Stil & Kultur

Warhols Nase

Von Daniele Muscionico

Gesichter in Serie: Carolina Herrera, Giorgio Armani, Brigitte Bardot; porträtiert von Andy Warhol. Bilder: (c) 2009 Andy Warhol Foundation for the Visual Arts Inc./Adagp, Paris, 2009

Was haben Hugh Grant, London, und Hildegard Schwaninger, Zürich, gemeinsam? Sie besitzen beide ein Porträt von Andy Warhol. Die eine liess sich von ihm malen, der andere erwarb eine schöne Dame, die 1963 bei Warhol Porträt sass, Liz Taylor. Dabei schlägt heute Liz T., wen wundert’s, auf dem Kunstmarkt ein Quäntchen teurer zu Buche als Hildegard S.

Bei einer Versteigerung vor einem Jahr war die Gesellschaftsjournalistin beziehungsweise ihre Doublette Warhol fertigte stets mehrere Stücke vom selben an für 350 000 Franken zu haben. Der Preis für eine Taylor hingegen wird auf 35 Millionen Franken geschätzt. Ein Schnäppchen wiederum verglichen mit dem Kopfgeld für Mao. Ein einziger Mao aus der Viererbande beziehungsweise Viererserie war einem unbekannten Sammler bei Christie’s kürzlich 120 Millionen Dollar wert.

Wer nicht das Glück gehabt hat, zu den happy few zu zählen und die Kulturrevolution by Warhol durch sein eigenes Konterfei geprägt zu haben, wer nicht von Warhol porträtiert worden ist, der reise nach Paris. Im Grand Palais an der Avenue Winston Churchill sind 250 Gesellschafts-Ikonen nicht nur Menschen des Pop-Papstes zum ersten Mal in einer Ausstellung vereint: Maos Kunst-Kopf mit lüsternem Blick, roten Lippen und einem Schönheitsfleck auf dem Kinn à la Marilyn Monroe, die wiedergeborene Tierschützerin Brigitte Bardot, Elvis Presley in vierfacher Ausführung, ein grosser elektrischer Stuhl, Giorgio Armani oder die venezolanische Aristokratin Carolina Herrera, bekanntgeworden dafür, gut angezogen zu sein, bevor sie andere gut anzog und später als Ausstatterin von Jacqueline Kennedy Onassis Karriere machte.

 Im Zentrum der Ausstellung aber steht Warhols Nase. Und zwar als hervorragende Metapher wie als anatomisches Riechorgan. Warhols Porträt-Arbeit war eine Geldvermehrungsmaschine, als solche inszeniert und betrieben. Er produzierte Gesichter in Serie als sinnentleerte und ideologiefreie Hüllen, als pures Produkt und Marke. Grundsätzlich porträtierte der Maler jeden, der genug Geld bot.

Wie sehr er sich der Bedeutung seines emanzipatorischen Riechers bewusst war, belegt das Exponat, das die Schau eröffnet und zum ersten Mal in Europa zu sehen ist: Ein Selbstporträt, gemalt 1948, lange vor seinem Ruhm, zeigt den Zwanzigjährigen, wie er in seiner Nase bohrt. Das Bild kommentierte der Meister mit den Worten: «The Lord gave me my face, but I can pick my own nose.»

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

  • chateau
  • 24.03.09 | 18:05 Uhr

Vor ein paar Tagen habe ich eine Bildbesprechung gesehen. Portraits von Tizian. Die Gesichter e i n m a l i g........................
DA ist Warhol ein Gfätterli. Und weit überbezahlt.

  • Miggu,dasKnechtli
  • 24.03.09 | 17:25 Uhr

>> "Für mich sind und waren das immer grafische Spielereien."

Spielereien mit ziemlich weitreichenden Folgen. Es war bloss ein glücklicher Zufall, dass Warhol nicht durch aufgebrachte Feministinnen entmannt wurde. Erzähl uns doch mal, was DU für "Kunst" hältst.

  • chateau
  • 23.03.09 | 22:05 Uhr

Also wer Warhols "Arbeiten" für Kunst hält ist selber schuld.
Für mich sind und waren das immer grafische Spielereien.

 
|

weitere Ausgaben