Man sitzt vor dem Bildschirm und fragt sich, wie sie das geschafft haben. Eine blauer Querbalken, darunter drei Kolonnen Schlagzeilen so dicht beieinander, dass man meinen könnte, es sei ein zusammenhängender Text. Nirgends ein Foto. Dafür Miniporträts von Politikern, uniform und grau. Wenn es einen Auftritt gibt, der sich durch frugale Ästhetik auszeichnet und dabei dennoch Geld abwirft, dann ist er hier zu besichtigen, auf www.newsmax.com.
«Ja, wir sind langweilig», sagt Newsmax-CEO Chris Ruddy über seinen Online-Auftritt, «aber wir sind gut.» So gut, dass sich die monatliche Besucherzahl im letzten Jahr auf 400 000 verdoppelt hat. Tendenz steigend.
Ruddy, 44, Sohn eines Polizeioffiziers aus Long Island, Gründer und Chef von Newsmax, ist Amerikas neue Nummer eins bei den konservativen Internetmedien. Aus seinem Hauptquartier in West Palm Beach, Florida, mischt er das konservative Kernland auf. Mit einer Batterie von renommierten Korrespondenten haucht er den komatösen Republikanern neuen Kampfgeist ein.
«In bloss zehn Jahren wurde Newsmax ein Machtzentrum und ein Muss in der konservativen Medienszene», schreibt Forbes Magazine. Zu den begeisterten Lesern zählen Newt Gingrich, Doyen der Republikaner, und Senator Joseph Lieberman, der notorische Grenzgänger unter den Demokraten. «Newsmax ist landesweit das einflussreichste Medienprodukt rechts der Mitte», erklärt der frühere Clinton-Stratege Dick Morris, der auf der Site eine eigene Kolumne lanciert hat. Der Schlüssel zum Erfolg? «Ruddy hat ein Sensorium für die Befindlichkeit jenseits der urbanen Wolkenkratzer, er fühlt den Puls im Hinterland.»
Der Aufstieg ist bemerkenswert, denn Newsmax verfügt über kein Radio- oder TV-Leitmedium, das die Kundschaft auf seine Seite lotst. «Wir schaffen es durch Mundpropaganda», sagt Ruddy. «Wir sind der 800-Pfund-Gorilla, der von der anderen Seite der Story berichtet.»
Dabei präsentiert sich die aktuelle Machtsymmetrie in Washington als Glücksfall. Die Politik des 44. US-Präsidenten, mit der dieser innert Wochen nach der Amtsübernahme bereits heftig ins Trudeln geraten ist, macht es Ruddy leicht, Newsmax als Plattform gegen die Obamanomics zu etablieren. «Obama leidet an einem Robin-Hood-Komplex», sagt er. «Sein Stil ist moderat, aber seine Substanz ist radikal.» Kein Wunder, bezeichnet Ruddy den neuen Präsidenten als «meinen heimlichen Freund».
Mit seiner Erfolgsstory gehört er zu den wenigen Gewinnern unter Amerikas Konservativen. Ausgelaugt nach acht Jahren Bush, erlitt die Republikanische Partei einen mittleren Nervenzusammenbruch. Im Januar wurde Michael Steele als erster Schwarzer zum Parteivorsitzenden gewählt und glänzt seither durch eine Serie von Pleiten und Pannen. Das rief Rush Limbaugh auf den Plan, den erzkonservativen Radio-Talker mit der unnachahmlichen Dampfhammerstimme, der sich als inoffizieller Parteiführer präsentierte. Mit seinem Ausspruch: «Ich will, dass Obama scheitert», positionierte er sich indessen als verantwortungslosen Hallodri und sorgte bis tief in die republikanischen Reihen für Kopfschütteln.
Die Finanzen im Griff
Wie eine hungrige Herde zieht es die versprengten Konservativen an Ruddys medialen Futtertrog. Newsmax versprüht die nostalgische Aura der Reagan-Ära. «Marken sind wichtig in dieser Zeit», sagt Ruddy. «Ich glaube an einen kleinen Staat, individuelle Freiheiten, eine starke Verteidigung, Dinge, für die Reagan gestanden hat.»
Er habe den Irakkrieg verabscheut, sagt er, und Bushs Ausgabenpolitik ebenfalls. So sehr, dass es in ihm wehmütige Erinnerungen an die Clinton-Jahre geweckt habe. Ruddy sieht in Clinton einen grossen Präsidenten. Nicht bloss weil er die USA aus langwierigen Kriegen herausgehalten hat, auch weil er die Kapitalgewinnsteuer in den neunziger Jahren kürzte und weil er, im Gegensatz zu Bush, fiskalisch verantwortlich regierte.
Im Gegensatz zur Landesregierung scheint Ruddy seine Finanzen im Griff zu haben. Kann man im 21. Jahrhundert mit Journalismus tatsächlich noch Geld verdienen? Ja, aber nur als gutvernetzter Geschäftsmann, lautet die Antwort. Ruddy formuliert es so: «Die Mehrheit meines Profits kommt nicht aus dem Journalismus.» Der Schlüssel zum Erfolg liege in guter Kundenkenntnis. Ruddy hat eine Datenbank seiner Leser errichtet, die er Finanz- und Medikamentenfirmen verkauft. «Das Gros unserer Leserschaft sind gutbetuchte und gebildete Republikaner.» An sie richtet sich auch die Werbung und verleiht dem Online-Auftritt bisweilen einen bizarren Touch. Etwas penetrant wird für anti-aging pills und Medikamente gegen Arterienverkalkung geworben oder für eine Agentur, die junge Afrikanerinnen vermittelt. «Die Hälfte unserer Einnahmen generieren wir aus der Werbung», sagt Ruddy stolz. 2008 erwirtschaftete Newsmax, zu dem auch ein Magazin gehört, 24 Millionen Dollar, das sind 5 Millionen mehr als im Vorjahr. Und dies in der grössten Finanzkrise seit Dekaden.

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