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11.02.2009, Ausgabe 07/09

Medien

Von 59 v. Chr. bis 2005 n. Chr.

Ceteris paribus waren die Acta diurna eine echte Novitas. Und was hat das mit Facebook zu tun?

Von Kurt W. Zimmermann

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Heute wollen wir uns etwas mit der Geschichte der Massenmedien beschäftigen. Aha, denken nun unsere humanistisch beschlagenen Leser, jetzt kommt gleich Gaius Julius Cäsar um die Ecke.

So ist es. Cäsar lancierte 59 v. Chr. die Acta diurna, das erste Massenmedium der Welt. Die Acta diurna waren ein News-Journal, das alle 24 Stunden erschien. Die erste Tageszeitung gab es fast 300 Jahre lang, vervielfältigt auf Papyrus, Metall und Ton, vertrieben in Rom und den Provinzen.
Mit den Acta diurna war das historische Prinzip der Massenmedien etabliert, die Einwegkommunikation. Erst 2064 Jahre nach Cäsars Idee endete die Hegemonie der Einwegkommunikation – mit diabolischen Folgen.
Eine der wichtigsten Etappen in der Geschichte der Massenmedien war das Jahr 868, als in China erstmals ein Buch in einer damaligen Grossauflage erschien. 1455 erfand Gutenberg den Buchdruck für Europa. 1605 kam in Strassburg die Relation, die erste klassische Zeitung, auf den Markt. Immer ging die Botschaft vom Anbieter zum Kunden, nie zurück.
Nach 1920 wurde das Radio zum Massenmedium, nach 1940 das Fernsehen. Wieder wurde das Prinzip der Einbahnstrasse strikt eingehalten. Die Konsumenten hatten keinen Einfluss auf die Inhalte. Sie konnten nur über Alibi-Feedbacks wie Leserbriefe oder Telefonanrufe ihren Senf dazugeben.
Dieses Muster änderte sich nicht, als 1994 das Internet massentauglich wurde. Medienhäuser, genauso wie andere Firmen und Organisationen, stellten nun ihren Content ins Netz. Es war derselbe Einweg. Der Nutzer konnte nur konsumieren, nicht aber wirklich kommunizieren.
Die klassischen Verlage fühlten sich bestätigt: Radio und TV hätten die Zeitungen nicht verdrängen können, wussten sie nun, obschon das viele vorausgesagt hätten. Auch das Internet werde also die Zeitungen nicht verdrängen können.
Dann, im Jahr 2005, implodierte das 2064 Jahre alte System der Massenmedien. Es begann der unerhörte Vormarsch der social networks, der sozialen Netzwerke im Netz. Es sind Sites wie MySpace, Xing, Bebo, StudiVZ, Tillate und, über allem thronend, das unglaubliche Facebook.
Erstmals konnte nun ein Massenpublikum nicht nur konsumieren, sondern tatsächlich interagieren. Erstmals war das natürlichste kommunikative Bedürfnis der Menschheit erfüllt, die Einbindung in eine weltweite Gemeinschaft, zu jeder Stunde, an jedem Ort. Das Publikum wurde verrückt nach dieser neuen Form der Mehrweg-Kommunikation.
Für die Verlage sind das schlechte Nachrichten. Soziale Netzwerke absorbieren enorm viel Mediennutzungszeit. Es sind oft Stunden pro Tag, und es ist die Zeit, die für die Presse fehlt. Noch schlechter ist, dass die Partizipation in sozialen Netzwerken genau dort passiert, wo vormals die Zeitungen ihren Heimvorteil hatten – im Kaffeehaus, im Büro, im Zug.
Wenn wir es wirtschaftshistorisch betrachten, ist die Sache simpel. Radio und Fernsehen konnten die Zeitungen nicht ersetzen, weil eine Form von Einwegkommunikation nie eine andere Form von Einwegkommunikation ersetzen kann. Das ist die Lehre der Substitutionstheorie.
Nun aber ersetzt eine Mehrwegkommunikation die vormalige Einwegkommunikation. Ein Substitut setzt sich immer dann durch, wenn es – ceteris paribus – einen einzigartigen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hat. Ceteris paribus heisst, dass sich ansonsten das Marktumfeld nicht verändert.
Das ist für die Verlage leider der Fall. Zeitungen sind nur für Nutzer gemacht, die konsumieren wollen, nicht aber für jene, die echt kommunizieren wollen. Doch Zeitungen können sich nicht verändern. Sie können nur verschwinden.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 07/09
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Kommentare

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Christine     18.02.09 21:35    

Ja, hei, jetzt habe ich mich schlauch gemacht im Google:

http://www.vakutec.at/rtc-vakutec/890

Ich lag ja gar nicht daneben, Knechtli, ganz im Gegenteil: In der Innerschweiz verlegen sie die Güllenschläuche in die Hänge, unten wartet der eine beim Traktor, während der andere oben verlegt, und wenn er den Schlauch fertig verlegt hat, ruft er dem unteren zu, er könne jetzt den Hahn aufdrehen: "Kannst ihn anlassen!".

