Sein Eigensinn ist berüchtigt, und er scherte sich nie darum, was das Gewerbe fordert: kommerzielle Erfolge. Mit seinem Erstling «Sex, Lies, and Videotape» (1989) hatte er ihn, um sich danach mit «Kafka» (1991) stur einen Flop zu leisten: Steven Soderbergh. Ein Cineast mit solch energischer Haltung hat im Showbiz bald das Image des Unberechenbaren, und Soderbergh scheint das zu gefallen. Es hält vor allem die Medien auf Trab, wenn er sich – neben seinen Kommerzspässen wie der «Ocean»-Trilogie – wieder in Kamikazeprojekte stürzt. Das über vierstündige Epos «Che» darf wohl dazu gezählt werden. Dutzende Male war Ernesto Che Guevara, berühmtester Revolutionär des 20. Jahrhunderts, heroischer Leinwandheld. Wieso heute, wo Ches Attraktivität längst verblasst ist, auf ihn zurückgreifen?
Vielleicht gerade deshalb. Denn Soderbergh drehte gegen die einstige Pop-Ikone an, die in keiner linksgewirkten WG als Poster an der Wand fehlen durfte – und erreicht, kurios, das Gegenteil. «Che», der in zwei Folgen ins Kino kommt, sucht demonstrativ das Weite vor jeder Revolutionsboutique, vor jeder «Sehenswürdigkeit». Selbst im zweiten Teil («Guerilla» betitelt; ab 23. April), der das Ende Guevaras in Bolivien schildert, vermeidet Soderbergh jenes Bild der Aufbahrung des toten Ernesto, das viele an Christus erinnerte und dazu führte, dass Guevara zum Heiligen stilisiert wurde.
Um dieser masslosen Idolatrie nicht Vorschub zu leisten (man sprach vom «Lord Byron der Revolution»), bleibt Soderbergh (nach einem Drehbuch von Peter Buchman) auf Distanz zum asthmagebeutelten Revolutionär und zeigt ihn nur beim kräftezehrenden Dschungelkampf; statt Heroik profanes Malochen. Che als Anti-Rambo. Im ersten Teil, «The Argentine», lernt der junge Guevara in Mexiko Fidel Castro kennen, folgt ihm nach Kuba, wird Comandante und danach kubanischer Industrieminister und Leiter der kubanischen Zentralbank. Doch in der Politik versagt er ebenso wie auf dem Parkett der Diplomatie. Guevara flüchtet zurück in den Kampf, geht in den Kongo und nach Bolivien und scheitert. Was trieb den gebürtigen Argentinier und Arzt, der in Mexiko verheiratet war (fünf Kinder), in den revolutionären Kampf? Man erfährt es nicht. Weil Soderbergh Guevara nur im Feld beim Schulterklopfen mit Genossen und beim Ballern mit Gegnern zeigt und mit Baskenmütze, Bart, Lockenhaar und Zigarre nur verhuscht ins Bild rückt, brennt sich durch den harschen Naturalismus dann doch wieder der Guevara-Heiligenschein durch. Dass Ernesto über Leichen ging und beim Durchsetzen seiner Ziele skrupellos gewesen ist, wird unterschlagen. Er bleibt so flach wie auf den Postern.

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