Der Taxifahrer kündigt «das Schloss des Grafen Dracula» an, bevor wir den Haupteingang des «Dolder Grand» erreichen. Kurz darauf werden wir zu einem intimen Tisch hinter einer Trennwand eskortiert, wo wir, top of Zurich, einen schönen Blick auf die Stadt geniessen.
Die Intimität des Tisches täuscht etwas, wir sind zwar separiert von anderen Gästen, dafür taucht immer wieder lautlos eine Kellnerin oder ein Kellner auf: perfekter Service, kein Glas bleibt leer und kein Stück Brot unersetzt. Und schon kommen die ersten Grüsse aus der Küche, die sich zu einem Begrüssungsgewitter steigern. Es beginnt mit Apéro-Häppchen, verschiedenen Brotsorten sowie Aufstrichen, und alsbald grüsst aus der Küche eine schottische Auster mit Zimtsud, Apfel und Röstzwiebel.
Koch Heiko Nieder scheint eine Art Ingenieur der gehobenen Küche zu sein, im Verlauf des Menüs gibt es kaum etwas, was nicht überlegt und präzise zubereitet wird. Ich entscheide mich für eine Troika aus Gefieder und beginne mit einer Entenleberterrine. Die Vorspeise meiner Begleitung wird banal als «Wintersalat mit Gemüse» angekündigt, die Gemüsehäufchen Blumenkohl, Randen u. a. sind aber mit solcher Sorgfalt zubereitet, dass wir sicher vom «Wintersalat des Jahres» sprechen können.
Auch mein zweiter gefiederter Gast, ich bekomme es mit der Stopfleber einer Gans zu tun, ist sehr, sehr gut. Einmalig die Textur der Leber, wunderbar die Begleitaromen: geröstete Haselnüsse, Ingwer, Orangensauce. Die gekonnten Geschmackskompositionen setzen sich mit der Taube fort, die als Hauptgang eingeflogen wird und mit Schokolade, grünem Tee und Maronen angerichtet ist.
Bis zum Dessert (eine Wucht aus Zitronen, Bananen und Weissbier) wünsche ich mir fast, es gäbe irgendwo einen kleinen Fehler. Fast unheimlich perfekt ist die Arbeit des Kochs, Dracula hat zumindest einen exzellenten Geschmack. Der hat seinen Preis, auch die Rechnung ist top of Zurich, aber des Gebotenen absolut würdig.













Kommentare