Das Ritual ist immer dasselbe. Etwa achtzehn Monate vor der nächsten Gebührenerhöhung kündet SRG-Chef Armin Walpen die nächste Gebührenerhöhung an. Dann gibt es ein bisschen politisches und mediales Tamtam, dann verliert man das Interesse, dann kommt die nächste Gebührenerhöhung.
Wir nehmen das Thema gerne zum Anlass, einmal eine nüchterne Leistungsbilanz unseres Fernsehens zu ziehen. Hat die SRG mehr Geld verdient?
Damit die TV-Bilanz aussagekräftig wird, braucht es einen internationalen Vergleich. Betrachten wir also einmal, wie sich in Europa die Marktanteile der öffentlich-rechtlichen Sender seit dem Jahr 2000 entwickelt haben. Die Zahlen stammen von der European Broadcasting Union.
Sender | Marktanteil | Marktanteil |
Frankreich (France 2/3) | 38,9 | 32,2 |
Italien (RAI 1/2/3) | 47,4 | 41,8 |
Deutschland (ARD/ZDF) | 27,6 | 26,3 |
Österreich (ORF 1/2) | 56,5 | 43,1 |
Spanien (La 1/La 2) | 32,4 | 21,8 |
England (BBC 1/2, ITV) | 37,9 | 30,6 |
Holland (Nederland 1/2/3) | 39,0 | 31,3 |
Schweden (SVT1/2) | 43,2 | 31,5 |
Dänemark (TV 2, DR 1/2) | 69,0 | 64,5 |
Schweiz (SF 1/2) | 32,5 | 32,3 |
Walpen und seine TV-Direktorin Ingrid Deltenre sind Europameister. In keinem anderen Land haben sich die Staatssender ähnlich gut gehalten wie in der Schweiz. Wenn wir das neue Angebot SF Info mit seinem aktuellen Marktanteil von 1,4 Prozent einrechnen, dann haben die SRG-Kanäle insgesamt sogar dazugewonnen.
Andernorts ist der Einbruch dramatisch. Mit Ausnahme von Deutschland fällt der Service public beim Publikum zunehmend durch. Besonders augenfällig ist die Entwicklung in Grossbritannien, dem Mutterland der öffentlich-rechtlichen Rundumversorgung. Die vier public networks BBC 1, BBC 2, ITV und Channel 4 hatten im Jahre 2000 zusammen noch einen sagenhaften Marktanteil von 77,5 Prozent. Derzeit kommen sie gerade noch auf 58,3 Prozent. Auch andere jahrzehntealte Institutionen wie Italiens RAI und Österreichs ORF sackten ab.
Es gibt drei Gründe für den Erfolg der Schweizer, einen politischen, einen programmlichen, einen finanziellen. Politisch setzte die SRG mit einem geschickten Lobbying durch, dass die private Konkurrenz in der Schweiz praktisch verunmöglicht wurde. Für die SRG-Sender gibt es keine Beschränkung der Werbezeit, anders als etwa für ARD und ZDF, die nach 20 Uhr werbefrei sein müssen. Dadurch haben es Privatsender enorm schwer, finanziell gegen den Koloss SRG anzukommen.
Öffentlich-rechtlicher Boulevard
Auch inhaltlich ist Leutschenbach ein Sonderfall. Kein anderer öffentlicher Sendechef, aus-ser im ORF, programmiert derart aggressiv wie Ingrid Deltenre. Von «Music Star» und «Miss Schweiz» bis zu «Deal or No Deal» und «Dr. House» bieten die SF-Kanäle haufenweise Formate an, die andernorts den Privaten vorbehalten sind. Das hat schon unter Deltenres Vorgänger Peter Schellenberg eingesetzt, dem Erfinder des öffentlich-rechtlichen Boulevardfernsehens. Die TV-Direktorin und der SRG-Chef haben dieses Konzept dann konsequent weiterentwickelt.
Der dritte Grund für den Erfolg ist banal. Die SRG musste noch nie richtig sparen. Gebührengeld für die Programme ist im Überfluss vorhanden.
Es ist klar, es sind erfolgreiche Programme. Das Schweizer Fernsehen ist der erfolgreichste Service public dieses Kontinents. Ebenso klar ist, dass es das nicht gratis gibt.

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