Heute gibt’s eine Lektion in Steuerbiologie. Hier unterscheiden wir drei Vegetationsformen: die Steueroase, die Steuerwüste und den Steuerdschungel. Durch den Steuerdschungel muss sich jeder Bürger schlagen, der ohne Steuerberater, quasi ohne Steuertarzan, sein Einkommen und sein Vermögen deklarieren will. Im Kanton Zürich hat man sich erst einmal durch eine 48-Seiten-Wegleitung zu kämpfen. Dann folgt der Dschungelpfad selbst: die Steuererklärung. Zwölf Seiten plus weitere Beiblätter.
Wer sich nun in diesem Dschungel verheddert. Oder beim Wertschriften- und Guthabenverzeichnis das Sparkonto seines Patenkindes nicht anmeldet. Oder wenn die paar hundert Franken bei den Nebeneinkünften vergessen gehen, die ein Hobbyimker für seinen Honig einlöst, dann heisst das in der Schweiz Steuerhinterziehung. Wer erwischt wird, bezahlt eine Busse. Man könnte auch sagen, Staat und Bürger spielen Katz und Maus. Da in der Schweiz wegen der direkten Demokratie die Mäuse, sprich die Bürger, bei den Steuergesetzen mitentscheiden, liegen die Sympathien im Steuerdschungel eher weniger bei den Katzen.
Für Deutschland ist das «inakzeptabel». Dort werden Mäuse kompromisslos gejagt. Notfalls mit der Kavallerie. Da gibt’s keine Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug. Darum will der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück «Steueroasen» wie die Schweiz trockenlegen. Gewissermassen verwüsten. Hier liegt das erste Missverständnis vor. Steinbrück versteht nichts von Pflanzenkunde. Nicht alles, was grün ist, muss eine Oase sein. Wie eingangs dargelegt: Wir Schweizer empfinden unser Steuerdickicht höchstens als bürgerfeindlichen Dschungel.
Als «Wüstenfuchs» ging der Nazigeneral Erwin Rommel in die Geschichte ein. Gewiss, der Steuerwüstenfuchs Steinbrück mag solche Vergleiche weniger. Aber wer mit der Peitsche knallt, darf nicht mit Zuckerbrot rechnen. Für den normalen Bürger, meinte der deutsche Oppositionspolitiker Guido Westerwelle an die Adresse Steinbrücks, sei kaum die Oase, sondern vielmehr die Wüste drum herum das Problem. «Blühende Landschaften» versprach der frühere Bundeskanzler Kohl seinen wiedervereinigten Landsleuten. Und jetzt blüht uns allen ein Leben in Steinbrücks Konzept «Steuerwüste».

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