In der Innerschwyz zirkuliert ein Witz, wo's drum geht, dass die Innerschwyzer "afigs ganz ä huife Moslem händ i där Innerschwyz". "Well vo allne Häng obe gherrsch si "Allah" riäfä, wenn är de undä

Miggu,dasKnechtli     18.02.09 21:09    

@Christine

???
Mir scheint, Du hast dich auf deinem Mittwochabend-Forumsaufwisch etwas vergaloppiert, Christkindchen.
Güllenverschlauchung ist eine komplexe Angelegenheit, wo es darum geht, die Ueberreste einer erfolgreichen Verdauung unserer Lieblingstiere nutzbringend und möglichst flächendeckend zu verteilen. Eben fast so wie bei den Massenmedien. Aber ich verzeihe Dir, auch Wikipedia ist mit diesem Begriff völlig überfordert. Du könntest dich freilich mit Googeln schlau machen.

Allah akbar and so long
knechtli

Christine     18.02.09 20:42    

Gülleverschlauchung? ö ?

Die kenne ich nur aus der Innerschweiz: Da verlegen Bauern die Schläuche in den Hängen und der ober ruft dann dem unteren zu "chasch 'ne ALLAH".

Dann dreht der untere den Hahn auf, und die Gülle spritzt: Islamische Gülleverschlauchung.

Miggu,dasKnechtli     17.02.09 17:55    

>> "Heute wollen wir uns etwas mit der Geschichte der Massenmedien beschäftigen. Aha, denken nun unsere humanistisch gebildeten Leser, jetzt kommt gleich Gaius Julius Cäsar um die Ecke."

Nicht nur der Julius. Zeitungsverleger sind doch eine Parallelgesellschaft zu den Maschinen-Eigner einer Körperschaft für Gülleverschlauchung.

Nüt für Unguet allerseits.

Patricia     13.02.09 22:05    

Soldati, ich bin gerade wieder etwas älter geworden: 43. Es kommt natürlich darauf an, wie alt Sie sind.

Meine beruflich Arbeit besteht zu 100 % am PC und es gefällt mir sehr gut. Ich bin auch gerne hin und wieder im Internet. Aber nach so vielen Arbeitsstunden am PC lese ich dann doch lieber in Papierform, meistens noch bis spät in die Nacht.
Wir hatten schon bei meinen Eltern zu Hause Unmengen von Zeitungen und Zeitschriften. Es stimmt, ich gebe zu viel Geld dafür aus.

Die Zeitungen und Modezeitschriften stapeln sich bei mir. Meistens komme ich mit dem Bündeln nicht nach. Es ist ein Graus! Das stresst mich wirklich mehr, als das Bezahlen der Abonnements.
Herr Köppel - er scheint ja ziemlich trainiert zu sein - könnte einmal bei mir vorbeikom

Soldati     12.02.09 14:33    

Liebe Patricia, ich will hier ja nichts unterstellen, aber Ihre einstellung gegenüber dem Internet könnte doch sehr wohl auch am Alter liegen, oder liege ich da falsch?
Die Zeitungen sind in Papierform am aussterben. Denn wer will schon Papier kaufen, wenn er es sich gratis im Internet ansehen kann? Und für diejenigen, die nich gerne ab Bildschirm lesen wird sicherlich bald ein kleiner transportabler Drucker auf den Markt kommen...
Zeitung ade, nur die WeWo darf bleiben;-)

Patricia     11.02.09 22:55    

Also nein, die Zeitungen dürfen keinesfalls verschwinden:

Das Internet ist zum längerem Lesen im Büro schon darum nicht sehr geeignet, weil mein Arbeitgeber nicht unbedingt über die Zeitspanne und die Auswahl der Artikel informiert sein muss. Zeitungen oder Internet: es sind einfach zwei Paar verschiedene Schuhe. Man muss wissen, welche Leute angesprochen werden sollen. Dass "Zeitungen sich nicht verändern können", dem stimme ich nicht zu. Sie können schon der Leserschaft angepasst werden, z.B. mit der Auswahl der Themen oder mit besserem Format (WeWo: A4 sehr gut).

Ich bin immer für die Unterstützung von Zeitungen. Einer meiner Ururgrossväter war nämlich u.a. auch Verleger einer liberalen Regionalzeitung. Er habe seiner Frau noch auf dem Totenbett A

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