Vergangene Woche war ich in Kriens. In dem neuen Luzerner Kulturzentrum (Einladungstext) mit Namen «Südpol» fand ein Fest zum Jubiläum «25 Jahre Medienausbildungszentrum MAZ» statt (das ist die Journalistenschule, die ich besuchte vor 18 Jahren). Ich habe lange nachgedacht, ob ich hinfahren soll, aber dann sagte man mir, in der neusten Ausgabe von Persönlich, einer Zeitschrift, gebe es ein Foto von mir unter der Überschrift «Reminiszenzen – Wie haben bekannte MAZ-Absolventen ihre Luzerner Zeit erlebt?». Danach musste ich im Grunde teilnehmen, nicht wahr? (Weniger weil ich zu den «bekannten Absolventen» gehöre, mehr damit wenigstens einer dort ist, den man wirklich kennt; neben Urs Schnider, Fritz Günther oder Annette Müller.)
Wie immer, wenn der Veranstaltungsort in einem, sagen wir, gesellschaftlichen Randgebiet liegt, stand auf der Einladung: «Nur wenige Parkplätze vorhanden, Shuttle benutzen.» Shuttle! Man nimmt keine Shuttles als Mann, der ein wenig an seinem Bild in der Öffentlichkeit interessiert ist, das habe ich von Jürg Marquard gelernt, nebenbei. Ich fuhr mit dem Wagen hin, einem BMW 750i, den ich für das Wochenende geliehen bekommen hatte (172 140 Franken, 266 g/km CO2-Emissionen). Und hatte, natürlich, den Rockstarparkplatz, genau vor dem Eingang. Das kommt an bei den Shuttle-Kollegen, vermute ich.
Um halb acht, als ich eintrat, waren Samih Sawiris und Iwan Rickenbacher noch immer am Sprechen auf der Bühne. («18.10 bis 19.15 Uhr: Grussworte, Rede, Gespräch» stand im Programm; als Berufs-auf-Events-Geher plant MvH sein Kommen immer auf die Zeit nach dem sogenannten Festakt.) Sawiris, ein Unternehmer aus Ägypten, der in Andermatt ein Resort bauen will, spricht gut deutsch und kann reden, übrigens. Rickenbacher, ein Kommunikationsberater und Präsident des MAZ-Stiftungsrats, fiel plötzlich von der Bühne, er war mit dem Stuhl nach hinten und über den Rand gerutscht. Sekunden später war er zurück (mit Stuhl) – und machte weiter. Wehleidig ist er nicht, das gebe ich ihm (ein Redner auch nicht).
An der Bar, wo es bereits ziemlich viele Gäste gab, begegnete mir Andreas Durisch, Chefredaktor Sonntagszeitung. Er trug wie fast alle anderen am Jackettaufschlag die Haftetikette mit seinem Namen drauf, die man bekommen hatte. Jetzt ein wenig «How to be a Star» und danach Stilschule: Falls man bekannt oder berühmt ist, ist das cool («Frank A. Meyer», «Kurt Aeschbacher», «Piero Esteriore»; von denen war keiner dort, nur als Beispiel). Aber falls man halb- oder ein bisschen bekannt ist, macht man sich klein mit einem Schild.
Ferner: An der Feier für die «Journalisten des Jahres» vor kurzem sagte ich, der Glamourfaktor sei nicht hoch. «Weil es im Printjournalismus nicht viele attraktive Frauen gibt. Ich versuche seit langem herauszufinden, woran das liegt.» (Ich habe es noch nicht herausgefunden.) Aber vielleicht etwas verändert mit dem Satz – es gab ein paar recht gut zurechtgemachte Frauen. Die meisten Männer dagegen . . . Well, well, well. Wer über dreissig ist und/oder mehr als vierzigtausend Franken im Jahr verdient, sollte abends nicht ohne Kragen und/oder mit Turnschuhen ausgehen, finde ich.
Etwas anderes: Nach einem Essen im «Gattopardo» in Zürich nahm ich teil an einer Runde «Activity». Sonst war sowieso nichts los (Groove Armada, eine Disco-Gruppe aus Cambridge, in der «Alten Börse» und zwei Jahre «Saint Germain», ein Nachtklub), doch vor allem ist am Samstagabend zu Hause Gesellschaftsspiele spielen das neue Clubbing. Team MvH/Tchoumitcheva war gut unterwegs (man muss Begriffe erraten, die der Spielpartner zeichnet, erklärt oder pantomimisch darstellt). Xenia fand «Verfolgungswahn» heraus, als ich dran war mit Erklären, und ich erriet «Bienenkönigin», als sie zeichnete. Aber als MvH erst «Mausefalle» und anschliessend «Tränengas» spielen sollte, gab er auf, und wir wurden Zweite. (Ich meine, wie soll das gehen, wenn man als Mann ein wenig achtunggebietend rüberkommen will?)
Das heisst, man hätte es noch blöder treffen können – Oliver Wolfensberger, einer meiner Gegner und ein Immobilienentwickler, musste «Essiggurke» darstellen, mit Mitteln der Pantomime.













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