MvH

Meine milde Woche

Unser Kolumnist beendet den Streit mit einem und macht einem anderen Bekannten ein Angebot. Ferner geht er ein auf Kritik.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in München. Vor meiner Abreise gab es im Zürcher «Kaufleuten» noch die Swiss Music Awards (zum zweiten Mal, MvH fand die Veranstaltung bereits vergangenes Jahr gut). Es handelt sich dabei im Grunde um einen Branchenanlass (das war ein Kompliment), es kamen viele Gäste aus dem Musikgeschäft und ziemlich wenig hangers-on (sogenannte Nichtleistungsprominente aus anderen Branchen, wie zum Beispiel Ihr Kolumnist). Ich wäre dem «Executive Producer», Oliver Rosa, als «Dresscode Consultant» zur Verfügung gestanden, gratis, nebenbei; aber man wollte nicht auf mich hören. Bloss, Smoking und Türöffnung 18.30 Uhr gehen nicht zusammen — Smoking ist für Erwachsene, 18.30 ist Kindergeburtstag.

Während des Aperitifs begegnete mir Kuno Lauener. Ich fragte ihn, ob wir immer noch Streit hätten. (Alte Geschichte, Sommer 1994, ich hatte irgendetwas geschrieben, das er gesagt, aber nicht mehr gut gefunden hatte, nachdem es gedruckt worden war. Darauf hatte er irgendetwas gesagt über mich in einem Interview, das vermutlich ebenfalls gestimmt, ich aber blöd gefunden hatte, und so weiter.) The good news: Wir haben keinen Streit mehr. Das passt mir, ich finde ihn und seine Musik nämlich gut (Züri West bekamen den Swiss Music Award für «Best Live Act»). Ferner liest er mich und hat den Artikel von damals noch immer im Kopf. Kurz, alle sind happy. Ich denke, ich wäre zurzeit sogar bereit, Büne Huber zu vergeben für seine Sätze über mich.
Als ich meinen Platz für die Show suchte, der, übrigens, weit vorne lag für meine Verhältnisse (eine Reihe vor Nik Niethammer, Schweizer Illustrierte, fünf Reihen hinter Piero Esteriore; wer ganz vorne sitzen will, muss beim Ringier-Verlag mit der Tür bzw. dem Auto der Mama ins Pressehaus fallen, nicht Chefredaktor werden), als ich meinen Platz suchte also, stellte mich jemand Nicole Berchtold vor. Sie sagte: «Ich habe Sie schon im Fernsehen gesehen.» Das war wahrscheinlich die Zeile des Abends. (Für Leser, die wenig fernsehen: Sie moderiert «Glanz & Gloria» auf SF 1.)
Neben mir sass ein Mädchen, das ich nicht erkannte. Ich fragte, ob sie eine Nomination habe in der Kategorie «Best Album Urban», so wie sie zurechtgemacht war (Top, das im Grunde nur aus Trägern bestand; Sonnenbrille mit Perlen, Strasssteinen; Leggins). Sie sagte: «Nein.» (Und sie sei Jennifer Ann Gerber, Miss Schweiz 2001.) Ein Wort zur Moderation (Melanie Winiger, Miss Schweiz 1996): ordinär. (Nicht im Sinn von gewöhnlich, sondern von unanständig.) Oder ist das altmodisch, wenn es einen stört, dass eine Frau kaum einen Satz sagt ohne «geil» und/oder «fuck»? (Man sagt ja, Männer mögen ordinäre Frauen. Kann sein, aber eher zu Hause.) However, ich glaube, sie hätte etwas erreichen können mit Anstand.
Jetzt München: Ich war Gast von Thomas Sabo, einem Schmuck- und Uhrenhersteller. Speaking of which, es scheint Kollegen zu stören, wenn ich schreibe: «Ich war Gast von . . .» («Dass sich MvH gerne einladen lässt, erzählt ein Prominenter», Schweizer Illustrierte; «Er positioniert sich als Society-Kolumnist, der an teure Veranstaltungen eingeladen wird», Sonntagszeitung.) Well, well, well. In München, nebenbei, war eine Kollegin dabei von 20 Minuten Friday (gehört zu Tamedia, wie die Sonntagszeitung) plus eine vom Blick am Abend (gehört zu Ringier, wie die Schweizer Illustrierte). Ich meinte, die hätten Flug und Hotel selber bezahlt. Das ist normal bei Ringier, nicht wahr? Und bei Tamedia gibt es ein Redaktionsstatut, das das Annehmen von Einladungen verbietet, angeblich. Interessanterweise hatte die Organisatorin noch kein Geld gesehen für Kostenrückerstattung, als ich nachfragte. Ist das Problem weniger, dass MvH sich einladen lässt? Ist das Problem mehr, dass er es schreibt, als Einziger?
Das Fest zum 25-Jahre-Firmenjubiläum von Thomas Sabo in einem Lokal mit Namen «Postpalast» war i. O. (1000 Gäste). Der Auftritt von David Garrett — ein «geigender Popstar» (Welt) mit Langhaar, Hut und ähnlichen Kleidern wie Andres «Stress» Andrekson, ein Rapper, oder Sido, ein anderer Rapper, während der Swiss Music Awards — kam an (bei Mädchen jedenfalls). Mir hat das Catering gefallen (Rindfleischsalat mit Minze, Hummer auf Risotto) – Feinkost Käfer ist halt schwer zu schlagen.

 

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