Schon beim Eintreten fühlt man sich in der Gaststube des Restaurants «Bänziger» in Seon wie zu Hause. In den letzten Jahren hat sich eingangs des schönen Seetals Martin Bänziger einen ausgezeichneten Ruf in der Region und 15-Gault-Millau-Punkte erkocht.
Aus der Küche grüsst zunächst eine feine Zanderterrine, und flott gehts voran, schon kommen violette Artischocken mit Kaninchenleber. Die dezente Bitternis des Gemüses verbindet sich schön mit der Süsse des Fleisches. Der zweiten Vorspeise, einem Tunfischcarpaccio mit Morcheln, liegen ausgezeichnete Rohstoffe zugrunde, nur leider ist das Balsamicodressing etwas zu sehr gewöhnliche Salatsauce, die man schon vom ersten Gang zu kennen meint.
Der Duft von Rosmarin erreicht uns, er begleitet das Gitzi aus Frankreich, das wir zur Hauptspeise erkoren haben. Das Fleisch ist perfekt zart, der Geschmack des Gewürzes intensiv, aber nicht so was bei Rosmarin schnell einmal der Fall sein kann , dass man glaubt, ein Duftbäumchen fürs Auto auf dem Teller liegen zu haben. Meine Abendbegleitung freut sich über Ricottaravioli an einer Bärlauchsauce. Auch wenn Martin Bänziger nicht der Erste ist, der diese Teigwaren zubereitet, schafft er es, ihnen eine eigene Note zu geben.
Bis zum Dessert (wunderbare Quark- und Orangensoufflés) bestätigt sich der erste Eindruck: In einer wohltuenden Unaufgeregtheit präsentiert Bänziger seine Arbeit, die Präsentation ist bodenständig und kommt ohne Dekorations-Chichi aus. Das passt zur warmen Atmosphäre im Lokal, wo Bücher, Mare- und Du-Ausgaben Wohnzimmeratmosphäre schaffen. Und es passt zum sympathischen Koch selbst, der uns zum Schluss bei der Wahl des Grappas (es wurde dann ein empfehlenswerter Malanser Marc von Studach) beratend zur Seite steht. Da will einer einfach nur gut kochen. Mit dieser unspektakulären Einstellung kann man hier schon weit kommen. Das ist das Schöne am Aargau, sagen wir, im Vergleich zu einer Stadt wie Zürich.

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