Der Startschuss war ein Peitschenknall. Am 21. Oktober 2008 liess Peer Steinbrück seinem inneren Stiefelreiter die Zügel. Mit Blick auf die Schweiz schnarrte der deutsche Finanzminister: «Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.» So weit Sozialdemokrat Steinbrück.
Bundesrat Moritz Leuenberger nahm die Steinbrück-Rhetorik auf – und zeigte Verständnis. Wenn unser Land sich durch das Zuckerbrot der Grossbanken steuern lasse, müssen «wir uns nicht wundern, wenn andernorts nach der Peitsche gegen unsere Politik gerufen wird». So weit der Schweizer Sozialdemokrat Leuenberger.
Am 5. November 2008 stimmten die Schweizer Sozialdemokraten das Hohelied auf Barack Obama an. Mit «Hoffnung und Zuversicht» gratulierte die SP dem neuen Präsidenten «zum grossen Wahlsieg». In den USA heissen die Sozialdemokraten Demokraten. Kaum im Amt, knöpfte sich Obamas Administration die Schweizer Grossbank UBS vor. Ultimativ verlangten die Amerikaner die Herausgabe von Kundendaten und damit den Bruch mit unserem Rechtsstaat. Die Schweizer Sozialdemokraten applaudierten ihren amerikanischen Genossen und forderten gleich den «totalen Rückzug aus dem Bankgeheimnis».
Nach Konfetti und Karneval treffen sich Deutschlands Parteien jeweils zum politischen Aschermittwoch. Dort geiferte der SPD-Chef Franz Müntefering über die bösen «Steueroasen» und liess seinen inneren Wehrmachtsoffizier marschieren: «Zu früheren Zeiten hätte man da Soldaten hingeschickt.» So weit der deutsche Sozialdemokrat Müntefering.
Statt Soldaten sollte wenigstens die OECD marschieren. Mit der «schwarzen Liste» als Druckmittel. Am 20. Februar – zwei Tage nachdem die Schweiz gegenüber den amerikanischen Erpressungen einbrach – lobte Aussenministerin Calmy-Rey in einem offiziellen Schreiben die «wichtige Arbeit» der OECD. In einem dieser «wichtigen» Arbeitspapiere prangerte die OECD unser «übertriebenes Bankgeheimnis» an. So weit die Haltung der Schweizer Sozialdemokratin Calmy-Rey.
Inzwischen höhnte der deutsche Sozialdemokrat Steinbrück, manchmal reiche es aus, mit der Kavallerie zu drohen. «Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt.» Das Problem ist nicht die Kavallerie. Aber dass die Schweizer Rothäute mit den ausländischen Rothäuten zusammenspannen.

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