Es werde Licht, sagte der Scheinwerfer und es ward Nicole Kidman. Die Kidman ist Hollywoods attraktivster Beleuchtungskörper seit Erfindung der Glühbirne. Jedes Licht stellt sie noch in den Schatten, kein Glanz ist glänzender als der ihre; denn nichts an ihr ist echt oder auch nur zufällig. Die Kidman ist, was diese Fotografie der Kidman ist: eine überteuert komponierte, choreografierte und inszenierte Blendung.
Das Bild hat die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz 2003 gemacht. Die Dompteuse des amerikanischen Hochglanz-Adels und der vollendeten Künstlichkeit. Nun ist Leibovitz Lebenswerk in Berlin zu sehen und sorgt für Aufruhr. Denn die Ausstellung «A Photographers Life» zeigt nicht nur Star-Aufnahmen wie die aus den vergangenen dreissig Jahren, sondern auch das Sterben von Leibovitz Vater, sie selbst als Schwangere und, an erster Stelle: den Tod ihrer Geliebten und Lebenspartnerin, der Schriftstellerin Susan Sontag. Eine Ausstellung, makellos in ihrer Mischung aus Provokation und Demut, perfekt.
Perfekt wie das Bild von Nicole Kidman. Doch eines muss man dieser Inszenierung doch vorwerfen: Der Star kann sich vor der Star-Robe nicht retten. Oben lässt sie ihm zwar noch Luft, Hals und Décolleté liegen im Freien und genauso die beiden Schultern. Doch weiter unten wird sie anzüglich: Hauteng umfasst sie die schlanke Silhouette und lässt zum schlechten Schluss die Trägerin am Ort festwachsen mit einem ewig langen, unpraktischen Saum. Stehen oder gehen, das ist hier keine Frage. Und der Saum als Schaum, dem Venus entsteigt. Ohne Hoffnung, je einen Fuss aufs Trockene zu setzen.
Leibovitz und ihre Lichtbilder sind längst Ikonen unseres Unterbewusstseins: Yoko Ono und John Lennon, nackt auf dem Boden liegend und sich küssend, fünf Stunden bevor er erschossen wurde; der Rücken von Bruce Springsteen auf dem Cover des Albums «Born in the USA»; Whoopi Goldberg in einer Badewanne voll Milch . . . Mit ihrer Fotografie hat Leibovitz nicht nur Kulturgeschichte festgehalten, sondern auch selbst geschrieben.
Mit der jüngsten Schlagzeile hat sie das, ohne Frage: Die bestbezahlte Fotografin der Welt ist ein Opfer der Finanzkrise, sie hat Schulden und liess ihr Werk für 15 Millionen Dollar verpfänden. Der Clou: Leibovitz veräusserte auch die Rechte auf ihre Bilder und die Rechte auf ihre zukünftigen Arbeiten dazu. Die Königin des Lichts ist ein weiteres Mal schamloser als wir alle.













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