Zu Tisch

Ente, Gans, Taube

Gefieder auf dem Teller und ein schöner Blick auf Zürich. Wir essen im «The Restaurant» des «Dolder Grand».

Von David Schnapp

Null Fehler: Chefkoch Heiko Nieder mit seinem Team im «The Restaurant». Bild: Helmut Wachter

Der Taxifahrer kündigt «das Schloss des Grafen Dracula» an, bevor wir den Haupteingang des «Dolder Grand» erreichen. Kurz darauf werden wir zu einem intimen Tisch hinter einer Trennwand eskortiert, wo wir, top of Zurich, einen schönen Blick auf die Stadt geniessen.

Die Intimität des Tisches täuscht etwas, wir sind zwar separiert von anderen Gästen, dafür taucht immer wieder lautlos eine Kellnerin oder ein Kellner auf: perfekter Service, kein Glas bleibt leer und kein Stück Brot unersetzt. Und schon kommen die ersten Grüsse aus der Küche, die sich zu einem Begrüssungsgewitter steigern. Es beginnt mit Apéro-Häppchen, verschiedenen Brotsorten sowie Aufstrichen, und alsbald grüsst aus der Küche eine schottische Auster mit Zimtsud, Apfel und Röstzwiebel.
Koch Heiko Nieder scheint eine Art Ingenieur der gehobenen Küche zu sein, im Verlauf des Menüs gibt es kaum etwas, was nicht überlegt und präzise zubereitet wird. Ich entscheide mich für eine Troika aus Gefieder und beginne mit einer Entenleberterrine. Die Vorspeise meiner Begleitung wird banal als «Wintersalat mit Gemüse» angekündigt, die Gemüsehäufchen Blumenkohl, Randen u. a. sind aber mit solcher Sorgfalt zubereitet, dass wir sicher vom «Wintersalat des Jahres» sprechen können.
Auch mein zweiter gefiederter Gast, ich bekomme es mit der Stopfleber einer Gans zu tun, ist sehr, sehr gut. Einmalig die Textur der Leber, wunderbar die Begleitaromen: geröstete Haselnüsse, Ingwer, Orangensauce. Die gekonnten Geschmackskompositionen setzen sich mit der Taube fort, die als Hauptgang eingeflogen wird und mit Schokolade, grünem Tee und Maronen angerichtet ist.
Bis zum Dessert (eine Wucht aus Zitronen, Bananen und Weissbier) wünsche ich mir fast, es gäbe irgendwo einen kleinen Fehler. Fast unheimlich perfekt ist die Arbeit des Kochs, Dracula hat zumindest einen exzellenten Geschmack. Der hat seinen Preis, auch die Rechnung ist top of Zurich, aber des Gebotenen absolut würdig.

Kommentare

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  • Miggu,dasKnechtli
  • 04.03.09 | 09:15 Uhr

Löffelchen, das

Das ist ein magisches Wort aus meiner Kindheit, Christine. Vor allem in Verbindung mit Silber und Spinat. Nur allerbeste Erinnerungen. Eine meiner ganz frühen Entdeckungen: Wie man das Ding als Schleuder benutzen kann. Ich sehe noch heute das Gesicht meiner Mutter vor meinem geistigen Auge, wie sie - Mütter sind halt nun mal himmeltraurig schlechte Schauspielerinnen - entsetzen vortäuschte und dabei ihren Stolz über die phänomenal frühkindlich feinmotorischen Fähigkeiten ihres Sohnemannes nicht verbergen konnte. Eine fast so wichtige Erfahrung wie, nach Wilhelm Busch:

"Denn früh belehrt ihn die Erfahrung: Sobald er schrie, bekam er Nahrung."

Saluti
k

  • Christine
  • 04.03.09 | 07:00 Uhr

Wer die sind?

Die sind ein ganzer Wertekanon, richtige Neutrümmer, die sich nicht personifizieren (Du merkst) lassen. Ich ordne ihnen die kommune Vierzinkgabel zu, die im Angelsachsentum dem heidnisch-barbarisch anmutenden Gebrauch anheim gefallen ist zuzustechen, aber in durchaus gesitteter Weise ihre Erbsli aufzuspiessen weiss. Der Katholike hingegen entsorgt seine Erbsli auf sehr ungesittete Weise, indem er sie mit der Vierzinkgabel! schaufelt.

A propos Schaufel: Jetzt wäre es an Dir, mit dem Löffel fortzufahren.

  • Miggu,dasKnechtli
  • 03.03.09 | 11:47 Uhr

Wer sind denn die Sitten?

  • Christine
  • 02.03.09 | 20:09 Uhr

Ja, die Sitten und ihre Angelsachsen, Knechtli. Die wissen noch zu unterscheiden.

  • Miggu,dasKnechtli
  • 02.03.09 | 14:13 Uhr

@Christine

Tot oder lebendig?

Da nehmen's die Angelsachsen schon etwas genauer. Es ist ein Unterschied, ob man ein pig oder ein porc auf oder am desk oder table hat.

Saluti
k

  • Christine
  • 01.03.09 | 20:05 Uhr

Ente, Gans und Taube

Der tote Mensch ist ein Leichnam und kein Mensch mehr. Da ist es schon recht pietätlos, gewesene Enten, Gänse und Tauben nach ihrem Hinscheiden noch immer mit Ente, Gans und Taube anzureden, grad so, als ob man sie sich lebend in den Mund stecken wollte, was wahrscheinlich gar nicht richtig schmecken täte. Gut, man kann sie nicht Leichnam nennen, da dieser Ausdruck ja schon vom toten Menschen besetzt ist, aber es müsste sich doch etwas Adäquates finden lassen. Kadaver läge auf der Hand, da weiss zumindest jeder, dass es als Gegenstück zum Leichnam ebenfalls tot ist. Man isst ja auch nicht den Menschen, sondern, wenn schon, dann ässe man den Leichnam. Kadavente, Kadavgans, Kadavtaube.. oder kürzer, damit sich's leichter spricht und natürlich auch isst: Kadent, Kadans, Kataub. Ja, das ginge. Doch, man wüsste sofort, was man da isst und dass es auch tot ist. Kadosch, Kaduh, Kaderd, Kadesel, Kadarpf, Kadatz, Kadhund, Kadaf, Kadamm, Kadiege (nö.. geht für zwei..)..

... viva Kadellti mit Kadäs.

  • Christine
  • 28.02.09 | 16:50 Uhr

.. and the winner is: Das In-Restaurant "Pult" mit seinem Salat:

".. drei Salatblättchen, als Trio von Sommersalat auf seinem Balsamicospiegel mit genesteter Brunnenkresse im Pastetenbettchen,"

gefolgt von

".. zwei klitzekleinen Kalbsleberstreifen, die, ergänzt durch zwei Kaffeelöffel Kartoffelpüree, drei Scheibchen Karotten und zwei nett geschnitzten Zucchini-Stäbchen, die "Sinfonie von der Naturkalbsleber, im Pfännchen gebräunt, mit Akkorden von frischem Sommergemüse und einer Trüffelkartoffelmousse" bildeten, geschäumt mit "Morchelschaum", den die drei Pilzfitzelchen in jeweils einem bleistiftminendünnen braunen Kreis darstellten."

aka Hauptgang. ;-)

Aus "Bank Banker Bankrott", R. Zeyer.

 
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