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25.03.2009, Ausgabe 13/09

MvH

MvH im Hotel

Ihr Kolumnist schläft für Sie. Dieses Mal in Vier-Sterne- Häusern in den Schweizer Bergen. Gute Nacht.

Von Mark van Huisseling

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Vergangene Woche war ich in Klosters und Arosa. Ich war eingeladen an zwei Veranstaltungen, von denen ich lieber nichts erzähle. Das nennt man Win-win-Situation: Die Veranstalter müssen nichts Schlechtes lesen über ihre Events. Und MvH muss nicht schreiben, dass er auf zwei B-Anlässe ging (bestenfalls).

Deshalb kommen heute in dieser Spalte keine sogenannten Prominenten vor (es geht um Wichtigeres). Ich verbringe im Jahr zirka hundert Nächte in Hotelzimmern. (Das für die Direktion der Häuser, die vorkommen – meine Leser wissen, dass MvH sich auskennt.) Ferner bin ich Neopatriot, ich meine, das ist schliesslich die Weltwoche, ich finde also fast alles in der Schweiz im Grundsatz schon einmal gut. Drittens ist der Betrachtungsgegenstand nicht das Top-End, nicht Fünfsternehotels, mit denen ich in der Schweiz eigentlich immer zufrieden war. Ich kümmere mich jetzt um das obere Mittelfeld, Vier-Sterne-Häuser, in für den Tourismus wichtigen Orten.

Hotel Nummer 1 (keine Rangliste): «Crystal», St. Moritz. Gelegen in einem ziemlich modernen Haus mitten im Ort. Mit der Direktorin bin ich ein wenig bekannt. Trotzdem (oder deshalb) sagte sie, ich hätte ein kleines, ruhiges Zimmer. (Dass die Direktorin an der Réception ist, wenn man anreist, ist schon einmal etwas, finde ich.) Das Zimmer war klein, indeed, ein «Hasenstall», in Arve, darf ich schreiben (ich habe 380 Franken dafür bezahlt); ruhig war es auch (Fenster zum Hof). Im Badezimmer gab es Einrichtungen und Armaturen, die schätzungsweise 20 bis 25 Jahre alt waren (vielleicht waren sie weniger alt, aber so sahen sie aus). Die gute Nachricht: Halle, Bar, Restaurants und sogar das Treppenhaus respektive die Gänge zu den Zimmern sind recht chic. Und das «Fahren-Sie-bitte-mein-Auto-vor» funktionierte ohne langes Warten (Platz in Einstellhalle: 20 Franken/Tag).

Hotel Nummer 2: «Silvretta», Klosters. Von aussen gibt einem dieses grosse Haus das Gefühl, man beziehe ein Zimmer im besten Hotel des Ortes, und Halle sowie Réception halten, was die Vorderfront verspricht. Das «Superior»-Doppelzimmer (265 Franken, Einzelbelegung, Mittelsaison) bot viel Platz und war im Grunde nicht mit schlechten Stücken eingerichtet (von denen einzelne vermutlich in einer 3 1/2 -Zimmer-Wohnung in, sagen wir, Olten gut ausgesehen hätten). Aber hier sorgte die Summe dafür, dass ein Auge, das Schönheit aufsaugen möchte, nichts zu saugen hatte, sozusagen, bzw. trocken blieb. Aussicht gab es strenggenommen keine (Zimmer auf der Rückseite), man sah Schnee ohne Berge. Zum Badezimmer: analog Hotel Nummer 1. Genauer, man musste in der Badewanne duschen, und es gab keinen Halter für die Brause. On the bright side: Die «Tiefgarage» befindet sich zwei Türen hinter dem Empfang, was angenehm ist, wenn man ankommt.

Hotel Nummer 3: «Prätschli», Arosa. «Dank prädestinierter Lage längste Sonnenscheindauer», steht auf der Homepage. Das heisst, es liegt weit ab vom Dorf (zirka drei Kilometer, muss nicht schlecht sein). Zimmer 412 (Doppel, Balkon, 420 Franken) war gross, zirka 25 Quadratmeter, und hatte Fernsicht (Südseite). Das Badezimmer, vor kurzem neu gemacht, gefiel mir (Steinboden, Duschkabine). Aber das nützt auch nicht viel, wenn das Schlafzimmer eingerichtet ist, wie man sich eine bulgarische Trinkerheilanstalt vorstellt (dieses Bild ist von einem Schreiber, dessen Namen ich vergessen habe, weil ich nicht dachte, es einmal brauchen zu können).

Ergebnis: Die Viersternehotels, in denen Ihr Kolumnist in den vergangenen fünfzehn Tagen schlief und die in schlechten Zeiten gute Geschäfte machen sollten, sind keine, wo man Ferien verbringen möchte. Falls Häuser des oberen Mittelfelds so etwas wie the backbone unseres Hotelgewerbes darstellen, hat dieses nicht gerade einen offenen Rücken, aber sicher eine Erkrankung der Wirbelsäule. Oder wenn man nur ein Wort hätte, sie zu beschreiben – unsexy. Und da wir es gerade davon haben: Vielleicht sollten Inneneinrichter ab und zu daran denken, dass es Menschen im Hotel gibt, die ab und zu Sex haben möchten. (Nur wegen der neunzig Zentimeter breiten Einzelbetten, die in allen Zimmern standen.)
Kommendes Wochenende, nebenbei, fahre ich nach Como, ins «Le Due Corti». Die Junior-Suite in diesem vielhundertjährigen, vor einigen Jahren renovierten Haus kostet umgerechnet 290 Franken (Jacuzzi im Zimmer).

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 13/09
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Kommentare

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Miggu,dasKnechtli     27.03.09 21:23

2 Dinge erwarte ich von einer gehobenen Absteige:

1. Einen klar erkennbaren Stil in der Bauweise. Architektonische Stilmixturen sind geschmacklos.

2. Man sollte auch bei unverschlossener Zimmertüre ruhig schlafen können.

chateau     27.03.09 20:36

MvH.Einverstanden. Mit den Preisen geht es immer aufwärts, nicht aber mit dem Zimmerausbau und -komfort. Schade.
Ich habe mitten in Weltstädten übernachtet, ohne Verkehrslärm im Zimmer und ohne auf den Hof zu blicken.

mediabuehler     26.03.09 07:39

Mark van Huisseling schreibt genau das um was es geht: man denkt in der Schweiz immer noch, Mittelmass genügt. In Österreich stehen 4Stern-Hotels auf einem anderen Niveau. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt in der Hotelerie der Schweiz weitgehend nicht. Dann ziehe ich - ehrlicherweise - rustikalere 3Stein-Hotels. die oft noch von Familien geführt werden, mit etwas moderateren Preislisten vor.

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