalb la Westwood für die Kampagne ihrer aktuellen Frühling/Sommer-Kollektion nicht irgendeine Hollywood-Berühmtheit engagierte. Auch nicht die Leadsängerin einer Untergrund-Band mit intellektuellem Anstrich, was Modemenschen ihres Komplexes wegen besonders gerne tun. Westwood setzte auf Ex-«Baywatch»-Nixe Pamela Anderson.

Auf eine Frau aus den Niederungen des Entertainments also, die bekannt wurde, weil sie in Zeitlupe den Strand entlangrannte und die Gründe, denen sie ihre Karriere verdankt, optimal ins Bild setzte. Auf eine Frau, an der stets alles zu viel ist, die grosszügige Menge an Make-up, an Wasserstoffperoxid, an Silikon. Westwood setzt auf Trash. Und beweist gerade damit einen feinen Sinn für Humor: Sie lässt eine, deren Berühmtheit darauf fusst, Kleider auszuziehen, Kleider anziehen.

Natürlich liess sie es sich nicht nehmen, auf gewissen Sujets mitsamt ihrem bärtigen Gatten Andreas Kronthaler höchstpersönlich neben Anderson zu posieren. Und sie beliess es auch nicht bei den Aufnahmen des Fotografen Juergen Teller, sondern würzte die Präsentation ihrer Kollektion diesen Februar in Paris mit der Anwesenheit von Miss Anderson. Diese stöckelte sehr vergnügt über den Laufsteg, liess den Busen wippen, und ein ehemaliges Playmate muss man nicht lehren: Selbstverständlich blitzte am Ende eine Brustwarze neckisch aus dem im Grunde gar nicht so tiefen Ausschnitt hervor.

Die hauptsächlich weiblichen Berichterstatter der internationalen Modepresse sassen schmallippig da und mochten sich nicht so recht anstecken lassen von der fidelen Stimmung auf dem Laufsteg.

Das war ihnen dann doch zu wenig der Ernsthaftigkeit.

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