Jeep Cherokee 2.8 CRD Limited

Kühner Nagler

Der Jeep Cherokee ist kein feines Auto und ein leises schon gar nicht. Dafür ist sein Preis unschlagbar. lead.

Von Ulf Poschardt

Nichts verfliegt schneller als die Erinnerung. Zumindest die an einen ungeliebten US-Präsidenten wie George W. Bush, der ebenso spurlos verschwand wie sein Vater zuvor. Aber kulturell hat er dieses Land geprägt bis in die tiefen Schichten der amerikanischen Alltagsästhetik. Als ein mächtiges Land, unbeugsam, auch gegen den grünen Zeitgeist stand es breitbeinig da, die Energieressourcen sollten kein Problem sein.

So wundert es nicht, dass der Jeep Cherokee in seinem rustikalen Charme die Erinnerung an einen weitgehend unpopulären, aber munteren Charakter weckt. Senkrecht steht die Frontscheibe auch der vierten Generation des Cherokee in die Höhe. Die Scheibenwischer säubern einen vergleichsweise kleinen Teil der Frontscheibe vom Nass, ähnlich ineffizient und wild werkelt der Heckwischer. Die Einparkhilfe schockt bereits mit einem hektischen Piep, wenn ein Hindernis auch nur in Sichtweite gerät. Der grösste Kulturschock für einen Mitteleuropäer dürfte aber das rustikale Nageln des Diesels beim Kaltstart sein. So war das also in den frühen Zeiten des Diesels. Britische, schwedische und deutsche SUV-Diesel nageln mittlerweile distinguiert.

Der Cherokee ist kein feines Auto, denkt man nach den ersten Kilometern. Aber spätestens nach der dritten oder vierten Tour mit dem neuen Cherokee wirkt der amerikanische Geländewagen gemütlich und entspannend solide. Der Platz vorne, hinten und im Gepäckraum ist üppig. Ein Familiensalon, auf den man sich verlassen kann. Die Traktion besticht dank des Allradantriebs auch bei den widrigsten Strassenverhältnissen. Wer will, der kann mit Hilfe der «Hill Descent Control» auch die düsteren Abgründe erkunden. Solide bleibt das alles.

Aus dem zuerst sehr eckigen Cherokee wurde beim Vorgänger ein niedlicheres Gefährt mit fast freundlichem Gesicht, während das seit letztem Jahr verkaufte Modell sich wieder zum Kastigen bekennt. Unangepasst rollt er ums Eck, deutlich weniger elegant als der statussichere Grand Cherokee. Dennoch gibt die wuchtige Kühlerpartie mit den typischen sieben Schlitzen der Front eine Kühnheit, die gut zur hohen Gürtellinie der Karosserie passt. Der Pilot thront als Souverän.

Beim Spurt auf der Autobahn poltert der Diesel los. Das maximale Drehmoment von 460 Newtonmeter erreicht der Zweitonner schon bei 2000 Umdrehungen. Dennoch spürt man die Last der 177 PS mit einer nicht gerade grazilen und windkanaltauglichen Figur. Die Windgeräusche ab Tempo 150 werden sinfonisch. Die Automatik arbeitet exzellent, und auch der Verbrauch mit unter zehn Liter Diesel bei zivilem Einsatz ist relativ zeitgenössisch. Das eigentliche Argument für den Cherokee dürfte aber sein Preis sein. Nirgendwo bekommt man derart viel Auto für eine derart überschaubare Menge von Franken. Südstaatenflagge hinten draufkleben und losfahren. Sie haben doch genug Freunde?

Hubraum: 2777 ccm; Leistung: 177 PS; Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h
Preis: 56 500 Franken

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