Die Schweiz und Deutschland: Das war nur selten eine Liebesbeziehung. Nicht erst seit deutsche Sozialisten aller Couleur glauben, ihren Geifer am Schweizer Waschlappen abputzen zu müssen. Die Distanz lässt sich seit dem 14. Jahrhundert feststellen, vor allem aber seit dem Aufkommen der Nationalstaaten im frühen 19. Jahrhundert. Wenig bekannt ist, dass es die französische Krone war – seit Ludwig XI. –, welche die deutschschweizerische Identität, nicht zuletzt den Dialekt, sehr bewusst als Bollwerk gegen die deutschen Staaten stärkte.
Vor dem Ersten Weltkrieg waren führende Kreise der deutschsprachigen Schweiz recht germanophil. Diese Einstellung kehrte sich vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus wieder um in Ablehnung der aggressiven «Schwaben», die das Land fürs Reich vereinnahmen wollten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Schweizer misstrauisch; doch von Deutschland wurden sie mit Wohlwollen behandelt. Zwar war dieses nicht ganz frei von Paternalismus. Etwa so, wie der Grossstaat Schweiz gerne dem Fürstentum Liechtenstein entgegentritt. Aber es war ein Faktum, dass der kleine Nachbar in Bonn und bei der CDU offene Ohren für seine Anliegen fand.
Das Verhältnis änderte sich mit der Verlegung der deutschen Hauptstadt nach Berlin und der Machtübernahme durch eine neue Mannschaft. Die Schweiz wurde für eine zunehmend nach Osten und global orientierte Weltmacht zum fernen Ausland. Ärgerliches Ausland zudem, weil sie zugleich Kleinstaat und wirtschaftliches Schwergewicht war. Letztere Karte vermochte und vermag die Schweiz allerdings nie richtig auszuspielen.
Dass die Schweiz keine richtige, an ihren Interessen orientierte Aussenpolitik führen kann, liegt an der Organisation einer Regierung, die auf innenpolitische Imperative ausgerichtet ist. Damit kann man leben. Aber so hilflos und zuweilen kalmisch grotesk, wie die Aussenpolitik heute ist, müsste sie dennoch nicht sein. Respekt vor der nationalen Souveränität wäre das Ziel und Selbstbewusstsein die Methode.
Wenn der unflätige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, wie der ebenfalls sozialistische Hans Eichel vor ihm, die Schweizer als Indianer beschimpft und mit der Peitsche bedroht, dann muss man das mit klaren Worten als das bezeichnen, was es ist: eine Flegelei, für welche die deutsche Regierung mitverantwortlich wird. Als Reaktion lädt man den deutschen Botschafter sofort vor und nicht erst dann, wenn er Zeit hat. Und man lässt ihn mit einem untergeordneten Funktionär sprechen, nicht etwa mit der Departements-Chefin.
Auf der andern Seite muss man überlegen, wie sich das auswirkt, was man sagt. Man hätte zum Beispiel nie das Thema schwarze Liste verbal so hinaufstilisieren dürfen, wie das in den letzten Wochen geschehen ist. Man hätte, mit gutem Grund übrigens, sagen können: «So what? Aber natürlich werden wir uns gegen solche Massnahmen wehren.» Leider ist Bundes- präsident Hans-Rudolf Merz jedoch, was Kommunikation betrifft, einigermassen beratungsresistent und sucht Unterstützung ausgerechnet dort, in London, wo die Politik der Schweiz gegenüber zurzeit mit am verlogensten ist.
In der Sache endlich müssen wir erkennen, dass wir uns in einem Wirtschaftskrieg befinden. Einem soft war, aber doch einem Krieg. Den führt man nicht mit «Wir sind ja sooo lieb». Nicht nur gegenüber Deutschland.













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