Tesla Roadster

Lautloser Futurist

Der Tesla Roadster ist ein Elektroauto. Und was für eines. Unser Kolumnist ist hingerissen.

Von Ulf Poschardt

Die Zukunft ist eine komische Sache. Manchmal, so scheint es, reisst das historische Kontinuum auf, und wir sehen, was kommen wird, weil sich ein Emissär des Künftigen in unser Leben verirrt hat. Mir ist das letzte Woche passiert. Der Tesla Roadster wartete auf eine Probefahrt.

Mit meiner durchschnittlichen Grösse von 185 Zentimetern wurde es eng beim Einsteigen ins Elektroauto. Mark van Huisseling, der Titan unter den Weltwoche-Autoren, wäre wohl gescheitert. Dabei würde ihm als Maserati-Fahrer und Roter-Teppich-Experten das Auto wohl gut gefallen. Zum einen, weil es bisher nur von George Clooney und ein paar Multimillionären in Hollywood gefahren wird, zum anderen, weil es derart viel Fahrspass bietet. Von null auf hundert soll der Tesla in 3,4 Sekunden beschleunigen. Gewöhnungsbedürftig ist zunächst die Stille. Der freundliche Europa-Marketing-Chef erklärt mir die Bedienung, die denkbar einfach ist. Ich will den Tesla starten, doch der Manager erklärt grinsend, dass er schon läuft. Man hört es nur nicht. In kastigen Elektroautos hat man das einkalkuliert, nicht jedoch in dieser Flunder, in der man nach dem Start aus jahrzehntelanger Gewohnheit das satte Blubbern eines Sechs-, Acht- oder Zwölfzylinders erwartet.
Ohne ein Geräusch rollt der Wagen auf die Strasse und auf die Ampel zu. Da viele Teile des Tesla von der Elise von Lotus abstammen, sitzt man entsprechend tief und mit allerdirektestem Kontakt zum Strassenbelag. Schon in der ersten Kurve nutze ich dies trotz verregneter Fahrbahn zu einem heftigen Tritt auf das Gaspedal. Der Tesla schiesst wie ein Projektil nach vorne. Zur Freude meines Beifahrers juble ich laut und euphorisch. Ein derartiges Drehmoment, geräuschlos und ohne Gangwechsel, wirkt ebenso gespenstisch wie futuristisch.
Vor genau hundert Jahren veröffentlichte F. T. Marinetti das «Futuristische Manifest» und besang die Schönheit gefährlicher Sportwagen als etwas, das schöner sei als jedes Kunstwerk. Hundert Jahre später ist die automobile Pracht überschattet von der ökologischen Krise und dem nahen Ende des Ölzeitalters. Diese Sorge bin ich seit letztem Donnerstag los: Elektroautos werden uns unendlich viel Freude bereiten. Noch kosten die Batterien 22 000 Dollar, sind zentnerschwer und benötigen den gesamten Kofferraum, doch jedes Jahr wächst das Engagement der grossen Autohersteller in der Batterieforschung.
Voller Begeisterung trete ich den Tesla durch die Umgebung. Jedes Überholmanöver gelingt, das Drehmoment bei bis zu 14 000 Umdrehungen in der Minute erscheint unwirklich angesichts eines Motors, der so gross ist wie eine üppige Wassermelone. Der Computer, der die Fahrt steuert, erinnert, im Heck platziert, an ein riesiges schwarzes Keyboard. Die Kühlflüssigkeit für ihn und das Wasser für die Scheibenwischanlage sind die einzigen Flüssigkeiten im Tesla. Feucht war gestern. Es lebe die Zukunft.

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