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25.03.2009, Ausgabe 13/09

Hochzeit

«Dreihundert Gäste sind wenig»

Die Praxisassistentin Burçak Tuna, 19, und der Informatiker Ufuk Karaca, 23, heiraten im Juni dieses Jahres.

Von Franziska K. Müller

«Wir hielten nie Händchen»: Brautpaar Karaca und Tuna. Bild: Ornella Cacace

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Burçak: Für mich war immer klar, dass ich einen Mann aus meinem Kulturkreis will. Vieles verstehen beide ohne Anstrengung. Zum Beispiel, dass die Heirat ein Neubeginn ist, zu dem erstmalige Erfahrungen gehören. Zusammen leben, im selben Bett liegen, gemeinsam frühstücken: Das ist alles neu und nur für uns. Die Vorfreude ist gross.
Ufuk: Als ich Burçak zum ersten Mal sah, war sie vierzehn und ich siebzehn. Sie kam strahlend auf mich zu, die offenen Haare wehten im Wind. Es war wie in einem Film: Liebe auf den ersten Blick. Bald merkte ich, dass sie eine Persönlichkeit ist. Sie kann halsstarrig sein, und wenn ihr etwas nicht passte, meldete sie sich eine Woche lang nicht. Natürlich geschieht es in der Hochzeitsnacht für beide zum ersten Mal. Burçak sagte mir früh, dass sie von mir auch in dieser Hinsicht das Gleiche erwarte wie ich von ihr: Enthaltsamkeit. So gesehen, führen wir wohl eine emanzipierte Partnerschaft.
Burçak: Ich wählte ihn aus, nicht umgekehrt. Ich sah ihn zum ersten Mal auf einem Föteli bei Ufuks Cousine und sagte: «Der gefällt mir aber. Der ist hübsch.» Sie fragte mich, ob ich Ufuk kennenlernen möchte, und ich sagte: «Ja.» Mein zukünftiger Mann sieht mich nicht als Dienerin, das habe ich früh geklärt. Bei einem Besuch fragte ich ihn beiläufig, ob er meiner Mutter beim Abwaschen helfen würde, er hat das wie selbstverständlich gemacht, und so nehme ich an, dass er manchmal auch die gemeinsame Wohnung staubsaugen wird.
Ufuk: Wir möchten bald Kinder, und für mich ist es selbstverständlich, dass ich für die Familie sorge und arbeiten gehe.
Burçak: Ich werde dann nicht mehr berufstätig sein. Ich finde es wichtig, dass die Kinder eine einzige Bezugsperson haben, die in allen Fragen Ansprechpartner ist. So wird eine gute Erziehung mit einer klaren Linie gewährleistet.
Ufuk: Verbieten würde ich meiner Frau nie etwas. Dazu bin ich nicht der Typ.
Burçak: Das ist auch nicht nötig. Wir teilen dieselben Ansichten: Ich würde nie mit meinen Kolleginnen spätnachts aus dem Ausgang zurückkehren oder in einem Minirock durch die Gegend laufen. Ich bin zwar religiös, stamme aber aus einer liberalen Familie, in der Mutter und Vater arbeiteten und sich die übrigen Aufgaben teilten. Manche türkische Eltern würden es ihren Töchtern nicht erlauben, dass sie ein paar Jahre lang mit einem Mann befreundet sind, bevor geheiratet wird. Es könnte zwischendurch einiges geschehen, und wenn der Freund sich aus dem Staub macht oder es sonst zu einem Bruch kommt, steht die Frau blöd da, weil keiner mehr etwas von ihr wissen will. Ufuk und ich durften zwar gemeinsam weg. Aber meine Mutter sagte immer: «Burçak, pass auch auf, wie du dich in der Öffentlichkeit verhältst.» Darum hielten wir nie Händchen oder so. Die Eltern vertrauten mir und vor allem auch Ufuk.
Ufuk: Ich behandle Burçak bis zu unserer Hochzeit mit der gleichen Liebe, aber auch mit der gleichen Distanz, wie ich eine Schwester behandeln würde. Ich bedränge sie nicht und mache ihr keine Avancen.
Burçak: Das ist eine Frage des Respekts.
Ufuk: Meine Eltern wollten, dass wir später heiraten. Ich bezog klipp und klar Stellung: «Ich will Burçak, und zwar jetzt.» Wir reisten bereits in die Türkei, um Möbel und Teppiche zu kaufen, auch der ganze übrige Hausrat ist nigelnagelneu und lagert verpackt in der Wohnung, die wir nach der Hochzeit gemeinsam beziehen werden. Auch das Fest bezahlen wir selbst.
Burçak: Glücklicherweise leben alle meine Verwandten in der Türkei und können nicht anreisen. So müssen wir nur dreihundert Personen bewirten. Es gibt keinen Dreigänger oder solche Dinge. Wir haben eine riesige Halle gemietet. Alle bekommen eine Mahlzeit, und die nichtalkoholischen Getränke sind auch inbegriffen.
Ufuk: Ein Orchester spielt auf. Wir fahren in einer Stretchlimousine vor. Am nächsten Tag fliegen wir dann in die Türkei in die Flitterwochen.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 13/09
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Kommentare

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chateau     28.03.09 19:55

Schön, was man als Ausländer in der Schweiz alles erreichen kann.Es ist zu hoffen, dass die jungen Leute das auch erkennen und der Schweiz den entsprechenden Dank abstatten durch ein ordentliches Leben und die Zurückgabe erhaltener kultureller Geschenke.
Es ist auch zu hoffen, dass sie die bei uns gewonnene und genossene Freiheit in ihrem Heimatland zur Kenntnis bringen und mithelfen, diese düstere und
für uns ambivalenteTürkei mit dem verlogenen Geschichtsverständnis bez. Armenien etwas aufhellen werden.
Sonst viel Glück mit der Stretchlimo..

Irin     27.03.09 09:51

Der bisher schönste und interessanteste Beitrag in dieser Reihe.
Ich wünsche diesem Brautpaar viel Glück und alles Gute!

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