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25.03.2009, Ausgabe 13/09

Porsche Carrera Cabrio (Bj. 1983-1989)

Wie von Jil Sander designt

Die erste Liebe unseres Autors war der Prosche 911 von 1983. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Von Ulf Poschardt

Bild: Porsche-Werksfoto

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In Marcel Prousts epochalem Prosawerk «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» gibt es jenen vielzitierten Moment, als der Erzähler durch den Genuss einer Madeleine durch einen Zeittunnel zurück in seine glückliche Kindheit fällt. Meine Liebe zum Auto kennt zweierlei Ursprungserlebnisse. Frühestkindlich die Liebe zu Sportwagen als Spielzeug im Kinderzimmer wie auf der Strasse. Bei Porsche 911 weigerte ich mich weiterzugehen und starrte. Das zweite Erlebnis war in der Pubertät, als mir der Nachbarsjunge von der IAA in Frankfurt den gewünschten Porsche- 911-Katalog mitbrachte. Das war 1983, und gerade wurden das neue Carrera-Coupé und -Cabrio vorgestellt: mit 231 statt 204 PS wie beim Vorgänger SC.

Ich verbrachte den gesamten Spätsommer mit dem Katalog, lernte ihn auswendig. Damals, als ich mein Taschengeld für einen Hungerlohn in einer Textilfabrik aufbesserte, erschien es mir nahezu unwirklich, ein solches Auto zu fahren oder gar zu besitzen. Schon ein paar Jahre später geschah zuerst das eine, dann das andere. Aber seither ist für mich der 911 Carrera der Baujahre 1983 bis 1989 die Urreferenz des 911ers. Glücklicherweise gibt es auch andere, weniger existenzialistische Expertisen, die dieses Modell zwischen den alten Chrom-Ur-Elfern und den modernen «Hängebauch-Elfern» als einen der ausgereiftesten Porsches aller Zeiten ausweisen. Er sieht aus, als hätte ihn Jil Sander designt, die diesen Elfer selbstverständlich in Dunkelblau fuhr.

Der 3,2-Liter-Boxer brummt mit tiefem Bass und lässt sich unverschämt schaltfaul durch die Stadt bewegen. Während die 245 km/h heute als vergleichsweise übliche Spitzengeschwindigkeit gelten dürfen, war das Anfang der achtziger Jahre beeindruckend schnell. Die heute noch aktiven, gutgepflegten Carrera werden allerdings selten über die Autobahn gehetzt. Heute ist dieses sogenannte G-Modell-Cabrio der Ausweis eines ebenso raffinierten wie soliden Geschmacksbürgertums. Es ist das automobile Äquivalent zur Hermès-Kollektion oder zu einer Walter-Gropius-Villa in Dessau. Aber viel günstiger.

Die Krise in den USA und der schwache Dollarkurs verhelfen scheckheftgepflegten Garagenwagen aus Kalifornien oder Hawaii zu einer Reise über den Atlantik. Ab 30 000 Franken bekommt man ein vernünftiges Sommergefährt, das auch als Design-Klassiker Wertsteigerung erfahren dürfte. Die meisten US-Importe verfügen über einen Katalysator, ansonsten lassen sich diese besonders in den Modellen ab 1985 problemlos einbauen. Verbrauchswerte knapp über zehn Liter sind praktisch möglich, zwei Kindersitze lassen sich im engen Fond platzieren, und das Geräusch des startenden luftgekühlten Boxers ist bei diesem Carrera so elegant wie bei keinem anderen. Oder hat das mit meiner einsamen Jugend zu tun?

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 13/09
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Kommentare

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Miggu,dasKnechtli     29.03.09 19:52

Und warum, Herr Poschardt, haben sie eigentlich keinen Porsche geheiratet?

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poschardt porsche

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